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Bis zu 25 Jahre Haft für Ex-Tyco-Chef

20. Sep 2005 13:34
Ex-Tyco-Chef Dennis Kozlowski
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Das Urteil gegen Dennis Kozlowski blieb hinter den Forderungen der Staatsanwälte zurück. Dennoch könnte sich der Spruch als hart erweisen – möglicherweise wird der Ex-Tyco-Chef mit Mördern und Vergewaltigern eingesperrt.

Dennis Kozlowski hat das Urteil sicher mit gemischten Gefühlen aufgenommen: Zwar blieb die Verurteilung gegen den früheren Chef des US-Mischkonzerns Tyco wegen Diebstahls und Betrugs im eigenen Unternehmen hinter den Forderungen der Staatsanwaltschaft zurück. Auch ist es im Vergleich mit anderen Urteilen wegen der Serie von Unternehmensskandalen in den USA vergleichsweise mild. Wegen der Haftregeln im US-Bundesstaat New York könnte sich Kozlowski aber für gut sieben Jahre in einem Hochsicherheitsgefängnis des Staates wiederfinden – gemeinsam mit verurteilten Mördern und Vergewaltigern.

Der 58-jährige Kozlowski war ebenso wie sein früherer Finanzvorstand Mark Schwartz bereits im Juni wegen Diebstahl zu Lasten von Tyco verurteilt worden. Nachdem das Gericht in New York am Montagabend (Ortszeit) das Urteil verkündet hatte, wurden beide in Handschellen abgeführt – obwohl ihre Verteidiger angekündigt hatten, beide bis zur Entscheidung im beantragten Berufungsverfahren gegen Kaution auf freien Fuß zu setzen.

Kozlowski «kein Sicherheitsrisiko»

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Richter Michael Obus setzte das Strafmaß auf acht Jahre, vier Monate bis 25 Jahre fest. Damit blieb er hinter der Maximalforderung der Verteidigung von 30 Jahren Gefängnis zurück. Der Richter betonte zudem, die Verurteilten seien «kein Sicherheitsrisiko». Prozessbeobachter werteten das als Versuch, den beiden Ex-Managern die Einweisung in eine Hochsicherheits-Haftanstalt zu ersparen, in die New York alle Häftlinge einweist, die mehr als sechs Jahre abzusitzen haben.

Kozlowski und Schwartz müssen zudem 167 und 73 Millionen Dollar zahlen – um den von ihnen verursachten finanziellen Schaden bei Tyco zu begleichen sowie als Bußgeld. Allerdings hatte allein Kozlowski in seinen Jahren an der Spitze des Mischkonzerns im Jahr gut fünf Millionen Dollar verdient und über den Verkauf von Aktienoptionen weitere 330 Millionen Dollar erlöst. Privat bankrott gehen dürfte er nach Einschätzung der US-Presse höchstens, wenn nach Abschluss des strafrechtlichen Verfahrens Zivil- und Schadenersatzprozesse auf ihn zukommen.

Staatsrichter milde gestimmt

Hintergrund:
Im Gegensatz zu Ex-Worldcom-Chef Bernard Ebbers und Adelphi-Gründer John Rigas – beides weitere prominente Fälle von Unternehmensbetrug – musste sich Kozlowski nicht vor einem Bundesgericht verantworten. Das brachte ihm nach Einschätzung von Prozessbeobachtern ein vergleichsweise mildes Urteil ein. Die Abschreckung anderer Manager wollte der New Yorker Richter Obus offenbar der Bundesjustiz überlassen. Die muss sich im Übrigen nicht nur mit dem Berufungsprozess gegen Ebbers beschäftigen. Mit Spannung wird vor allem der voraussichtlich Anfang 2006 beginnende Prozess gegen die beiden Verantwortlichen im Enron-Skandal, Kenneth Lay und Jeffrey Skilling, erwartet.

Richter Obus hielt der früheren Tyco-Spitze zu Gute, dass ihr Unternehmen im Gegensatz zur inzwischen unter MCI firmierenden Worldcom oder Enron durch den Betrug nicht in die Insolvenz gezwungen wurde. Auch berücksichtigte er Einlassungen von Kozlowskis Anwälten, die etwa 130 Briefe von Freunden und Bekannten des Verurteilten vorlegten, in denen sie unter anderem sein soziales Engagement lobten.

Für jemanden wie Dennis Kozlowski dürfte es kein Problem gewesen sein, alte Freunde dafür zu mobilisieren. Er wird sicher einige Gäste gefunden haben, die an der Geburtstagsfeier für seine Frau in Sardinien teilgenommen hatten – Bilder der Feier, die ohne Wissen des übrigen Managements von Tyco bezahlt worden war, erinnerten die schockierte US-Öffentlichkeit an eine römische Orgie.

600 Millionen Dollar Schaden

Auch ein auf Firmenkosten ausgestattetes Luxus-Appartment Kozlowskis in Manhattan empörte Teile der US-Öffentlichkeit. Dort hatte er nicht nur vergoldete Duschvorhänge im Wert von mehr als 6000 Dollar aufhängen lassen. Auch sorgte Tyco für die üppige Ausstattung mit wertvollen Gemälden – die den Ex-Manager noch eine Weile beschäftigen dürften: Er soll die Erlöse aus den Verkäufen der Bilder nicht versteuert haben, so dass ihm ein weiteres Verfahren droht.

Für Kozlowski bleibt das Urteil zwiespältig. Und auch die Staatsanwaltschaft dürfte angesichts des vergleichsweise geringen Strafmaßes nicht zufrieden sein. Denn ein Appell an die Härte von Richter Obus verhallte ungehört: Er ignorierte einen Brief von 1995, den Staatsanwalt Owen Heimer vor der Urteilsverkündung verlas. Darin wandte sich Kozlowski an Richter in Houston im Bundesstaat Texas und verlangte die Höchststrafe für einen Tyco-Mitarbeiter. Der hatte die Firmenkasse um eine Million Dollar erleichtert. Der Schaden, den der frühere CEO und sein Finanzchef angerichtet haben, beträgt laut Urteil mehr als 600 Millionen Dollar.

 
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