netzeitung.de«Heuschrecken» nehmen Dax-Firmen ins Visier

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Telekom-Zentrale: War der Einstieg von Blackstone nur der Anfang? (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Telekom-Zentrale: War der Einstieg von Blackstone nur der Anfang?
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Das Interesse ausländischer Finanzinvestoren an deutschen Firmen steigt. Experten von Ernst & Young rechnen in den kommenden zwölf bis 18 Monaten mit einem «ernst gemeinten Übernahmeversuch» im Dax oder M-Dax.

Ausländische Finanzinvestoren könnten nach Einschätzung der Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young in den kommenden Monaten Angriffe auf große deutsche Konzerne aus dem Dax oder M-Dax starten. «In den nächsten zwölf bis 18 Monaten werden wir einen ernst gemeinten Übernahmeversuch sehen», sagte der für die Beratung bei Unternehmenskäufen zuständige Ernst & Young-Manager Joachim Spill am Montag in Frankfurt voraus.

Ziel solcher in den USA oder Großbritannien beheimateten Fonds sei es, Umbauten der Konzerne voranzubringen, um damit den Wert ihres Investments zu steigern. Eine klassische Übernahme müsse dabei nicht die erste Wahl sein. «Man kann auch ohne eine Mehrheitsbeteiligung Einfluss nehmen», meinte Spill. Ein erstes Beispiel für den Einstieg von Finanzinvestoren bei Dax-Unternehmen sei der Erwerb einer Beteiligung in Höhe von 4,5 Prozent an der Deutschen Telekom

durch Blackstone.
Karstadt-Immoverkauf führt Liste an
Zum Teil würden sogar die Grenzen zwischen ihnen und den als besonders aggressiv geltenden Hedgefonds verschwimmen, hieß es. Von Kritikern werden beide Gruppen längst gemeinschaftlich als «Heuschrecken» bezeichnet. Trotz aller Kritik ist das Interesse von Finanzinvestoren an deutschen Unternehmen weiter gestiegen. Die Zahl der Transaktionen stieg laut Ernst & Young im ersten Halbjahr 2006 zum Vorjahreszeitraum um 25 Prozent auf 106.

Insgesamt wurden elf so genannte Megadeals mit einem Volumen von mehr als einer halben Milliarde Euro verzeichnet. Die größte Transaktion in der ersten Hälfte dieses Jahres war der Verkauf von Immobilien des Handelskonzerns KarstadtQuelle

an den Immobilienfonds Whitehall – eine Tochter der US-Bank Goldman Sachs – für 4,5 Milliarden Euro. An zweiter Stelle rangiert der Verkauf von Europcar durch Volkswagen
an Eurazeo für 3,1 Milliarden Euro.
Immobiliensektor bleibt interessant
Nach Einschätzung von Ernst & Young wird die hohe Nachfrage weiter anhalten. «Nicht nur Konzerne, sondern zunehmend auch mittelständische Unternehmen sehen den Verkauf an Finanzinvestoren als selbstverständliche strategische Option an», sagte der zuständige Fachmann der Prüfgesellschaft, Joachim Spill. Ein Grund für den Boom sei die zunehmende Auflösung der «Deutschland AG»: «Konzerne trennen sich von Bereichen, die nicht zum Kerngeschäft gehören, und verkaufen diese an Investoren.»

Außerdem seien viele Branchen nach wie vor stark fragmentiert, so dass sich Investoren an einer Konsolidierung beteiligen und von Größenvorteilen profitieren könnten. Das «noch immer relativ niedrige Zinsniveau» erlaube ferner eine verhältnismäßig günstige Kapitalbeschaffung. Daher sei in den kommenden Monaten mit weiteren sehr großen Transaktionen zu rechnen, hieß es.

Die großen internationalen Private-Equity-Firmen hätten Deutschland als «einen der weltweit aktivsten und attraktivsten Märkte identifiziert». Gerade der Immobiliensektor sei nach wie vor für Finanzinvestoren interessant. Aus Sicht der Kommunen sei der Verkauf von kommunalen Wohnungen oft «ein interessanter Weg», Schulden abzubauen.

Aktiv mitgestalten
Steigende Zinsen erhöhten aber den Druck auf Investoren, die Entwicklung ihrer Unternehmen aktiv mitzugestalten. «Es reicht nicht mehr, sich nur an einem Unternehmen zu beteiligen und nach einigen Jahren wieder auszusteigen», sagte Spill. «Zukünftig werden sich die Investoren stärker um das Management 'ihrer' Unternehmen kümmern müssen, wenn sie eine attraktive Rendite erzielen wollen.» Dabei geht es insbesondere darum, Verbesserungs- und Kosteneinsparpotenziale zu identifizieren.

Zugleich trennten sich im vergangenen Jahr Finanzinvestoren von zahlreichen Beteiligungen. Bei 52 Verkäufen wurden insgesamt 12,7 Milliarden Euro eingelöst. Im ersten Halbjahr 2006 wurden 34 Transaktionen mit einem Wert von insgesamt 4,7 Milliarden Euro gezählt. Inzwischen steht bei mehr als jedem zweiten Private-Equity-Ausstieg ein Finanzinvestor auf der Käuferseite – Fachleute sprechen hier von «Secondary» oder sogar «Tertiary Buyout». (nz)