In den USA könnte eine neue Blase platzen
06.04.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Volkswirte und Börsianer sind sich in ihrer Bewertung der Auswirkungen allerdings uneins. Die einen halten das Segment der so genannten subprime mortgages Hypothekenkredite für Gläubiger ohne ausreichende Sicherheiten und die Zahl der gefährdeten Verträge für zu klein, als dass sie die gesamte US-Wirtschaft erheblich belasten könnten. Andere warnen jedoch, dass die Probleme in dem Segment nur der Anfang für eine größere Kreditkrise in den USA sein könnten.
2006 waren insgesamt die Besitzer von 1,3 Millionen Häusern bei ihren Hypotheken im Rückstand 42 Prozent mehr als im Vorjahr. Experten fürchten, dass die Zahl noch kräftig steigen wird. Kein Wunder: Im Immobilienboom der vergangenen Jahre wurden die Hypothekenbanken zusehends gieriger und leichtsinniger. Die Kreditstandards wurden immer mehr gelockert letztlich gelangten selbst ärmere Amerikaner, die kaum bis gar keine Sicherheiten anzubieten hatten, an Hypothekenkredite.
Doch inzwischen endet der Traum vom eigenen Haus für viele Amerikaner immer häufiger mit der Zwangsversteigerung. Die Zinsen sind mittlerweile kräftig gestiegen, einer neuen Studie zufolge dürften 60 Prozent der Kredite mit variablen Zinsen, die seit 2004 abgeschlossen wurden, um ein Viertel oder mehr teurer werden. Für ein Fünftel wird sogar eine Steigerung der Raten um mehr als 50 Prozent vorhergesagt. Dem stehen sinkende Häuserpreise gegenüber: Pessimisten taxieren den Preisverfall in diesem Jahr auf zehn Prozent während der Boomphase stiegen die Preise jährlich um deutlich über fünf Prozent.
Vor dem Hintergrund der wachsenden Zahl fauler Hypothekenkredite und zunehmender Ausfallraten dürfte die Pleite des Baufinanzierers New Century nicht die letzte bleiben. Große Banken wie HSBC und Wells Fargo, die zu den größten Subprime-mortgage-Anbietern zählen, sollten mit den Verlusten klarkommen. Bleibt die Frage, wie groß die Wirkung auf die US-Konjunktur sein wird. Der Markt für Privathypotheken in den USA ist mit Krediten im Gesamtwert von etwa zehn Billionen Dollar gewaltig. Eine sinkende Nachfrage nach neuen Häusern bei einem immer größeren Angebot an Altbauten trifft zunächst die US-Baubranche, bedroht aber auch Jobs von Maklern und Bankern.
Jüngeren Studien zufolge dürfte dieser Effekt im Immobilienbereich aber mehr als doppelt so groß sein, berichtet das britische Wirtschaftsmagazin «Economist». Bei einem Immobilienwert von 20 Billionen Dollar in den USA könnte demnach ein Wertverfall von zehn Prozent leicht das Konsumwachstum halbieren und damit die US-Wirtschaft einer Rezession «gefährlich nahe» bringen.
Dass aus der US-Immobilienkrise eine Gefahr für den Aufschwung in anderen Teilen der Welt erwachsen könnte, bezweifeln viele Beobachter ohnehin zuletzt der Internationale Währungsfonds (IWF). Der «Economist» weist darauf hin, dass die jährliche Wachstumsrate der US-Wirtschaft von 4,4 Prozent in 2004 auf 1,9 Prozent im zweiten Halbjahr gefallen sei dennoch habe Japan im vierten Quartal 2006 ein aufs Jahr hochgerechnetes Wachstum von 4,8 Prozent erreicht, in Deutschland lag die Rate zum Schlussquartal des Vorjahres bei 3,5 Prozent. Das Fazit des Magazins: Die Weltwirtschaft ist auf die «Lokomotive» USA weniger stark als früher angewiesen.

