Doch Armut ist nach Einschätzung der ILO nur ein Grund unter vielen. Andere Ursachen seien Ungleichheit, mangelnde Bildungschancen oder fehlende Arbeit für Erwachsende. Das Problem werde gelegentlich durch Landflucht oder die Auswanderung aus ärmeren in reichere Länder verschärft. Manchmal spielen auch Tradition und Kultur eine Rolle. Vor diesem Hintergrund schicken der ILO zufolge viele Familien ihre Kinder zum Arbeiten – beispielsweise auf Felder oder in Fabriken. Andere müssten auf der Straße Ramsch verkaufen oder sogar in Minen arbeiten, beklagte die Expertin. Oft arbeiten Kinder auch in kleinen Werkstätten oder als Dienstmädchen. Nach Angaben des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (Unicef) werden Kinder auch als Schuldknechte, Kindersoldaten oder Prostituierte missbraucht.
Südostasien ist nach wie vor ein Schwerpunkt der Kinderarbeit. In dieser Region liegen beispielsweise Afghanistan, Indien, Pakistan, Bangladesh und Sri Lanka. Dem Bericht zufolge ist die Situation in Nepal wohl am Schlimmsten. 2004 mussten 40 Prozent der Kinder, die zwischen zehn und 14 Jahre alt waren, arbeiten – gelegentlich stundenlang in Minen, Steinbrüchen oder Teppichfabriken. Doch auch hier ging die Zahl der Betroffenen im Vergleich zu 1990 um die Hälfte zurück.
Nach Angaben des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (Unicef) arbeiten weltweit rund 218 Millionen Kinder zwischen fünf und 14 Jahren. Davon arbeiten 122,3 Millionen in Asien und 49,3 Millionen in Afrika. In der Region Lateinamerika und Karibik liegt die Zahl bei 5,7 Millionen. (nz)