netzeitung.de«Katrina» löst finanzielle Katastrophe aus

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Zerstörte Häuser in New Orleans (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Zerstörte Häuser in New Orleans
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Pleite und arbeitslos - die finanziellen Folgen von Hurrikane «Katrina» werden vielen US-Bürgern erst jetzt wirklich klar. Die staatliche Hilfe kommt immer noch nicht richtig in Gang.

In der vom Hurrikan «Katrina» betroffenen Region um New Orleans werden die finanziellen Folgen für die Bevölkerung erst jetzt wirklich deutlich. Hunderttausenden von Verbrauchern und kleinen Unternehmen droht der finanzielle Ruin.

Im Bundesstaat Louisiana wurden im vergangenen Monat knapp 88 Millionen Dollar an Arbeitslosenunterstützung ausgezahlt – rund vier Mal so viel wie noch vor einem Jahr. Insgesamt 183.000 US-Bürger meldeten sich zwischen dem 18. und dem 24. September arbeitslos. Zum Vergleich: In der Woche vor «Katrina» waren rund 29.000.

New Orleans entlässt 50 Prozent
Die Stadt New Orleans kündigte Anfang der Woche an, dass mehr als 3000 der bei der Stadt angestellten Menschen bin der kommenden 14 Tage entlassen werden. New Orleans habe einfach kein Geld mehr, um die Leute zu bezahlen, musste Bürgermeister Ray Nagin eingestehen.

Ein Ende ist nicht in Sicht. Experten befürchten eine weitere Welle von Arbeitslosen, denn viele Unternehmen haben ihre Mitarbeiter zunächst auf den Lohnlisten gehalten – bis auch sie eingestehen müssen, dass die Gehälter nicht mehr gezahlt werden können.

Langsam wird für viele der Betroffenen das Geld knapp: Das Haus mag zwar nicht mehr stehen – die Hypothek muss aber trotzdem abgezahlt werden. Einige Hausbesitzer haben nach einem Bericht des «Wall Street Journal» nur wenige Wochen zusätzlich Zeit bekommen, um die fälligen Zahlungen zu leisten.

Insolvenzwelle erwartet
Experten gehen davon aus, dass die große Welle von Insolvenzen erst noch bevorsteht. Die Versicherungsbehörde von Louisiana erwartet in den kommenden Wochen «ein Flut von Anrufen». Am 26. Oktober läuft nämlich die Frist ab, bis zu der in Zahlungsverzug geratenen Kunden nicht gekündigt werden darf. Schon jetzt hat die Zahl der Insolvenzfälle drastisch zugenommen: In der letzten Septemberwoche lag die Zahl in den Bundesstaaten Louisiana und Mississippi bei 68.000 – 24 Prozent höher als noch in der Woche zuvor.

Die staatliche Hilfe läuft derweil nur äußerst schleppend. Die nationale Katastrophenbehörde, die Federal Emergency Management Agency Fema, hat nach eigenen Angaben bisher 3,1 Milliarden Dollar ausgezahlt. Viel Geld, könnten Außenstehende meinen - aber die Milliarden wurden auf insgesamt eine Millionen Haushalte verteilt. Durchschnittlich erhielt jeder Haushalt demnach 3100 Dollar. Das dürfte bei weitem nicht genug sein, um die Betroffenen vor dem finanziellen Ruin zu retten. Der Gesamtschaden durch «Katrina» wird mit inzwischen 250 Milliarden Dollar beziffert.

Missbrauch nimmt zu
Die Zahl der Beschwerden über lange Wartezeiten, bis die erste Zahlungen bei den Betroffenen eingehen, nimmt zu. Allein in New Orleans stehen zwischen 30.000 und 70.000 kleiner Unternehmen vor dem Aus. Auch hier werden die Überbrückungskredite nur sehr zögerlich ausgezahlt. Die Zahl der Betriebe, die außerhalb der Großstadt von der Pleite bedroht sind, ist noch nicht klar. Die Finanzbehörde von New Orleans rechnet mit Abertausenden.

Laut «New York Times» wächst auf der anderen Seite die Zahl derer, die unrechtmäßig Hilfsgelder abkassieren wollen. In einem Fall benutzte ein Frau die Adresse ihrer Tante in New Orleans, um Hilfsgelder zu erhalten. Andere wollten Geld für Häuser, die niemals existiert haben.


Für das Web ediert von Marcus Gatzke