100-Dollar-Laptop für Kids: 

netzeitung.deMIT präsentiert Entwicklungshilfe-Laptop

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100-Dollar-Laptop (Foto: media.mit.edu<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe 100-Dollar-Laptop
Foto: media.mit.edu
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Der UN-Informationsgipfel in Tunis will die «digitale Kluft» überwinden helfen. Das MIT präsentiert dort den Prototypen eines 100-Dollar-Laptops. Doch das Projekt ist umstritten.

Die Forscher am Massachusetts Institute for Technology (MIT) haben ein großes Ziel: Sie wollen die digitale Kluft zwischen Entwicklungsländern und Industrienationen überwinden. Dazu wollten sie einen nur 100 Dollar teuren Computer entwickeln, der im Rahmen der Initiative «One Laptop per Child» (Ein Laptop für jedes Kind) von Unternehmen gespendet werden soll.

Das Gerät ist inzwischen fast fertig. Ein Prototyp soll auf dem UN-Weltinformationsgipfel in Tunis, der am heutigen Mittwoch beginnt, vom Gründer des MIT Media Lab, Nicolas Negroponte, zusammen mit UN-Generalsekretär Kofi Annan präsentiert werden.

Die Kurbel am Prototypen ist noch nicht in der Lage, Strom zu erzeugen, wie es bei der endgültigen Version der Fall sein soll. Auch der Bildschirm des Gerätes muss noch entwickelt werden, weil die derzeit verfügbaren Displays für den Billig-Laptop zu teuer sind. Doch die restlichen Teile des Gerätes funktionieren bereits: Die preiswerten Bauteile kosten nicht viel mehr als 50 Dollar, das installierte Open-Source-Betriebssystem Linux ist kostenlos. Die Computer sind sogar in der Lage, per WLAN ins Internet zu gehen und gemeinsam ein Netzwerk zu bilden.

«Man benutzt Kugelschreiber nicht gemeinsam»
Negroponte hofft, dass die grau-gelben Geräte eines Tages Kindern in der Dritten Welt helfen werden, am globalen Informationszeitalter zu partizipieren. Möglichst jedes von ihnen soll einen eigenen bekommen, «schließlich benutzt man auch nicht gemeinsam einen Kugelschreiber», sagt er.

Seymour Papert, emeritierter Professor des MIT, geht sogar davon aus, dass die 100-Dollar-Computer die Gewalt verringern und Kindern und Jugendlichen in Entwicklungsländern Hoffnung auf eine bessere Zukunft geben.

Kritiker: Konzept zu westlich
Doch das Projekt hat auch Kritiker. Etwa der Chef des indischen Computerherstellers PicoPeta Simputers kritisiert, das Projekt fange «am falschen Ende an». Kindern einen Computer zu geben, bedeute noch nicht mehr Bildung.

Andere Kritiker argumentieren, das Konzept sei zu sehr an westlichen Standards orientiert. So gebe es in den meisten Entwicklungsländern überhaupt keine verfügbaren Internet-Zugänge. Zudem bestehe die Gefahr, dass die Geräte letztlich nicht in die Hände der Kinder gelangten, sondern von Erwachsenen weiterverkauft würden.

Sechs Millionen Stück
Genau das zu verhindern, war auch Anliegen des MIT. Deshalb wurde das Gehäuse von Designern so gestaltet, dass es nicht nur robust, sondern auch relativ hässlich ist. Kevin Young von Design Continuum sagt, «wenn man den Laptop sieht, verbindet man ihn automatisch mit Schule und Bildung».

Die Produktion der 100-Dollar-Geräte soll nach den Plänen des MIT schon Ende 2006 beginnen. Zunächst sollen in China sechs Millionen Stück produziert werden - finanziell unterstützt von AMD, Google, News Corporation und einigen anderen Firmen.

Negroponte hofft, damit ein Stück weit helfen zu können. «Ich hoffe, dass das erste englische Wort, das sie schreiben, 'Google' sein wird», sagt er.


Für das Web ediert von Peter Schink