Stahlboom macht Berliner U-Bahn Rad-los
«Derzeit werden keine Achsen und Räder angeboten», erklärte BVG-Vorstand Thomas Necker im «Tagesspiegel» das Problem. Man habe sogar in Australien und Amerika versucht, die Teile zu besorgen. Aber der Weltmarkt sei leergefegt. Die Berliner sind nicht die einzigen, die das zu spüren bekommen – bundesweit klagen regionale Verkehrsbetriebe, ebenso die Deutsche Bahn.
Die Münchner Verkehrsgesellschaft hatte schon Ende vergangenen Jahres U-Bahnen vorübergehend aus dem Verkehr ziehen müssen, weil sich die Lieferung neuer Achsen verzögerte. Auch andere Städte berichten von Lieferproblemen und anziehenden Preisen.
Die deutsche Stahlindustrie hat angesichts des Booms bereits nachgefeuert. Die deutsche Produktion an Rohstahl wuchs in den ersten fünf Monaten 2007 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 5,8 Prozent auf 20,45 Millionen Tonnen, wie das Statistische Bundesamt berichtete. An der Enge in vielen Berliner U-Bahnen ändert das allerdings vorerst nichts. «Es sind keine Ersatzteile zu bekommen», sagte Reetz. Erst für den Herbst seien neue Lieferungen versprochen; bis dahin würden die Reparaturzyklen erhöht.
Auch die SSB in Stuttgart hat ihren Jahresbedarf an rund 400 Rädern gedeckt, erwartet aber kommendes Jahr Lieferverzögerungen. «Das ist ein ernsthaftes Problem», sagte eine Sprecherin. Die Hamburger Hochbahn spürt noch keine Lieferengpässe, wohl aber Preiszuwächse bei Radreifen, die inzwischen 13 Prozent teurer sind als im Vorjahr. Dies sei wegen der Lage auf dem Weltmarkt nicht verwunderlich, sagte ein Sprecher.
Bei den hessischen Verkehrsbetrieben fehlt es an nichts. «Wir haben langfristige Lieferverträge, die die Versorgung sicherstellen», sagte Bernd Conrads, Sprecher der Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main. «Im Moment haben wir weder bei Achsen noch bei Schienen einen Mangel.» Sprecher der Leipziger und der Dresdner Verkehrsbetriebe berichteten von Lieferproblemen bei Verschleißteilen wie Radreifen an Straßenbahnen. Die Lieferfristen würden seit einem Jahr immer wieder überschritten. Das habe aber nicht zu Einschränkungen des Betriebes geführt. (AP)
