23. Jun 2006 12:18
Auf der US-Ferieninsel Nantucket steht ein Grundstück des früheren Tyco-Chefs zum Verkauf. Doch selbst wenn es Dennis Kozlowski 23 Millionen Dollar einbringen sollte, fehlen ihm noch Mittel, um sein Bußgeld zu bezahlen.
Wie groß das Grundstück ist, berichtet das «Wall Street Journal» nicht, nur dass der Eigentümer auf eine Summe von 23 Millionen Dollar hofft, wenn er einen Käufer gefunden hat: Dennis Kozlowski, der frühere Chef des Mischkonzerns Tyco, der inzwischen wegen schwerem Betrugs für 25 Jahre im Gefängnis sitzt, hofft, mit den Einnahmen langsam, aber sicher, die ihm auferlegte Geldbuße abtragen zu können. Das Anwesen auf der US-Ferieninsel Nantucket ganz im Süden des Bundesstaats Massachusetts jedenfalls muss eine wunderschöner Lage haben: Es grenzt nicht nur direkt ans Meer, sondern auch an ein Naturschutzgebiet und dürfte entsprechend ruhig sein.Das 1994 erbaute Anwesen - 650 Quadratmeter Wohnfläche mit drei Schlafzimmern plus Gästehaus, Atelier und Garage – hatte Kozlowski in besseren Zeiten, 1997, rund fünf Millionen Dollar gekostet. Dass es nun fast den fünffachen Kaufpreis einbringen soll, ist angesichts der Immobilienblase in den USA nicht ungewöhnlich. Doch selbst wenn Kozlowski den vollen geforderten Preis erhalten sollte, fehlen ihm dem Bericht zufolge noch weitere knapp 20 Millionen Dollar, um das ihm auferlegte Bußgeld vollständig begleichen zu können.
Kozlowski war im Herbst vergangnen Jahres des Betrugs für schuldig befunden worden. Er hatte Tyco, den von ihm persönlich durch viele Zukäufe zu einem undurchsichtigen Konglomerat mit Finanztöchtern in Steueroasen aufgebauten Mischkonzern, um mehrere Millionen Dollar erleichtert. Nicht nur ein Appartement in Manhattan – auf Tyco-Kosten für Kozlowski prachtvoll mit wertvollen Gemälden und tatsächlich goldenen Duschvorhängen ausgestattet – sorgte in der amerikanischen Öffentlichkeit für Interesse.Verblüfft bestaunten Beobachter, dass Tyco etwa eine Million Dollar in die an eine römische Orgie erinnernde Feier zum 40. Geburtstag von Kozlowski Frau Karen auf Sardinien investiert hatte – womit gerade einmal die Hälfte der Kosten gedeckt war. Kein Wunder: Denn zu Füßen einer Eisskulptur, die dem David Michelangelos nachempfunden war, lag nicht nur pfundweise Kaviar. Dem Penis des Meisterwerks entströmte auch noch eisgekühlter russischer Markenwodka.
Leider nur wusste der restliche Verwaltungsrat des Konzerns nicht von den Rechnungen – Betrug, befand das Gericht. Die Affäre erregte eine US-Öffentlichkeit, die schon durch die Fälle Enron und MCI sehr für betrügerische Unternehmen und Manager stark sensibilisiert war. Im Gegensatz zu dem Energiehändler und der Telefongesellschaft wurde Tyco durch den Betrug immerhin nicht in die Insolvenz getrieben – was die Richter Kozlowski immerhin als mildernde Umstände anrechneten.Vieles von dem, was Kozlowski auf Kosten der Firma für sein Privatleben anschaffte, gehört ihm inzwischen ohnehin nicht mehr: Mehr als 100 Millionen Dollar liegen auf einem von der Staatsanwaltschaft Manhattan überwachsten Ander-Konto, auf das die Erlöse aus den Brandverkäufen zur Begleichung der Buße flossen, berichtete das «WSJ».
Allein zwei Bilder der Impressionisten Claude Monet und Auguste Renoir erbrachten im Mai zusammen fast acht Millionen Dollar. In Beaver Creek im Bundesstaat Colorado ist seit dieser Woche ein Anwesens Kozlowski annonciert, das 1,25 Millionen Dollar einbringen soll. Ob die Vermögenswerte Kozlowski ausreichen werden, um die noch fehlende Summe des Bußgeldes einzusammeln, berichtete das Wirtschaftsblatt indes nicht. (nz)