netzeitung.deUS-Konkurrenz fordert OpenBC heraus

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Homepage von LinkedIn Screenshot: nz (Screenshot: nz<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Homepage von LinkedIn Screenshot: nz
Screenshot: nz
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

In einigen europäischen Ländern ist LinkedIn, ein US-Internetforum für Businesskontakte, führend - aber nicht in Deutschland. Jetzt planen die Amerikaner den Angriff auf OpenBC - mit «tieferen Kontakten».

Von Matthias Breitinger

Noch ist die kürzlich in Xing umbenannte Internet-Plattform für Geschäftskontakte Open Business Club (OpenBC) das größte Netzwerk dieser Art in Deutschland – das soll im kommenden Jahr anders werden, wenn es nach Konstantin Guericke geht. Der Mitgründer und Marketingchef des internetbasierten US-Businessnetzwerks LinkedIn will die Zahl seiner deutschen Mitglieder, die derzeit nach eigenen Angaben bei «ein paar hunderttausend» liegt, kräftig steigern. Das muss er auch, denn die Zahl der deutschen Nutzer beträgt damit nur ein Fünftel des Kundenstammes von OpenBC.

Dabei setzt sich Guericke ehrgeizige Ziele: «Eine Million Mitglieder in Deutschland kann ich mir sehr gut vorstellen», sagt der in Kalifornien lebende Deutsche im Gespräch mit der Netzeitung. Damit wäre das US-Unternehmen mit dem deutschen Konkurrenten in etwa auf Augenhöhe. Dazu soll im März 2007 eine deutsche Version von LinkedIn im Netz starten – bisher ist die Plattform nur in Englisch verfügbar. Auch eine deutsche Repräsentanz soll aufgebaut werden. Der Sitz seines Unternehmens ist Palo Alto südlich von San Francisco.

Mitgliederzahl soll sich verdoppeln
Weltweit hat LinkedIn gut acht Millionen Mitglieder, drei Millionen davon in Europa. Damit sei das Unternehmen auf dem Kontinent insgesamt Marktführer und auch in einzelnen Ländern die wichtigste Online-Plattform für Geschäftskontakte – aber eben nicht in Deutschland, betont Guericke.

Bis Ende kommenden Jahres will LinkedIn seine Mitgliederzahl weltweit verdoppeln. Die Mitgliedschaft ist kostenlos, ebenso sämtliche Suchfunktionen. Für weitere Dienste verlangt LinkedIn Gebühren: 145 Dollar verlangt das Unternehmen für das Schalten einer Stellenanzeige.

Täglich kämen weltweit 14.000 Kunden hinzu, berichtet Guericke – und das bislang ohne Werbung. Das Wachstum basiere allein auf Mund-zu-Mund-Propaganda. Der hilft LinkedIn etwas nach: Mitglieder, die Neukunden werben, erhalten derzeit Premiumdienste im Wert von rund 160 Euro gratis, ebenso der Neukunde.

Kontaktaufnahme über gemeinsame Bekannte
Auf Empfehlungen basiert auch das Netzwerk an sich. Zwar kann grundsätzlich ein Mitglied jedes andere direkt auf der Plattform kontaktieren – sofern dieses diese Funktion nicht ausgeschaltet hat. Aber im Gegensatz zu Xing, wo ein Premiummitglied für seine Monatsgebühr von 5,95 Euro unendlich viele Direktkontakte zu völlig fremden Mitgliedern aufbauen kann, kostet bei LinkedIn jede solche Kontaktaufnahme. Die Gebühr hierfür lässt nach Ansicht des Unternehmens davor zurückschrecken, schnell einmal völlig Unbekannte anzuschreiben.

Kostenlos ist dagegen die «Get Introduced»-Funktion - also die Möglichkeit, über einen direkten Bekannten mit jemandem Kontakt aufzunehmen. «Wer einen solchen Kontaktwunsch weiterreicht, gibt damit eine Empfehlung ab», erläutert Guericke. Da Kontakte bei LinkedIn in der Regel über diesen Weg entstünden, seien sie «tiefer und fundierter», glaubt der Marketingchef. «Bei OpenBC haben dagegen viele Mitglieder Listen mit hunderten von Kontakten, doch diese sind häufig sehr, sehr oberflächlich.»

Profile ohne Fotos
Außerdem sieht Guericke seine Kunden so besser vor ungebetenen E-Mails und Anfragen geschützt. Auch Bilder von Mitgliedern sucht man bei LinkedIn – im Gegensatz zu OpenBC – vergeblich: LinkedIn sei schließlich eine Business-Plattform und keine Flirtbörse. Guerickes Kunden, das sind vor allem international tätige Geschäftsleute. «Der typische LinkedIn-Nutzer ist Hochschulabsolvent mit zehn bis 20 Jahren Berufserfahrung. Viele unserer Mitglieder sind im IT-Sektor, in der Finanzbranche, im Marketing und im Gesundheitswesen tätig.»

Damit beschreibt Guericke allerdings auch die Zielgruppe, die sein großer deutscher Konkurrent Xing im Visier oder schon als Kunden hat. Doch der 39-Jährige betont: «Uns geht es nicht darum, OpenBC-Mitglieder abzuwerben.» Es gebe noch viele potenzielle Kunden, die sich noch keinem Online-Netzwerk angeschlossen hätten. Deutschland habe 20 Millionen potenzielle Nutzer, von denen 95 Prozent noch gar nicht verlinkt seien. «Viele haben sich bewusst gegen OpenBC entschieden. Für sie könnte LinkedIn weitaus attraktiver sein.»

Kein Börsengang geplant
LinkedIn, seit 2003 am Markt, arbeitet laut Guericke seit März dieses Jahres profitabel. Neben den kostenpflichtigen Bezahldiensten setzt das Unternehmen auf Werbung, die – ähnlich wie bei Google – zielgruppenspezifisch auf das Profil des jeweiligen Mitglieds zugeschnitten ist. Außerdem können Dienstleister, die LinkedIn-Mitglied sind, Anzeigen schalten.

Ein weiteres Standbein hat sich das Unternehmen durch Kooperationen etwa mit American Express geschaffen. Für Amex-Kunden, die auch LinkedIn-Mitglied sind, wurde eine spezielle Homepage geschaffen, wo neben ihrem Profil zugleich der Kontostand und ähnliches abgefragt werden kann. «Solche Kooperationen können wir uns auch in Deutschland vorstellen», sagt Guericke.

Konkurrent OpenBC ist am Donnerstag in Frankfurt an die Börse gegangen. Solche Pläne hegt LinkedIn momentan nicht: «Derzeit würde ich einen Börsengang für verfrüht halten», meint Guericke. Das Unternehmen werde von Investoren «mit langem Atem» getragen. Ein Börsengang mache dagegen von kurzfristigem Profitdruck abhängig. Zu den Kapitalgebern zählt Sequoia Capital, ein Investor, der auch bei der Suchmaschine Google und dem Internet-Portal Yahoo engagiert ist.