netzeitung.deUS-Defizit könnte Weltwirtschaft belasten

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Ölraffinerie in den USA (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Ölraffinerie in den USA
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Nobelpreisträger Robert Engle hat die Finanzpolitik der Regierung Bush scharf kritisiert. Sie riskiere nicht nur einen Kurssturz an den Börsen.

Die US-Regierung könnte durch ihre derzeitige Finanzpolitik das globale Wirtschaftswachstum mittelfristig gefährden. Zu dieser Einschätzung gelangt der Ökonom und Träger des Wirtschafts-Nobelpreises, Robert Engle. Das seit Jahren hohe Staatsdefizit der USA sei «verantwortungslos», sagte er der «Financial Times Deutschland».

«Die lockere Finanzpolitik hat das Wachstum weiter angekurbelt, obwohl die Arbeitslosigkeit niedrig war», sagte Engle. Die Folge sei ein erhöhter Inflationsdruck, der dadurch verstärkt werde, dass die Finanzpolitik auch für einen schwächeren Dollar gesorgt habe.

Niedrige Steuern, hohe Rüstungskosten
Die Wirtschaft in den USA wächst bereits seit einigen Jahren wieder kräftig – im vergangenen Quartal allein um 2,5 Prozent. Im vergangenen Jahr legte die US-Wirtschaft um dreieinhalb Prozent zu. Dennoch ist das Staatsdefizit – vor allem wegen Steuersenkungen und wachsender Rüstungsausgaben – weiterhin hoch. Dank steigender Steuereinnahmen ist das Defizit allerdings von fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Jahr 2002 auf 3,6 Prozent im vergangenen Jahr zurückgegangen, wie Zahlen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD zeigen.

Auch das hohe US-Leistungsbilanzdefizit gilt als einer der Faktoren für die Dollar-Schwäche und als eines der größten Risiken für die Weltwirtschaft. Die USA benötigen zur Finanzierung eines Fehlbetrages von jährlich rund 800 Milliarden Dollar immer mehr ausländisches Kapital. Bleibt das Geld aus, gerät die amerikanische Währung weiter unter Druck.

«Die Dollar-Abwertung kurbelt die Inflation weiter an», sagte Engle, der Professor an der New York University ist. Dem Chef der US-Notenbank Fed, Ben Bernanke, sei deshalb gar nichts anderes übrig geblieben, als die Geldpolitik zu straffen und die Leitzinsen in den USA immer weiter zu erhöhen. Derzeit steht der wichtigste Zinssatz bei 5,25 Prozent.

«Noch keine Zeichen» für Abkühlung
Unter Fachleuten ist die Zinspolitik Bernankes umstritten. Bei der vergangenen Zinssitzung der Fed Anfang August hatte eines der Mitglieder im so genannten Offenmarktausschuss gegen die beschlossene Zinspause und für eine erneute Anhebung gestimmt. Andere Volkswirte hegen hingegen die Befürchtung, Bernanke könnte die Zinsen bereits soweit erhöht haben, dass die US-Wirtschaft im kommenden Jahr in die Rezession abgleiten könnte.

«Die amerikanische Geldpolitik versucht derzeit, die Aufgabe der Finanzpolitik mit zu übernehmen», analysierte Engle, der 2003 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhielt. Trotzdem sieht er in den kommenden Quartalen keine negative Konjunktur. «Derzeit sind noch keine Zeichen einer dramatischen Wachstumsabkühlung zu erkennen.»

Boom ist wiederholbar
Engle warnte jedoch vor einer Fortführung der derzeitigen Finanz- und Geldpolitik. In diesem Fall werde die Dollar-Abwertung anhalten, die Inflation hoch bleiben und auch langfristige Zinsen anziehen. «Das könnte dann einen Einbruch am Aktienmarkt nach sich ziehen», fürchtet Engle. Am Freitag lag der Kurs für einen Euro bei rund 1,28 Dollar. Im kommenden Jahr erwarten Finanzanalysten einen durchschnittlichen Kurs von 1,35 Dollar.

Der US-Forscher appellierte an die US-Regierung, sich an der Finanzpolitik Bill Clintons zu orientieren. «Damals hat Clinton die Defizite zurückgefahren und der damalige Notenbankchef Alan Greenspan im Gegenzug die Zinsen niedrig gehalten», erinnerte Engle. «Das Ergebnis war der lange und stabile Boom der 90er Jahre.» Mit der richtigen Politik hält er eine solche Entwicklung für wiederholbar. (nz)