netzeitung.deChina verstärkt Kampf gegen die «Guore»

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Wen Jiabao (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Wen Jiabao
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Auf fast sechs Prozent hat die chinesische Zentralbank die Leitzinsen erhöht - die Konjunktur nimmt trotzdem keinen Schaden. Die Flut von Investitionen droht, die Wirtschaft zu destabilisieren.

Es scheint für den Laien kaum verständlich - aber ein zu hohes Wirtschaftswachstum kann zu einer Gefahr für die Volkswirtschaft werden. In China wächst die Wirtschaft mit einem so rasanten Tempo, dass eben eine solche Überhitzung - chinesische «Guore» - droht.

Die chinesische Zentralbank hat jetzt beschlossen, die Leitzinsen erneut anzuheben. Nichts wirklich Ungewöhnliches – wenn die Zinsen nicht schon jetzt relativ hoch wären. Die US-Amerikaner sorgen sich schon bei einem Zinsniveau von 4,75 Prozent um die Konjunktur. In China liegen die Zinsen nach dem jüngsten Schritt der People's Bank of China, der am Freitag in Kraft tritt, bei knapp sechs Prozent. Trotzdem zeigt die Wirtschaft der Volksrepublik keine Anzeichen, dass sich das Wachstum verlangsamen könnte.

«Es ist Zeit die Bremse zu ziehen»
Das britische Wirtschaftsmagazin «Economist» schrieb bereits im Mai 2004 mit Blick auf das Reich der Mitte: «Es ist Zeit, die Bremse zu ziehen» - und behauptete nichts sei schlimmer auf der Welt, als das Verkehrschaos in Peking zur Rushhour. Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao hatte nur wenige Wochen zuvor «sehr harte Schritte» angekündigt, um die Wirtschaft abzukühlen.

Viel getan hat sich seither nicht: Mitte März verabschiedete der Volkskongress zwar den neuen Fünf-Jahres-Plan. Demnach soll die Wirtschaft (nur) noch jährlich um 7,5 Prozent wachsen. Derzeit liegt das Durchschnittswachstum seit 1979 bei 9,6 Prozent. Viele Experten sind sich aber schon jetzt sicher, dass China zumindest im laufenden Jahr die anvisierten acht Prozent Wirtschaftswachstum deutlich überschreiten wird.

Kredite sollen teurer werden
In den ersten drei Monaten wuchs die Wirtschaft mit einem rasanten Tempo von 10,2 Prozent – der höchsten Rate seit mehr als zwei Jahren. Die Anlageinvestitionen nahmen im gleichen Zeitraum um 29,8 Prozent zu. Auch wenn den chinesischen Statistiken nicht vollends zu trauen ist, boomt die Wirtschaft so sehr wie in kaum einem anderen Land der Welt.

Die politische Führung versucht schon seit längeren, Unternehmen davon zu überzeugen, ihr Wachstum mehr mit Eigenkapital und weniger über Kredite zu finanzieren. Der jüngste Zinsschritt trägt dazu bei, Kredit teurer zu machen.

Die Inflation kann bisher nur unzureichend als Maßstab für eine Überhitzung der Wirtschaft herangezogen werden - auch wenn sie mittlerweile bei rund vier Prozent liegt. Zu viele Preise werden noch direkt oder indirekt von der Zentralregierung in Peking kontrolliert. Entsprechend schwierig ist eine Prognose, ob die Regierung es schafft, der Wirtschaft zu einer weichen Landung zu verhelfen.


Für das Web ediert von Marcus Gatzke