netzeitung.deIran hat Atombombe «frühestens in fünf Jahren»

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Mahmud Ahmadinedschad (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Mahmud Ahmadinedschad
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Bis der Iran wirklich in dem Besitz einer Atombombe ist, werden noch einige Jahre vergehen. Die Fronten zwischen den USA und dem Iran sind jedoch so verhärtet, dass eine diplomatische Lösung derzeit kaum in Sicht ist.

Ein militärischen Eingreifen der USA im Iran hält die Hessische Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) für «unwahrscheinlich» - und fordert die Vereinigten Staaten auf, stärker auf den Iran zuzugehen. Die Europäer hätten sich «redlich» um eine diplomatische Lösung bemüht, «aber ohne die USA geht nichts», sagte die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stiftung, Annette Schaper, der Netzeitung.

Die Chancen, dass es doch noch zu einer diplomatischen Lösung kommt, seien gering. «Dafür bedarf es wohl einer anderen Regierung in den USA und auch im Iran», sagte Schaper. Zudem müssten alle Länder einig sein – auch Russland und China. Dem Iran müsse die Möglichkeit eröffnet werden, in die internationale Staatengemeinschaft zurückzukehren, forderte sie.

Schaper geht außerdem nicht davon aus, dass der Iran schon in kurzer Zeit in den Besitz von Atomwaffen gelangen wird. Präsident Mahmud Ahmadinedschad hatte am Dienstag verkündet, Uran erstmals auf drei Prozent angereichert zu haben – für eine Atombombe ist jedoch eine Anreicherung auf 93 Prozent notwendig.

«Frühestens in fünf Jahren»
Dafür bedarf jedoch unter anderem einer größeren Zahl so genannter Gas- Zentrifugen, mit denen gasförmiges Uran angereichert wird. Aber auch wenn Ahmadinedschad die Atomanlage in Natans mit den angekündigten 54.000 Zentrifugen ausrüstet, ist für Schaper nicht gesagt, dass er auch gleich eine Bombe bauen kann. «Frühestens in fünf Jahren ist der Iran so weit», schätzt Schaper.

Die Stiftung Wissenschaft und Politik forderte Sanktionen gegen den Iran, sollte das Land nicht auf die Urananreicherung verzichten: «Man darf auf keinen Fall zulassen, dass Iran seinen atomaren Weg weiter beschreitet und sich eines Tages die Atomwaffe beschafft», sagte Oliver Thränert von der Stiftung. Sonst sei die Gefahr groß, dass auch andere Staaten in der Region wie Saudi-Arabien oder Ägypten den Besitz von Atomwaffen anstrebten.

Falls Iran bei seiner unnachgiebigen Haltung bleibe, sollte die Staatengemeinschaft zunächst Reisebeschränkungen für die Teheraner Führung und später auch weitere wirtschaftliche Sanktionen und ein Rüstungsembargo ergreifen, forderte Thränert. Reisebeschränkungen seien schon jetzt denkbar. So sollte Präsident Mahmud Ahmadinedschad im Sommer nicht zur Fußballweltmeisterschaft nach Deutschland kommen dürfen.

Teheran gibt nicht nach
Die iranische Führung lässt bislang nicht erkennen, im Streit um die Atompolitik nachgeben zu wollen. Die Welt müsse den Iran als Atommacht behandeln, sagte Ahmadinedschad am Donnerstag laut der amtlichen Nachrichtenagentur IRNA.

Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Mohammed el Baradei, traf am Mittwochabend in Teheran ein. Er will in den kommenden Tagen mit Regierungsvertretern zusammentreffen, um über das umstrittene Nuklearprogramm des Landes zu beraten. Er hoffe, dass der Konflikt auf diplomatischem Weg beigelegt werden könne. Er erwarte «fruchtbare Gespräche» in Teheran, betonte el Baradei.

Iran provoziert gezielt
Für Schaper von der HSFK sind die Äußerungen gezielte Provokationen: Ahmadinedschad versuche, nach Außen stark zu wirken, um den Rückhalt im Inneren nicht zu verlieren, sagte sie. Im Iran fühlten sich «mittlerweile alle von den USA provoziert». Die Atompolitik werde dagegen als «Symbol für den Fortschritt» gewertet.

Die USA fordern, der UN-Sicherheitsrat solle per Resolution feststellen, dass der Iran mit seinem Atomprogramm den Frieden bedroht. Dafür würden sich die USA einsetzen, falls der Iran in den nächsten Tagen nicht doch noch einlenken sollte, sagte der amerikanische UN- Botschafter John Bolton am Mittwoch in New York.


Für das Web ediert von Marcus Gatzke