07.02.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Demonstranten in Teheran verbrennen eine dänische Flagge
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die EU-Kommission wertet den Boykott dänischer Waren als einen Boykott gegen europäische Güter. Während der Aufruhr wegen der Mohammed- Karikaturen die dänische Wirtschaft belastet, spürt der deutsche Außenhandel noch keine Folgen. Thema: Mohammed- Karikaturen Reaktion auf Mohammed-Karikaturen: Iran lobt Wettstreit mit Holocaust-Satire aus Taliban für Heiligen Krieg wegen Karikaturen Rat der Muslime: Satirestreit ist Problem aller Dänen sollen Indonesien verlassen Iran kappt Handelsbeziehungen zu Dänemark Bundesregierung mahnt zur Mäßigung
EU-Handelskommissar Peter Mandelson hat den Boykott dänischer Produkte durch die islamischen Staaten als «absolut unverhältnismäßig» kritisiert. Von den EU-Mitgliedern forderte er nach einem Treffen mit dem tschechischen Außenminister Cyril Svoboda am Dienstag in Prag, «absolute Einigkeit» zu zeigen.
«Ein Boykott dänischer Erzeugnisse ist per Definition ein Boykott eurpäischer Güter», warnte ein Sprecher der EU-Kommission in Brüssel. «Wir halten einen Boykott für kein angemessenes Mittel.» Am Dienstag brach die Regierung in Teheran die Handelsbeziehungen mit Dänemark offiziell ab, nachdem der Schritt bereits am Montag im staatlichen Fernsehen angekündigt worden war.
Arla erleidet millionenschweren VerlustDie dänische Wirtschaft spürt bereits die Folgen der Boykottaufrufe in Reaktion auf die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen. Die Molkereikette Arla Foods verzeichnet wegen des Boykotts ihrer Produkte nach eigenen Angaben einen Verlust von zehn Millionen dänischen Kronen (1,34 Millionen Euro) am Tag. «Es wird eine immens schwierige Aufgabe, die Käufer zurückzugewinnen», sagte Arla-Sprecherin Astrid Gade Nielsen.
Der Finanzexperte Stehen Bocian von der Danske Bank schätzt, der Schaden könne sich auf zehn Milliarden Kronen im Jahr summieren, sollten die Menschen in 20 muslimischen Ländern dem Aufruf ihrer Regierungen zum Verzicht auf dänische Waren Folge leisten. Die EU-Kommission rief Iran dazu auf, auf einen Boykottaufruf zu verzichten. Ein solcher Schritt werde die bereits angeschlagenen Beziehungen weiter belasten, sagte Kommissionssprecher Johannes Laitenberger.
BGA spürt Boykottaufruf noch nichtDem deutschen Außenhandel hat der Boykottaufruf in islamischen Ländern hingegen bisher nicht geschadet. Die Branche habe «noch keine negativen Rückmeldungen aus der Region von Unternehmen erhalten», sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes des Groß- und Außenhandels (BGA), Andre Schwarz, dem Sender Deutsche Welle TV. Allerdings sei es für eine Beurteilung der Lage noch zu früh.
Der BGA habe in der Vergangenheit immer wieder festgestellt, «dass solche Boykottaufrufe nicht sehr fruchten», betonte Schwarz. Das schließe aber nicht aus, dass es für einzelne Unternehmen in einer solchen Region «tatsächlich sehr schwierig ist, auch wenn wir die Auswirkungen nicht so spüren».
Investitionsgüter weniger betroffenBGA-Sprecher Schwarz betonte, die Mehrheit der großen und mittelständischen deutschen Firmen, die in der Region und speziell im Iran aktiv seien, böten dort Investitionsgüter an - «und die sind nicht so anfällig für solche Boykottaufrufe wie beispielsweise Konsumprodukte». Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hatte am Samstag eine Überprüfung der Handelsverträge mit jenen Ländern angeordnet, in denen die umstrittenen Mohammed-Karikaturen veröffentlicht wurden.
Am Montag hatte die Regierung in Teheran den sofortigen Abbruch aller Handelsbeziehungen mit Dänemark angedeutet. Als Grund nannten staatliche kontrollierte TV-Sender wurde «Vergeltung» für die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen in Dänemarks größter Zeitung «Jyllands-Posten» genannt. Nach Angaben des Industrieverbandes DI führt Dänemark in den Iran jährlich Waren im Wert von 1,3 Milliarden Kronen aus. (nz)