Im Boomland Australien sind Fachkräfte rar
Ob Schweißer, Klempner oder Krankenschwester: Die derzeitige Lage im deutschen Arbeitsmarkt ist nicht gerade rosig. Im Juli verzeichnete die Bundesagentur für Arbeit (BA) 4,77 Millionen registrierte Arbeitslose und eine Arbeitslosenquote von 11,5 Prozent. Ganz anders die Situation am anderen Ende der Erde: In Australien ist die Quote auf dem niedrigsten Stand seit 28 Jahren so niedrig, dass Experten von Vollbeschäftigung sprechen.
Vor dem Hintergrund einer seit 14 Jahren boomenden Wirtschaft suchen Arbeitgeber hängeringend nach Arbeitskräften, zumal angesichts einer recht geringen Geburtenrate mit einer großen Zahl nachwachsender Beschäftigter nicht zu rechnen ist. Die verzweifelten Anfragen von Unternehmen bei der Regierung in Canberra haben Wirkung gezeigt: Ministerpräsident John Howard kündigte an, die Zahl der Einwanderungsvisa für ausgebildete Arbeitskräfte im Zeitraum 1. Juli 2005 bis 30. Juni 2006 um 20.000 auf insgesamt 97.500 aufzustocken. Ingesamt steigt die Immigrantenzahl damit auf 140.000.
Um eine Vorauswahl zu treffen, verlangt die Botschaft eine Anmeldung für die Messe per E-Mail. «Wir wollen die Interessenten gezielt einladen», sagte der Sprecher. Wer eines der Visa erhalten will, muss eine Grundvoraussetzung erfüllen: Der Beruf muss in Australien anerkannt sein. Das trifft nicht grundsätzlich auf alle Berufe zu, für die in Deutschland ausgebildet wird etwa den Reiseverkehrskaufmann. Eine Liste der anerkannten Berufe sowie eine Liste gesuchter Arbeitskräfte findet sich auf der Website der Botschaft. Außerdem müssen Bewerber unter 45 Jahre alt sein, Berufserfahrung haben und ausreichende Englischkenntnisse vorweisen.
Keine große Hilfe ist Arbeitsuchenden aus Deutschland, die das Angebot der Howard-Regierung annehmen wollen, die Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) in Bonn. Dort betrachtet man die Mitteilung zunächst einmal als generelle Ankündigung. Über Details des Programms ist bei der ZAV nichts bekannt.
Immerhin verzeichnet die ZAV, die seit dem vergangenen Jahr Fachkräfte nach Australien vermittelt, einen höheren Eingang von Stellenangeboten vom fünften Kontinent, wie Schomann hervorhob. Wer über die Behörde die zur BA gehört sein Glück versuchen möchte, findet über die Website der Bundesagentur Angebote.
Ganz leicht macht es die BA Suchenden allerdings nicht, wie Schomann einräumt: Über «Arbeits- und Ausbildungssuchende» und «Stellenangebote suchen» gelangt man in eine Maske, wo zunächst «Suchkriterien hinzufügen» geklickt werden muss. Erst dann kann man über «Land ändern» das Zielland Australien anwählen und «Suche ausführen». Danach erhält man eine Liste von freien Stellen etwa für einen Fräser, einen Kfz-Mechaniker oder einen Industrieelektroniker.
Informationen zu den Veranstaltungen und zur Bewerbung gibt es bis 23. September unter der kostenpflichtigen Hotline 0180/522 20 23. Die ZAV trifft dann für die Personalentscheider eine Vorauswahl geeigneter Kandidaten zu Gesprächen während der Messe.

