Livedoor-Skandal erreicht Japans Politik
17.02.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Dem Schreiben zufolge wurde die Summe als Beratungshonorar im Zusammenhang mit der Wahl deklariert gewesen, berichtete der Parlamentarier Nagata. Livedoor-Gründer Horie war bei dem Urnengang als unanhängiger Kandidat angetreten erfolglos. Er hatte deutlich gemacht, nicht so sehr Koizumis LDP als dem Kurs der wirtschaftlichen Liberalisierung des Ministerpräsidenten nahe zu stehen. Während die Opposition forderte, Horie, der LDP-Generalsekretär und sein Sohn sollten vor dem Parlament Stellung nehmen, wies Takebe alle Vorwürfe zurück.
Seit vergangener Woche ist der 33-Jährige gemeinsam mit zwei weiteren Livedoor-Managern offiziell angeklagt. Er soll Anlegern bewusst falsche Informationen über sein Unternehmen gegeben und so den Aktienkurs manipuliert haben. Angesichts eines Kursanstiegs, der an die New-Economy-Blase erinnerte, hatte Livedoor problemlos andere Firmen aus verschiedenen Branchen darunter Wertpapierhändler - schlucken können. Gezahlt wurde in Aktien.
Einige Japaner vermuteten indes hinter der Affäre, die mit der überraschenden Durchsuchung mehrerer Firmenbüros, aber auch von Privaträumen Hories begann, von Anfang an politische Machenschaften. Zu sehr habe Horie die Konservativen in der LDP gereizt, hieß es. Insbesondere in der Frage der Liberalisierung der staatlichen Post durch ihre Bank-Tochter de facto das größte Kreditinstitut der Welt war die LDP selbst tief gespalten.
Zuletzt hat sich das Bild allerdings deutlich gewandelt nicht zuletzt wegen des Livedoor-Skandals. Viele Japaner stellen sich inzwischen ebenfalls gegen den wirtschaftsliberalen Kurs, so dass die Umfragewerte des Regierungschefs deutlich gesunken sind. Gegner des Premiers auch unter den Konservativen sind auf den Zug aufgesprungen: Sie prangern den Livedoor-Skandal als Ergebnis eines rigiden Kapitalismus an, der die Tradition des Landes verleugne.
Für das Web ediert von Kai Makus

