Piraterie ist «Krebs von Chinas Wirtschaft»
04.12.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Deutsche Unternehmen erleiden durch Markenfälschungen einen Umsatzverlust von mehr als 25 Milliarden Euro, schätzt der «Aktionskreis Deutsche Wirtschaft gegen Produkt- und Markenpiraterie» (APM). Das liegt auch daran, dass die Firmen «noch viel zu wenig» gegen Markenpiraterie unternehmen, wie Hans Joachim Fuchs meint: «Das Potenzial ist bei weitem noch nicht ausgeschöpft», sagt der China-Experte im Gespräch mit der Netzeitung.
Eine Hauptstrategie, die immer wieder zitiert werde, sei, die Innovationszyklen zu beschleunigen, so dass die Fälscher nicht mehr hinterher kommen. «Eine andere Strategie: Europäische Hersteller haben gesehen, dass der Fälscher sehr gut arbeitet, und beschlossen, ihn ganz einfach zu kaufen.» Um dem Kopierer den Wind aus den Segeln zu nehmen, könne der Markenhersteller auch «eine abgespeckte Discount-Version des eigenen Markenprodukts auf den Markt» bringen.
Fuchs, der selbst mit seiner Firma Chinabrand in Deutschland und vor Ort Unternehmen berät, hat aber den Eindruck, dass die chinesische Regierung das Problem sehr ernst nimmt. Auch die chinesischen Gesetze reichten für den Kampf gegen Piraterie «völlig» aus, meint der Experte. «Das Problem liegt aber in der mangelhaften Umsetzung in erster Linie in den Provinzen. Der Provinzfürst will seine regionalen Firmen schützen. Die zahlen schließlich in der Region Steuern. Außerdem kennt er sehr oft die Manager persönlich.»
Allerdings hat die Markenpiraterie in China für Fuchs auch mit dem Streben des Landes zu tun, möglichst schnell zu wachsen und sich den Industrieländern des Westens anzugleichen «ohne Rücksicht auf die Umwelt, auf andere.» Im Fälschen stecke zudem «ein wenig Konfuzianismus» drin: «Der Chinese ist Kollektivist und kann nicht verstehen, dass eine Idee einer privaten Person gehören soll.» Kopieren gelte in China häufig als Wertschätzung des Kopierten: «Wenn ich Fälscher auf ihre Straftat hinweise, dann sind die ganz stolz, wie gut ihre Plagiate ist.»
Deshalb warnt Fuchs auch den europäischen Flugzeughersteller Airbus, der Ende Oktober aus China einen Auftrag für 150 Jets des Typs A320 erhielt wobei die Endmontage in einem Werk östlich von Peking laufen soll. Airbus müsse vorsichtig sein, meint Fuchs: «Die chinesische Regierung ist sehr am Flugzeugbau, einer Schlüsselbranche, interessiert. Wenn Airbus-Maschinen in China montiert werden, ist die Gefahr der Piraterie sehr, sehr groß.»

