netzeitung.deLivedoor-Skandal erreicht Japans Politik

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Firmenschild einer Livedoor-Tochter (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Firmenschild einer Livedoor-Tochter
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Japans Skandal-Unternehmer Horie soll vor dem Parlament erscheinen: Angeblich zahlte seine Internet-Firma Livedoor ein Beraterhonorar an den Sohn des Generalsekretärs der regierenden LDP-Partei.

Der Skandal um das japanische Internet-Unternehmen Livedoor greift um sich und hat nun auch die regierende LDP-Partei von Premierminister Junichiro Koizumi erreicht. Hisayasu Nagata, Abgeordneter der oppositionellen Demokraten, legte dem Parlament in Tokio eine E-Mail vor, in dem der inzwischen unter Anklage stehende Livedoor-Gründer Takefumi Horie kurz vor der Unterhauswahl im vergangenen September anordnete, insgesamt 30 Millionen Yen (knapp 213.000 Euro) an einen Berater überwiesen zu haben – der sich als Sohn von LDP-Generalsekretär Tsutomo Takebe herausgestellt habe, berichtete die «Financial Times».

Dem Schreiben zufolge wurde die Summe als Beratungshonorar im Zusammenhang mit der Wahl deklariert gewesen, berichtete der Parlamentarier Nagata. Livedoor-Gründer Horie war bei dem Urnengang als unanhängiger Kandidat angetreten – erfolglos. Er hatte deutlich gemacht, nicht so sehr Koizumis LDP als dem Kurs der wirtschaftlichen Liberalisierung des Ministerpräsidenten nahe zu stehen. Während die Opposition forderte, Horie, der LDP-Generalsekretär und sein Sohn sollten vor dem Parlament Stellung nehmen, wies Takebe alle Vorwürfe zurück.

Schadenfreude über Ex-Vorzeigegründer
Takefumi Horie galt bis zu seiner Verhaftung im Januar als Vorzeigeunternehmer, aber auch als Rebell in der konservativen japanischen Geschäftswelt. Mit seinen Internet-Aktivitäten verdiente er Milliarden Yen – und schrieb ein Buch darüber, wie andere Japaner es ihm gleichtun könnten, würden sie nur von den strengen Regeln der japanischen Manager Abschied nehmen. Das Blog des Selbstvermarkters galt als eine der am meisten besuchten japanischen Sites im Internet.

Seit vergangener Woche ist der 33-Jährige gemeinsam mit zwei weiteren Livedoor-Managern offiziell angeklagt. Er soll Anlegern bewusst falsche Informationen über sein Unternehmen gegeben und so den Aktienkurs manipuliert haben. Angesichts eines Kursanstiegs, der an die New-Economy-Blase erinnerte, hatte Livedoor problemlos andere Firmen aus verschiedenen Branchen – darunter Wertpapierhändler - schlucken können. Gezahlt wurde in Aktien.

Geschäft und Politik verknüpft
Die sind inzwischen keine hundert Yen – also weniger als einen Euro – mehr wert. Der sich abzeichnende Skandal hatte nicht nur den Kurs, sondern zeitweise auch das elektronische Handelssystem der japanischen Börse TSE zum Absturz gebracht, das dem Ansturm der Verkaufsorders nicht mehr gewachsen war.

Einige Japaner vermuteten indes hinter der Affäre, die mit der überraschenden Durchsuchung mehrerer Firmenbüros, aber auch von Privaträumen Hories begann, von Anfang an politische Machenschaften. Zu sehr habe Horie die Konservativen in der LDP gereizt, hieß es. Insbesondere in der Frage der Liberalisierung der staatlichen Post – durch ihre Bank-Tochter de facto das größte Kreditinstitut der Welt – war die LDP selbst tief gespalten.

Traditionen vernachlässigt
Letztlich hatte sich Koizumi aber gegen die Gegner in seiner Partei durchgesetzt – und auch die japanischen Wähler mit seinem Kurs der Wirtschaftsreformen überzeugt: Aus der jüngsten Unterhauswahl ging seine Partei als Sieger hervor. Die größte Oppositionspartei, die Demokraten, fiel weiter zurück. Koizumi erreichte bislang nie gekannte Popularitätswerte.

Zuletzt hat sich das Bild allerdings deutlich gewandelt – nicht zuletzt wegen des Livedoor-Skandals. Viele Japaner stellen sich inzwischen ebenfalls gegen den wirtschaftsliberalen Kurs, so dass die Umfragewerte des Regierungschefs deutlich gesunken sind. Gegner des Premiers – auch unter den Konservativen – sind auf den Zug aufgesprungen: Sie prangern den Livedoor-Skandal als Ergebnis eines rigiden Kapitalismus an, der die Tradition des Landes verleugne.


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