Moskau will Gasprom Sachalin-Anteil sichern
20. Sep 2006 15:33
 |  Ölbohrung in Sibirien | Foto: AP |
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In Russland sind nach dem Entzug der Lizenz für das Shell- Projekt vor der Insel Sachalin auch andere Gasprojekte gefährdet. Russische Analysten vermuten, dass hinter dem Vorgehen der staatseigene Gasprom-Konzern steht.
Nach dem Entzug der Betriebserlaubnis für den Ölkonzern Shell für Gasbohrungen vor der sibirischen Insel Sachalin durch Moskau sind offenbar auch andere Projekte in Russland gefährdet. Nach einem Bericht der britischen «Financial Times» drohen russische Behörden, die umweltrechtliche Genehmigung für das russisch-britisch Joint-Venture TNK-BP zur Erschließung eines Gasfeldes in Ostsibirien aufzuheben. Die Staatsanwaltschaft der sibirischen Hauptstadt Irkutsk hätte gefordert, dem Joint-Venture die Lizenz zu entziehen, da umweltrechtliche Auflagen nicht erfüllt worden seien, berichtete die Zeitung unter Berufung auf informierte Kreise.
Streit belastet diplomatische Beziehungen
Bereits am Montag hatte das russische Ministerium für Naturnutzung dem Ölkonzern Shell die Umwelterlaubnis für das rund 20 Milliarden Euro schwere Projekt Sachalin-2 entzogen. Die Genehmigung für die zweite Projektphase sei illegal erworben worden, so die Begründung. Das von Shell geführte europäisch-japanische Konsortium räumte daraufhin zwar ein, dass es Schwierigkeiten mit dem Umweltschutz gegeben habe, aber gegen russisches Recht sei nicht verstoßen worden.Vor allem Japan und die EU verurteilten das Vorgehen Moskaus scharf. Japans designierter Premier Shinzo Abe warnte Russland, der Schritt gefährde nicht nur die diplomatischen Beziehungen der beiden Länder, sondern auch ausländische Investitionen. An dem Projekt sind auch die beiden japanischen Konzerne Mitsui und Mitsubishi mit insgesamt 45 Prozent beteiligt. Beide haben bereits 4,7 Milliarden Dollar in das Projekt im fernöstlichen Sibirien gesteckt.
EU nimmt Streit «sehr ernst»
 |  EU-Energiekommissar Andris Piebalgs | Foto: dpa |
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Auch die EU mischte sich mit klaren Worten in den Streit um die Lizenz ein. EU-Energiekommissar Andris Piebalgs sagte, er nehme die Sache «sehr ernst». Er forderte die russischen Behörden auf, ihre Bedenken eindeutig darzulegen und Shell eine angemessene Frist zur Abhilfe einzuräumen. Ohne klare Regeln würden Investitionen in neue Energieprojekte höchst problematisch. Die Energiepartnerschaft zwischen der EU und Russland beruhe auf der gegenseitigen Einhaltung bestimmter Vorgaben wie Offenheit und Verlässlichkeit, betonte Piebalgs. Dies gelte für Möglichkeit von EU-Firmen, in Russland zu investieren, «genauso wie für das Recht russischer Unternehmen, Gas und Öl sowohl auf vor- wie nach gelagerter Ebene in der EU frei zu verkaufen.»Experten fürchten, dass dies ein neuer Versuch Russlands sein könnte, die Öl- und Gasvorkommen des Landes unter seine Kontrolle zu bringen. So solle Shell gezwungen werden, auch heimische Unternehmen an dem lukrativen Projekt – das bis jetzt nur in ausländischer Hand ist - zu beteiligen, berichtete das «Wall Street Journal» am Mittwoch.
Einstieg Gasproms erzwingen
Hinter dem Vorgehen der Behörde vermuten russische Analysten deshalb den staatlich kontrollierten Energiekonzern Gasprom. Der Konzern will in das Projekt einsteigen und bietet im Tausch eine 50-prozentige Beteiligung an einem westsibirischen Förderfeld. Allerdings seien die Verhandlungen ins Stocken geraten, nachdem sich abzeichnete, dass deutlich höhere Investitionen anfallen werden als zunächst angenommen. Die Gespräche seien nach dem Lizenz-Streit ausgesetzt worden, berichtete das «Wall Street Journal». (nz)