netzeitung.deOligarch kauft russischen «Kommersant»

 Herausgeber: netzeitung.de

Homepage des 'Kommersant' Screenshot: nz (Screenshot: nz<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Homepage des 'Kommersant' Screenshot: nz
Screenshot: nz
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Diesmal griff Gasprom nicht direkt zu: Russlands regierungskritische Zeitung hat einen neuen Eigner.

Der russische Großunternehmer Alischer Usmanow hat die Zeitung «Kommersant» erworben. Der Oligarch zahlte nach eigenen Angaben in seinem neuen Blatt umgerechnet 200 Millionen Dollar für das Geschäft. Andere Medien gaben den Kaufpreis mit 300 Millionen Dollar an.

Damit wäre er näher an der zuletzt vom vormaligen Eigner Badri Patarkazischwili öffentlich geforderten Summe. Er hatte seine Verkaufsabsicht bereits im Frühjahr öffentlich gemacht – in Russland befindet er sich bereits seit längerem nicht mehr: Der gebürtige Georgier wird per Haftbefehl gesucht und ist in sein Heimatland zurückgekehrt.

Die «Kommersant»-Gruppe, die neben dem namensgleichen Wirtschaftsblatt einige Magazine herausgibt, hatte Patarkazischwili von seinem Freund Boris Beresowski übernommen. Der war bereits zuvor unter dem Druck des russischen Präsidenten Wladimir Putin nach Großbritannien ausgewichen.

Nicht «gegen den Willen der Staatsmacht»
Mit dem Kauf durch Usmanow kommt es nicht zu einer von Regierungskritikern befürchteten Übernahme des Putin-kritischen Blattes durch den staatlich kontrollierten Konzern Gasprom, der seit 2001 eine Mediensparte aufgebaut und so nach Einschätzung von Beobachtern kritische Stimmen zum Schweigen gebracht hat. Allerdings ist der neue Eigner durchaus mit dem weltgrößten Gasförderer eng verbandelt: Er steht an der Spitze der Gasprominvestholding, in der Beteiligungen gebündelt sind.

Damit hat Präsident Putin eine weitere Medienstimme einer engeren Kontrolle durch den Kreml unterworfen – wenn auch anderen Gasprom-Töchtern wie dem Radio-Sender Echo Moskau oder der Zeitung «Iswestija» zuletzt mehr Spielraum gelassen worden war. Der neue Eigner Usmanow versicherte, er werde sich nicht in redaktionelle Belange des «Kommersant» einmischen. Er betonte, es habe ihn «niemand gebeten, den Verlag zu kaufen» – räumte aber zugleich ein, er hätte das Geschäft niemals «gegen den Willen der Staatsmacht» gemacht.

Vermögen in Metall
Usmanow hat sein Vermögen in den Jahren nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion im Metallsektor gemacht. Es wird derzeit auf etwa 3,1 Milliarden Dollar geschätzt. Der «Kommersant»-Verlag setzte im vergangenen Jahr umgerechnet 64 Millionen Dollar um. Dabei fiel ein Gewinn von 13,1 Millionen Dollar an. (nz)