Piraterie ist «Krebs von Chinas Wirtschaft»04. Dez 2006 10:03  |  Eine Zollbeamtin präsentiert die Überreste eines gefälschten Sportschuhs. | Foto: dpa |
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Im Kampf gegen Markenfälschung könnten die Unternehmen selbst viel mehr tun, als nur auf die Politik zu warten, sagte Experte Fuchs der Netzeitung. Peking nehme das Problem ernst - doch es fehle Durchsetzungskraft in den Provinzen.
Von Matthias BreitingerDeutsche Unternehmen erleiden durch Markenfälschungen einen Umsatzverlust von mehr als 25 Milliarden Euro, schätzt der «Aktionskreis Deutsche Wirtschaft gegen Produkt- und Markenpiraterie» (APM). Das liegt auch daran, dass die Firmen «noch viel zu wenig» gegen Markenpiraterie unternehmen, wie Hans Joachim Fuchs meint: «Das Potenzial ist bei weitem noch nicht ausgeschöpft», sagt der China-Experte im Gespräch mit der Netzeitung.
Er rät Unternehmen zu einem «ganzen Strauß von Strategien, mit denen man gegensteuern kann». Dazu zählten neben juristischen Maßnahmen auch organisatorische, technische und betriebswirtschaftliche Schritte. «Die Kombination dieser Maßnahmen setzt die Hürde für einen Fälscher so hoch, dass es sich für ihn nicht mehr lohnt», sagt Fuchs.Eine Hauptstrategie, die immer wieder zitiert werde, sei, die Innovationszyklen zu beschleunigen, so dass die Fälscher nicht mehr hinterher kommen. «Eine andere Strategie: Europäische Hersteller haben gesehen, dass der Fälscher sehr gut arbeitet, und beschlossen, ihn ganz einfach zu kaufen.» Um dem Kopierer den Wind aus den Segeln zu nehmen, könne der Markenhersteller auch «eine abgespeckte Discount-Version des eigenen Markenprodukts auf den Markt» bringen.
Chinas Gesetze reichen aus
 | Hans Joachim Fuchs | Foto: Chinabrand |
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Es sei zwar richtig, dass die Europäer und Amerikaner den Druck auf die chinesische Führung verstärkten, geistiges Eigentum mehr zu schützen. «Nur mahlen die politischen Mühlen eben langsam», warnt Fuchs. «Bis die EU oder die USA wirksame Maßnahmen ergriffen haben, werden viele Firmen durch Piraterie bankrott sein.» Daher würden auch juristische Maßnahmen in Europa, etwa Grenzbeschlagnahmungen, niemals ausreichen. «Das ist gut, bringt aber nicht viel.» Zudem seien gefälschte Bekleidung oder Sportschuhe – die wie jüngst in Hamburg vom Zoll beschlagnahmt und medienwirksam geschreddert werden – nicht mehr das Kernfeld der Piraterie. Fuchs, der selbst mit seiner Firma Chinabrand in Deutschland und vor Ort Unternehmen berät, hat aber den Eindruck, dass die chinesische Regierung das Problem sehr ernst nimmt. Auch die chinesischen Gesetze reichten für den Kampf gegen Piraterie «völlig» aus, meint der Experte. «Das Problem liegt aber in der mangelhaften Umsetzung in erster Linie in den Provinzen. Der Provinzfürst will seine regionalen Firmen schützen. Die zahlen schließlich in der Region Steuern. Außerdem kennt er sehr oft die Manager persönlich.»
«Ein wenig Konfuzianismus»
Interview: Das Gespräch im Wortlaut |
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Die chinesische Führung sei hingegen sehr sensibel bei dem Thema geworden, zumal Piraterie im wesentlichen ein innerchinesisches Problem sei: «80 Prozent der Prozesse gegen Markenfälscher in China werden von Chinesen betrieben», weiß der Fachmann. Allein schon deshalb habe Peking jeden Grund, hart gegen Fälschung vorzugehen: «Welches chinesische Unternehmen investiert denn in Forschung und Entwicklung, wenn seine Ergebnisse von den Landsleuten geklaut werden?»Allerdings hat die Markenpiraterie in China für Fuchs auch mit dem Streben des Landes zu tun, möglichst schnell zu wachsen und sich den Industrieländern des Westens anzugleichen – «ohne Rücksicht auf die Umwelt, auf andere.» Im Fälschen stecke zudem «ein wenig Konfuzianismus» drin: «Der Chinese ist Kollektivist und kann nicht verstehen, dass eine Idee einer privaten Person gehören soll.» Kopieren gelte in China häufig als Wertschätzung des Kopierten: «Wenn ich Fälscher auf ihre Straftat hinweise, dann sind die ganz stolz, wie gut ihre Plagiate ist.»
Warnung an Airbus Fuchs will seine Erklärung aber nicht als Relativierung oder gar Entschuldigung verstanden wissen. «Heute ist das Fälschen hochgradig kriminell geworden» – zumal heute alles gefälscht werde, von Luxusuhren über Medikamente, Autozulieferteile und Ölfarben bis zu hin Zertifikaten. «Den bösen Spitzbuben, der im Hinterhof in seiner Fälscherbude sitzt, gibt es längst nicht mehr», sagt Fuchs. Heute seien professionelle Unternehmen am Werk. «Das ist organisierte Kriminalität. Sie hat sich zu einer Krankheit entwickelt und ist der Krebs der chinesischen Wirtschaft.»Deshalb warnt Fuchs auch den europäischen Flugzeughersteller Airbus, der Ende Oktober aus China einen Auftrag für 150 Jets des Typs A320 erhielt – wobei die Endmontage in einem Werk östlich von Peking laufen soll. Airbus müsse vorsichtig sein, meint Fuchs: «Die chinesische Regierung ist sehr am Flugzeugbau, einer Schlüsselbranche, interessiert. Wenn Airbus-Maschinen in China montiert werden, ist die Gefahr der Piraterie sehr, sehr groß.»
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