netzeitung.deMinsk schickt Abgesandten nach Moskau

 Herausgeber: netzeitung.de

Verdichter einer russischen Gas-Pipeline in Weißrussland (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Verdichter einer russischen Gas-Pipeline in Weißrussland
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Blockiert Minsk die Pipeline oder hat Moskau den Hahn zugedreht? Der Energiestreit wird immer verworrener. Die Regierung in Minsk will die «Missverständnisse» möglichst schnell ausräumen.

Im Energiestreit zwischen Weißrussland und Russland wird die Situation immer undurchsichtiger. Der vom Kreml kontrollierte Pipeline-Monopolist Transneft hat offenbar sämtliche Ölexporte für den Westen gestoppt. Das zumindest meldet die russische Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf den Vizechef von Transneft, Sergej Grigorjew.

Weißrussland weist unterdessen jegliche Verantwortung für den Lieferstopp von sich. Am Montag hatte die weißrussische Seite zunächst mitgeteilt, sie selbst habe den Öltransit nach Polen und Deutschland sowie weitere EU-Länder blockiert.

Weißrussland habe zu keinem Zeitpunkt die Pumpen eingestellt, verteidigte sich Alexej Kostjuschenko, Leiter der Pipeline-Betriebsgesellschaft Gomeltransneft-Druschba, am Dienstag. «Alle Fragen müssen den Russen gestellt werden.» Es sei auch nicht richtig, dass Weißrussland 79.000 Tonnen Rohöl aus der durch das eigene Territorium führenden Leitung entnommen habe.

Streit um Preis
Hintergrund ist der Streit um den Gaspreis, den Russland von Weißrussland verlangt. Nach zähen Verhandlungen Ende vergangenen Jahres setzte Russland eine Verdoppelung des Preises durch. Im Gegenzug drohte die Regierung in Minsk damit, eine Extra-Gebühr für die Nutzung der eigenen Pipelines zu erheben. Auch das Außenministerium in Minsk erklärte, dass Weißrussland nicht für den Druckabfall in der Pipeline verantwortlich sei. Zugleich kündigte das Ministerium Gegenmaßnahmen an, da Weißrussland durch die Blockade wirtschaftlich geschädigt werde.

Beide Parteien wollen sich am Dienstag treffen, um den schwelenden Konflikt beizulegen. Der weißrussische Vize-Regierungschef Andrej Kobjakow flog am Morgen nach Moskau, wie das Außenministerium in Minsk mitteilte. Es gebe offenbar Missverständnisse mit Russland, die man so schnell wie möglich ausräumen müsse, hieß es vom weißrussischen Staatskonzern Belneftechim. (nz)