Air France warnt Investoren vor Übernahme
15.11.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Flugzeug von Air France
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Noch ist unklar, wer zuletzt massenhaft Air-France-Aktien aufkaufte - dennoch warnt die Airline die Unbekannten vor einem feindlichen Übernahmeversuch: Das Unternehmen signalisiert vorsorglich Verteidigungsbereitschaft.
Die französisch-niederländische Fluggesellschaft Air France KLM hat angesichts massiver Aktien-Zukäufe unbekannter Investoren vor dem Versuch einer feindlichen Übernahmeattacke gewarnt. Das Unternehmen erinnere die Investoren daran, «dass sie wie viele andere große europäische Gesellschaften das Recht hat, einen Mechanismus zur Sicherung der nationalen Eigentümerschaft in Gang zu setzen, sobald der Anteil der ausländischen Aktionäre 45 Prozent erreicht hat», teilte die Fluggesellschaft am Mittwoch in Paris mit.
Dies sei «eine Warnung an den Markt», sagte eine Firmensprecherin der Nachrichtenagentur dpa. Wer hinter den Aufkäufen stehe, könne Air France KLM nicht sagen. In den vergangenen Monaten hatten unbekannte Investoren massiv Aktien der Fluggesellschaft gekauft und damit den Kurs von 16 auf 32 Euro verdoppelt. Dabei stieg der Anteil ausländischer Aktionäre am Kapital schon auf 47 Prozent.
Anleger kann zu Verkauf gezwungen werdenZuletzt hatten Investoren außerhalb der EU - etwa aus Russland oder aus dem Mittleren Osten - sich in westlichen Unternehmen eingekauft oder Interesse an einem solchen Schritt bekundet. Fluggesellschaften sind allerdings stärker gegen feindliche Übernehmen geschützt, weil ihre Existenz von den meisten Staaten als nationales Interesse definiert wird.
Air France KLM könnte nach geltendem Recht ihre Lizenz verlieren, wenn Investoren von außerhalb der EU die Kapitalmehrheit erringen. Die Fluggesellschaft kann aber zuvor die fremden Aktionäre zwingend auffordern, ihre Anteile abzustoßen.
Dubai will in Europa einkaufenAm Wochenende sorgten Investoren aus Dubai mit Einstiegsplänen bei Dax-Unternehmen für Furore. Berichten zufolge hat sich Dubais staatliche Beteiligungsgesellschaft DIC unter anderem Siemens
, Lufthansa
, BASF
, RWE
und Eon
als Investitionsobjekte ausgeguckt. Zudem prüft DIC den Einstieg bei EADS
, der Mutter des angeschlagenen Flugzeugherstellers Airbus.
Die Fluggesellschaft Emirates ist ein wichtiger Airbus-Kunde, die derzeit mit Problemen beim Großraumflugzeug A380 zu kämpfen hat. Auch Emirates hatte 43 Maschinen des Typs bestellt und prüft derzeit Konsequenzen aus den Lieferverzögerungen. Kürzlich war eine russische Staatsbank bei der Airbus-Konzernmutter eingestiegen. Ferner hatte Düsseldorfs Oberbürgermeister Joachim Erwin Interesse bekundet, die RWE-Anteile der Stadt an den russischen Gasprom-Konzern zu veräußern.
Spekulationen um AlitaliaDer Höhenflug der Air-France-KLM-Aktie hatte bisher eher Spekulationen genährt, die Fluggesellschaft könne die am Rande der Insolvenz stehende Alitalia billig kaufen. Air France KLM hat Interesse an der Übernahme, fordert aber vorher eine Sanierung der italienischen Gesellschaft. Die Alitalia-Aktie ist mit rund 80 Cent nur noch halb so viel wert wie vor einem Jahr. (nz)