11.06.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD)
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Finanzminister der reichsten Länder der Erde verhandeln über einen milliardenschweren Schuldenerlass für Entwicklungsländer. Eine Einigung ist noch nicht in Sicht.
Die Finanzminister der sieben führenden Industrienationen und Russlands (G8) haben am Samstag in London ihre Gespräche über einen Schuldenerlass für die ärmsten Länder der Welt fortgesetzt. Der britische Finanzminister Gordon Brown, der zu dem Treffen eingeladen hatte, zeigte sich zuversichtlich, eine Einigung zu erzielen. Die Ministerrunde bereitet den G8-Gipfel Anfang Juli im schottischen Gleneagles vor. Dort ist der Schuldenerlass Hauptthema.
Es gebe «den politischen Willen der reichsten Länder voranzukommen», gab sich Brown schon am Freitagabend optimistisch. Er sprach davon, in London würden Fortschritte gemacht, damit der «größte Schuldenerlass, den die Welt je gesehen hat», verwirklicht werden könne.
Deutschland hält sich zurückBundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) äußerte sich allerdings zurückhaltend. «Ich glaube nicht, dass wir hier zu einer Einigung kommen», sagte er vor der eigentlichen Verhandlungsrunde. Eine Annäherung sei allerdings nicht ausgeschlossen, ein Ergebnis müsse im Juli in Schottland erreicht werden. Finanzstaatssekretär Caio Koch-Weser gab sich ebenfalls reserviert: «Ich kann nur sagen, dass wir daran arbeiten», sagte er.
Ein Sprecher des Weißen Hauses in Washington bestätigte nach Angaben der BBC, dass sich Großbritannien und die USA intern auf einen Schuldenerlass geeinigt haben. Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt. Nach einem Zeitungsbericht der «New York Times» (NYT) sollen danach 18 Ländern Schulden in Höhe von 16,7 Milliarden Dollar erlassen werden, darunter bei der Weltbank, dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und regionalen Entwicklungsbanken.
Einigung nicht gesichertInsgesamt lagen die Meinungen der G7-Länder USA und Großbritannien sowie Frankreich, Kanada, Deutschland, Italien und Japan vor dem Treffen noch deutlich auseinander. Deutschland lehnt einen hundertprozentigen pauschalen Erlass der Schulden für die betroffenen Staaten ab. Gemeinsam mit Frankreich und Japan will Deutschland außerdem bestimmte Kriterien, wie etwa eine «gute Regierungsführung», an finanzielle Zugeständnisse knüpfen.
Romily Greenhill von Action Aid International, einer südafrikanischen Organisation zur Bekämpfung von Armut in der Welt, sagte, Deutschland, Frankreich und mit einigen Abstrichen - Japan hielten sich mit Zusagen über einen Schuldenerlass zurück, weil sie besorgt seien über die Kosten, die der Schuldenerlass mit sich brächte. «Es ist keinesfalls sicher, dass die Gespräche zu einer Einigung führen», zitiert sie die «NYT». (nz)