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Im Boomland Australien sind Fachkräfte rar

24. Aug 2005 08:15
Oper in Sydney
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In Australien werden Handwerker, aber auch Fachärzte knapp. Wer mit dem Gedanken spielt, ans andere Ende der Welt auszuwandern, hat jetzt unter Umständen gute Karten.

Von Matthias Breitinger

Ob Schweißer, Klempner oder Krankenschwester: Die derzeitige Lage im deutschen Arbeitsmarkt ist nicht gerade rosig. Im Juli verzeichnete die Bundesagentur für Arbeit (BA) 4,77 Millionen registrierte Arbeitslose und eine Arbeitslosenquote von 11,5 Prozent. Ganz anders die Situation am anderen Ende der Erde: In Australien ist die Quote auf dem niedrigsten Stand seit 28 Jahren – so niedrig, dass Experten von Vollbeschäftigung sprechen.

Vor dem Hintergrund einer seit 14 Jahren boomenden Wirtschaft suchen Arbeitgeber hängeringend nach Arbeitskräften, zumal angesichts einer recht geringen Geburtenrate mit einer großen Zahl nachwachsender Beschäftigter nicht zu rechnen ist. Die verzweifelten Anfragen von Unternehmen bei der Regierung in Canberra haben Wirkung gezeigt: Ministerpräsident John Howard kündigte an, die Zahl der Einwanderungsvisa für ausgebildete Arbeitskräfte im Zeitraum 1. Juli 2005 bis 30. Juni 2006 um 20.000 auf insgesamt 97.500 aufzustocken. Ingesamt steigt die Immigrantenzahl damit auf 140.000.

Schriftliche Anmeldung notwendig

Mehr in der Netzeitung:
Mit einer weltweiten Aktion will die australische Einwanderungsbehörde für Arbeitsmöglichkeiten «down under» werben und passende Kandidaten für die freien Stellen finden, unter anderem mit Anzeigen in ausländischen Zeitungen. Darin wird auf Informationsveranstaltungen unter anderem in Amsterdam, London und Berlin verwiesen. In der deutschen Hauptstadt findet die Jobmesse am 6. und 7. Oktober statt, wie ein Sprecher der Botschaft der Netzeitung sagte. Dort will die diplomatische Vertretung zwischen Personalverantwortlichen und Arbeitsuchenden, die sich dauerhaft in Australien niederlassen wollen, vermitteln.

Um eine Vorauswahl zu treffen, verlangt die Botschaft eine Anmeldung für die Messe per E-Mail. «Wir wollen die Interessenten gezielt einladen», sagte der Sprecher. Wer eines der Visa erhalten will, muss eine Grundvoraussetzung erfüllen: Der Beruf muss in Australien anerkannt sein. Das trifft nicht grundsätzlich auf alle Berufe zu, für die in Deutschland ausgebildet wird – etwa den Reiseverkehrskaufmann. Eine Liste der anerkannten Berufe sowie eine Liste gesuchter Arbeitskräfte findet sich auf der Website der Botschaft. Außerdem müssen Bewerber unter 45 Jahre alt sein, Berufserfahrung haben und ausreichende Englischkenntnisse vorweisen.

Größte Job-Kampagne seit 60er Jahren

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Im kommenden Jahr sollen Veranstaltungen der australischen Regierung in Asien und Amerika folgen, etwa in Seoul, Bangkok und Los Angeles. Es ist die größte Job-Kampagne Australiens seit der großen Einwandererwelle nach dem Zweiten Weltkrieg. «Wir haben seit den 1950er und 1960er Jahren keine solch aggressive Rekrutierung mehr gemacht», sagte der Sprecher des australischen Immigrationsministeriums, Abul Rizvi. Da viele Australier hoch qualifiziert sind, werden vor allem Facharbeiter und Handwerker gesucht, beispielsweise Maurer, Köche oder Schreiner. Aber auch Buchhalter, Bauingenieure und bestimmte Fachärzte stehen auf der Liste der gefragten Kräfte.

Keine große Hilfe ist Arbeitsuchenden aus Deutschland, die das Angebot der Howard-Regierung annehmen wollen, die Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) in Bonn. Dort betrachtet man die Mitteilung zunächst einmal als generelle Ankündigung. Über Details des Programms ist bei der ZAV nichts bekannt.

Mühsame Suche übers Internet

Zudem steht das Vorhaben der australischen Regierung dem Ansinnen der ZAV entgegen, deutsche Erwerbslose lediglich zeitlich befristet ins Ausland zu vermitteln. «Die Australier sind dagegen an dauerhafter Immigration interessiert», sagte Gerald Schomann, der bei der ZAV für die Arbeitsvermittlung in Länder außerhalb der EU zuständig ist, der Netzeitung.

Immerhin verzeichnet die ZAV, die seit dem vergangenen Jahr Fachkräfte nach Australien vermittelt, einen höheren Eingang von Stellenangeboten vom fünften Kontinent, wie Schomann hervorhob. Wer über die Behörde – die zur BA gehört – sein Glück versuchen möchte, findet über die Website der Bundesagentur Angebote.

Ganz leicht macht es die BA Suchenden allerdings nicht, wie Schomann einräumt: Über «Arbeits- und Ausbildungssuchende» und «Stellenangebote suchen» gelangt man in eine Maske, wo zunächst «Suchkriterien hinzufügen» geklickt werden muss. Erst dann kann man über «Land ändern» das Zielland Australien anwählen und «Suche ausführen». Danach erhält man eine Liste von freien Stellen – etwa für einen Fräser, einen Kfz-Mechaniker oder einen Industrieelektroniker.

ZAV-Messen zu «Down Under»

Einfacher hat es wohl, wer am 10. Oktober nach Bonn oder am 12. Oktober nach Potsdam fährt: Dort veranstaltet die ZAV jeweils eine Infomesse zu Jobs in Australien und Neuseeland, wo Interessenten mit Arbeitgebern und Vermittlern in Kontakt kommen können. Gesucht werden vor allem Handwerker mit Englischkenntnissen, insbesondere aus Holz und Metall verarbeitenden Berufen.

Informationen zu den Veranstaltungen und zur Bewerbung gibt es bis 23. September unter der kostenpflichtigen Hotline 0180/522 20 23. Die ZAV trifft dann für die Personalentscheider eine Vorauswahl geeigneter Kandidaten zu Gesprächen während der Messe.

 
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