12.07.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Ex-Skoda-Manager Helmuth Schuster
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Regierung eines indischen Bundesstaates ist in die Kritik geraten, weil Geld für die Ansiedlung einer VW-Fabrik gezahlt wurde - an den früheren Skoda-Manager Schuster. Jetzt soll der Autokonzern die Summe zurückzahlen. Thema: Schmiergeld-Affäre bei VW Schuster will aus VW-Skandal Kapital schlagen Termin für Verhandlung über Gebauer-Kündigung SPD-Abgeordnete wieder bei VW tätig VW könnte Details zu Sanierung nennen Hartz-Nachfolger soll von außen kommen Forscher für Erhalt der Mitbestimmung bei VW Experte fordert Piech zum Rücktritt auf «Zweifelhafte Positionen» in VW-Rechnungen VW-Betriebsrat will «gläserne Kasse» Hartz will bei VW zurücktreten
Die Regierung des indischen Bundesstaates Andrha Pradesh verlangt vom Volkswagen-Konzern
zwei Millionen Euro, sollte das Unternehmen dort keine Fabrik bauen. Das sagte der Industrieminister des Bundesstaates, Bosta Satyanarayana, am Dienstag in Hyderabad, wie die indische Nachrichtenagentur IANS berichtete.
Der Bundesstaat hatte in der Schmiergeld-Affäre offenbar diese Summe an ein Unternehmen namens Vashita Wahan gezahlt, um VW für den Bau der Fabrik zu gewinnen. Diese Firma hat nach Aussagen des Konzerns aber nichts mit Volkswagen zu tun. Sie gehört vielmehr zu dem Netz von Tarnfirmen, mit der der frühere Skoda-Personalchef Helmuth Schuster versucht haben soll, Aufträge des Autoherstellers für eigene Unternehmen zu erhaschen. Schuster war vor seiner Entlassung auch Indien-Beauftragter des Unternehmens gewesen.
Zahlung war «legal und transparent»Dennoch glaubt Industrieminister Satyanarayana, das Geld sei ihm sicher. «Wir haben aufrichtig gehandelt, um die Autofabrik einer angesehenen Firma anzuziehen», sagte er laut IANS. «Alles, was wir getan haben, war legal und transparent.»
Satyanarayana tritt damit offensichtlich die Flucht nach vorn an: Längst ist er in seiner Heimat unter Druck geraten. Nicht nur die Opposition in Andrha Pradesh, sondern auch die in Neu-Delhi mitregierende Kommunistische Partei Indiens-Marxisten fordern eine Untersuchung durch die indische Bundespolizei. Sie werfen dem Industrieminister unter anderem vor, das Geld gezahlt zu haben, bevor ein Vertrag oder zumindest eine Absichtserklärung mit VW unterzeichnet wurde.
Schuster spielte Bundesstaaten ausNach einem Bericht der indischen Zeitung «Asian Age» hatte der damalige VW-Manager Schuster gedroht, der Konzern werde die Fabrik statt in Andrha Pradesh im benachbarten Bundesstaat Tamil Nadu errichten, wenn die Regierung des Bundesstaaten nicht zahlen wolle. Offiziell waren sie für die Bildung eines Gemeinschaftsunternehmens mit VW vorgesehen.
Allerdings verbarg sich hinter Vashita Wahan (VW) nicht der Autokonzern, sondern lediglich eine Firma, an der Schuster selbst beteiligt gewesen sein soll. Die Reigerung von Andrha Pradesh habe sich aber trotz Warnungen über Bedenken hinweggesetzt, berichtete «Asian Age» unter Berufung auf «offizielle Quellen» weiter.
Auslöser der Schmiergeld-AffäreSchuster war von VW fristlos entlassen worden. Zugleich hatte das Unternehmen gegen ihn und den in der Personalabteilung des Konzerns beschäftigten Klaus-Joachim Gebauer Strafanzeige wegen Untreue und Betrug gestellt. Gebauer war außerdem für die Beziehung des Managements zum Konzernbetriebsrat verantwortlich. In dieser Funktion sollen den Arbeitnehmervertretern großzügig Reisen und Luxus-Prostituierte gewährt worden sein, um sie auf Vorstandslinie zu bringen.
Volkswagen erwägt seit längerem ein Engagement in Indien. Die Entscheidung zu Gunsten eines Standorts war vor dem Skandal indes noch nicht gefallen. Inzwischen hat Konzernchef Bernd Pischetsrieder die Sache auf Eis gelegt - bis zur Aufklärung des Schmiergeld-Skandals. (nz)