Bis zu 25 Jahre Haft für Ex-Tyco-Chef
20.09.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Der 58-jährige Kozlowski war ebenso wie sein früherer Finanzvorstand Mark Schwartz bereits im Juni wegen Diebstahl zu Lasten von Tyco verurteilt worden. Nachdem das Gericht in New York am Montagabend (Ortszeit) das Urteil verkündet hatte, wurden beide in Handschellen abgeführt obwohl ihre Verteidiger angekündigt hatten, beide bis zur Entscheidung im beantragten Berufungsverfahren gegen Kaution auf freien Fuß zu setzen.
Kozlowski und Schwartz müssen zudem 167 und 73 Millionen Dollar zahlen um den von ihnen verursachten finanziellen Schaden bei Tyco zu begleichen sowie als Bußgeld. Allerdings hatte allein Kozlowski in seinen Jahren an der Spitze des Mischkonzerns im Jahr gut fünf Millionen Dollar verdient und über den Verkauf von Aktienoptionen weitere 330 Millionen Dollar erlöst. Privat bankrott gehen dürfte er nach Einschätzung der US-Presse höchstens, wenn nach Abschluss des strafrechtlichen Verfahrens Zivil- und Schadenersatzprozesse auf ihn zukommen.
Richter Obus hielt der früheren Tyco-Spitze zu Gute, dass ihr Unternehmen im Gegensatz zur inzwischen unter MCI firmierenden Worldcom oder Enron durch den Betrug nicht in die Insolvenz gezwungen wurde. Auch berücksichtigte er Einlassungen von Kozlowskis Anwälten, die etwa 130 Briefe von Freunden und Bekannten des Verurteilten vorlegten, in denen sie unter anderem sein soziales Engagement lobten.
Für jemanden wie Dennis Kozlowski dürfte es kein Problem gewesen sein, alte Freunde dafür zu mobilisieren. Er wird sicher einige Gäste gefunden haben, die an der Geburtstagsfeier für seine Frau in Sardinien teilgenommen hatten Bilder der Feier, die ohne Wissen des übrigen Managements von Tyco bezahlt worden war, erinnerten die schockierte US-Öffentlichkeit an eine römische Orgie.
Für Kozlowski bleibt das Urteil zwiespältig. Und auch die Staatsanwaltschaft dürfte angesichts des vergleichsweise geringen Strafmaßes nicht zufrieden sein. Denn ein Appell an die Härte von Richter Obus verhallte ungehört: Er ignorierte einen Brief von 1995, den Staatsanwalt Owen Heimer vor der Urteilsverkündung verlas. Darin wandte sich Kozlowski an Richter in Houston im Bundesstaat Texas und verlangte die Höchststrafe für einen Tyco-Mitarbeiter. Der hatte die Firmenkasse um eine Million Dollar erleichtert. Der Schaden, den der frühere CEO und sein Finanzchef angerichtet haben, beträgt laut Urteil mehr als 600 Millionen Dollar.
Für das Web ediert von Kai Makus

