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Putin will Gaslieferung verdoppeln

10. Okt 2006 19:17
Angela Merkel und Wladimir Putin
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Der russische Präsident Putin hat Deutschland eine Verdopplung der Gaslieferungen in Aussicht gestellt. Dafür sollen deutsche Unternehmen Russland Zugang zum EU-Stromnetz ermöglichen.

Thema: Kampf um Europas Energiemarkt
Russlands Präsident Wladimir Putin hat angekündigt, die Gaslieferungen an Deutschland mehr als verdoppeln zu wollen. Russland könnte jährlich zusätzlich 50 bis 55 Milliarden Kubikmeter Gas an Deutschland liefern, sagte Putin am Dienstag nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Dresden. «Deutschland würde von einem Verbraucher zu einem Zentrum der Energieverteilung in Europa», sagte er.

Derzeit liefert Russland laut Putin jährlich 40 Milliarden Kubikmeter Gas nach Deutschland. Voraussetzung für die von ihm in Aussicht gestellte Steigerung sei die Erschließung der Gasvorkommen im Stockmann-Feld und die Lieferung über die geplante Ostsee-Pipeline, sagte der russische Präsident weiter.

Weltgrößtes Gasvorkommen?

Das Stockmann-Feld liegt in der Barentssee und ist nach russischen Angaben das weltgrößte Gasvorkommen. Es wird auf 3,7 Billionen Kubikmeter Erdgas geschätzt. Putin geht davon aus, dass das Feld mindestens 50 Jahre lang ausgebeutet werden kann. Russland will das Feld ohne ausländische Beteiligung erschließen.

Kanzlerin Merkel gab sich zuversichtlich, dass das Pipeline-Projekt verwirklicht werden kann. Sie verstehe, dass Russland in Europa Fuß fassen wolle. Grundsätzlich bestehe auch kein Anlass, «sich gegen sich entwickelnde Wirtschaften abzuschotten», sagte die Kanzlerin. Sie verwies auf bereits bestehende Kooperationsverträge etwa mit BASF oder Eon.

Gasprom strebt nach Europa

Der Energiekonzern Eon beteiligt sich an der Erschließung und Ausbeutung des sibirischen Gasfelds Juschno Russkoje. In einem Rahmenvertrag mit dem russischen Konkurrenten Gasprom hatte sich Eon im Juli einen Anteil von 25 Prozent minus einer Aktie an dem Gasfeld gesichert. In gleicher Höhe hatte sich zuvor der Chemiekonzern BASF über seine Tochter Wintershall beteiligt.

Im Gegenzug erhielt Gasprom Beteiligungen an Töchtern der beiden Unternehmen in Europa. Der staatlich kontrollierte Konzern strebt so nach mehr Einfluss auf dem europäischen Energiemarkt. Auch beim Anschluss des russischen Stromnetzes an das der EU erwartet Russland Zugeständnisse. Die deutschen Konzerne Siemens , RWE und Eon sollten sich an einer entsprechenden Machbarkeitsstudie beteiligen, berichtete die russische Zeitung «Kommersant».

Ostsee-Pipeline «gegen niemanden gerichtet»

Nach Einschätzung des Vorsitzenden des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft, Klaus Mangold, fehlt Russland ein modernes und leistungsfähiges Elektrizitätsnetz. Die russische Branche müsse in den kommenden fünf bis acht Jahren rund 100 Milliarden US-Dollar in den Ausbau von Netzen und Kraftwerken investieren. Möglicherweise könne die deutsche Elektrizitätswirtschaft «für rund 20 bis 30 Milliarden Dollar Waren nach Russland liefern», sagte er im RBB.

An die Adresse Polens bekräftigte Merkel, das Pipeline-Projekt sei «gegen niemanden gerichtet». Zugleich machte sie deutlich, dass Deutschland als selbstbewusste Wirtschaftsnation offen auf alle möglichen Partner zugehe.

Polen fühlt sich durch den geplanten Bau der Ostsee-Pipeline von Russland nach Deutschland ausgegrenzt: Die Pipeline ginge nach bisherigen Überlegungen an polnischem Gebiet vorbei. Russland könnte Gaslieferungen nach Polen stoppen, ohne die Lieferungen an das restliche Europa zu behindern, so die Befürchtung. (nz)

 
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