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Lupe Stahlboom macht Berliner U-Bahn Rad-los

Wer glaubt, die weltweit enorme Nachfrage nach Stahl berühre das eigene Leben nicht, muss nur mal in Berlin mit der U-Bahn fahren. Auch andere Städte fürchten Lieferprobleme.

Einen Aspekt der Globalisierung bekommen Fahrgäste der Berliner U-Bahn derzeit hautnah zu spüren: Wegen der enormen Stahlnachfrage in China gehen den Berliner Verkehrsbetrieben die Ersatzteile aus, so dass etliche Wagen stillstehen und die verkürzten Bahnen oft proppenvoll sind. «Wenn in China ein Sack Reis umfällt, das interessiert uns eben vielleicht doch weltweit», kommentierte BVG-Sprecherin Petra Reetz am Mittwoch.

«Derzeit werden keine Achsen und Räder angeboten», erklärte BVG-Vorstand Thomas Necker im «Tagesspiegel» das Problem. Man habe sogar in Australien und Amerika versucht, die Teile zu besorgen. Aber der Weltmarkt sei leergefegt. Die Berliner sind nicht die einzigen, die das zu spüren bekommen – bundesweit klagen regionale Verkehrsbetriebe, ebenso die Deutsche Bahn.

Verzweifelte Suche nach Ersatzteilen
«Der Stahlmangel ist seit Jahren evident», sagte eine Unternehmenssprecherin der Nachrichtenagentur AP. Die Lieferzeit für Radsätze habe sich von früher höchstens 160 Tagen auf ein Jahr erhöht. «Das ist einkaufspolitisch natürlich eine große Herausforderung», sagte die Sprecherin. Deshalb habe die Bahn international neue Lieferanten gesucht. Standzeiten von Personenzügen gebe es wegen fehlender Ersatzteile nicht; von den Güterzügen der Bahn stünden derzeit rund 100 Wagen still.

Die Münchner Verkehrsgesellschaft hatte schon Ende vergangenen Jahres U-Bahnen vorübergehend aus dem Verkehr ziehen müssen, weil sich die Lieferung neuer Achsen verzögerte. Auch andere Städte berichten von Lieferproblemen und anziehenden Preisen.

Die deutsche Stahlindustrie hat angesichts des Booms bereits nachgefeuert. Die deutsche Produktion an Rohstahl wuchs in den ersten fünf Monaten 2007 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 5,8 Prozent auf 20,45 Millionen Tonnen, wie das Statistische Bundesamt berichtete. An der Enge in vielen Berliner U-Bahnen ändert das allerdings vorerst nichts. «Es sind keine Ersatzteile zu bekommen», sagte Reetz. Erst für den Herbst seien neue Lieferungen versprochen; bis dahin würden die Reparaturzyklen erhöht.

Immer noch besser als London und Paris
Dennoch ist die Situation in Berlin laut Reetz mit überfüllten U-Bahnen wie in London, Paris oder Moskau gar nicht vergleichbar. «Es kann sein, dass Sie keinen Sitzplatz bekommen, aber Sie bleiben nicht auf dem Bahnsteig stehen», sagte die Sprecherin. Oder man nimmt die S-Bahn: Die hat vorerst noch Ersatzteile und somit kein Problem.

Auch die SSB in Stuttgart hat ihren Jahresbedarf an rund 400 Rädern gedeckt, erwartet aber kommendes Jahr Lieferverzögerungen. «Das ist ein ernsthaftes Problem», sagte eine Sprecherin. Die Hamburger Hochbahn spürt noch keine Lieferengpässe, wohl aber Preiszuwächse bei Radreifen, die inzwischen 13 Prozent teurer sind als im Vorjahr. Dies sei wegen der Lage auf dem Weltmarkt nicht verwunderlich, sagte ein Sprecher.

Bei den hessischen Verkehrsbetrieben fehlt es an nichts. «Wir haben langfristige Lieferverträge, die die Versorgung sicherstellen», sagte Bernd Conrads, Sprecher der Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main. «Im Moment haben wir weder bei Achsen noch bei Schienen einen Mangel.» Sprecher der Leipziger und der Dresdner Verkehrsbetriebe berichteten von Lieferproblemen bei Verschleißteilen wie Radreifen an Straßenbahnen. Die Lieferfristen würden seit einem Jahr immer wieder überschritten. Das habe aber nicht zu Einschränkungen des Betriebes geführt. (AP)