netzeitung.deChinas Währungsreserven explodieren

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Chinas Handelsminister Bo Xilai (Foto: china.org.cn<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Chinas Handelsminister Bo Xilai
Foto: china.org.cn
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Mehr als eine Billion Dollar hat China an Währungsreserven angehäuft - vor allem in US-Staatsanleihen. Eine Umschichtung ist kaum möglich, weil es zu einem rasanten Verfall des Dollar führen würde.

Der Exportboom und der massive Zufluss von ausländischen Investitionen hat die Währungsreserven in China drastisch anschwellen lassen. Nach Angaben des chinesischen Staatsfernsehens wurde inzwischen die Marke von einer Billion Dollar überschritten. Täglich kämen weitere 30 Millionen Dollar hinzu.

Ein Großteil davon ist in US-Staatsanleihen angelegt. Das birgt Gefahr für die amerikanische Währung: Sollte sich China irgendwann entscheiden, einen Teil seiner Reserven in Euro umzuschichten, ist nach Einschätzung von Experten mit einem drastischen Verfall des Dollar zu rechnen.

Yuan-Koppelung in der Kritik
Insbesondere die USA werfen China vor, durch die Koppelung des Yuan an den Dollar die eigene Exportwirtschaft auf Kosten ausländischer Unternehmen zu stützen. Ein niedriger Yuan-Kurs macht es für international agierende chinesische Unternehmen günstiger, ihre Produkte im Ausland abzusetzen.

China weist gegenüber anderen wichtigen Wirtschaftsnationen einen dementsprechend hohen Handelsüberschuss aus – dadurch ergeben sich bei den Handelspartnern zum Teil riesige Defizite. Gerade die USA hat mit einem so genannten Doppel-Defizit zu kämpfen: Die Vereinigten Staaten importieren deutlich mehr Waren aus dem Rest der Welt, als sie exportieren. Hinzu kommt das enorme Defizit im Haushalt.

Mandelson in Peking
Die Beseitigung von Handelsbarrieren stand auch im Mittelpunkt des Besuches von EU-Handelskommissar Peter Mandelson, der in Peking mit seinem Amtskollegen Bo Xilai zusammentraf. China müsse ausländischen Waren und Investitionen mehr Zugang zu seinem Markt gewähren und nicht-tarifäre Handelshemmnisse abbauen, forderte Mandelson in einer Rede an der Qinghua-Universität.

Im Mai dieses Jahres hatte der Internationale Währungsfonds (IWF) China offen zu mehr Wechselkursflexibilität aufgerufen. Die Volksrepublik hatte Mitte 2005 den Yuan leicht aufgewertet und die feste Bindung an den Dollar etwas gelockert.

Verdoppelung der Reserven erwartet
Im September hatten die Reserven 987,9 Milliarden Dollar erreicht. Für Oktober war ein Zuwachs um 18 Milliarden erwartet worden. Der Fachmann des Staatsrates, Ba Shusong, erwartet, dass die Reserven in nur zwei Jahren auf 1,5 Billionen anwachsen werden. Nach einer Schätzung des IWF könnten schon 2010 insgesamt zwei Billionen erreicht werden.

In diesem Jahr wird ein Zufluss von ausländischen Investitionen in Höhe von 60 Milliarden Dollar erwartet. Ende Februar hatte China Japan als bisherige Nummer Eins in Sachen Währungsreserven abgelöst. Japans Reserven beliefen sich Ende September auf 881,3 Milliarden Dollar. (nz)