Regierung sagt Produktpiraten den Kampf an
09. Feb 2007 16:28
 |  Brigitte Zypries | Foto: dpa |
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Die Bundesregierung will die EU-Ratspräsidentschaft zum Kampf für das geistige Eigentum nutzen. Der Klau von Marken und Designs findet aber nicht nur, wie das Klischee glauben machen will, in Ostasien statt.
Zum Auftakt der weltgrößten Konsumgütermesse Ambiente hat Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) den Produktpiraten den Kampf angesagt. Die Bundesregierung wolle die deutsche EU-Ratspräsidentschaft nutzen, um europaweit die strafrechtlichen Sanktionen gegen Produktpiraten zu vereinheitlichen, sagte Zypries in Frankfurt bei der Verleihung des Schmähpreises «Plagiarius».
«Produktpiraterie ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Gefahr für den Verbraucher und unsere Volkswirtschaft.» Zypries verwies auf einen Kabinettsbeschluss, der die Informationsrechte geschädigter Unternehmen gegenüber unbeteiligten Dritten verbessern soll, um Nachahmer entdecken zu können. Diese Auskunftspflicht könne Internet-Provider genauso treffen wie Spediteure, die nachgemachte Waren transportiert haben.
Design besonders dreist nachgeahmt
Auf der Messe erhielten zwei chinesische und ein deutscher Hersteller die zweifelhafte Auszeichnung. Die Firmen hatten nach Meinung der Jury besonders dreist das Design verschiedener Produkte nachgeahmt und die Plagiate meist in minderer Qualität auf den Markt gebracht.
Der erste Plagiarius-Preis ging für die Nachahmung einer Alfi-Thermoskanne an ein Unternehmen aus dem chinesischen Guangzhou. Eine komplette Kehrmaschine der Firma Haaga Kunststofftechnik aus dem baden-württembergischen Kirchheim/Teck wurde ebenfalls in China nachgebaut. Dass die Fälscher keineswegs nur in Fernost sitzen, wurde beim zweiten Preis deutlich, den ein Großhandel aus Witten für ein Notizbuch erhielt, das dem berühmten «Moleskine» des gleichnamigen Herstellers aus Mailand deutlich nachempfunden war.
Einkaufskorb vielfach abgekupfert
Das mit am häufigsten abgekupferte Produkt - der Einkaufskorb «Carrybag» der Firma Reisenthel aus dem bayerischen Puchheim - erhielt den neu geschaffenen «Hyänenpreis»: Mehr als 15 Produktfälscher hätten die Firma von allen Seiten gleichzeitig angegriffen, begründete die Jury.
Noch immer komme ein Großteil der Fälschungen aus Asien und namentlich aus China, sagte Ministerin Zypries. Es komme daher darauf an, in diesen Ländern «mehr Verständnis für den Inhalt und Wert des geistigen Eigentums» zu wecken. China habe dies auf der oberen politischen Ebene bereits gut verstanden, es mangele aber noch an der Umsetzung.
 |  Jamie Oliver | Foto: dpa |
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Die Ambiente, die größte Konsumgütermesse der Welt, startete in Frankfurt mit großem Besucherinteresse. Gut 4600 Aussteller aus 85 Ländern zeigen dort bis Dienstag Neuheiten für Haushalt, Wohnen und Schenken. Damit hat die Zahl der Aussteller einen Rekord erreicht. Ebenso wie im Vorjahr werden rund 147.000 Fachbesucher erwartet. Im Rahmen der Ambiente wird unter anderem der britische TV-Koch Jamie Oliver seine Kochkünste vorführen. (dpa)