Rohstoff-Gesetz spaltet Bolivien
Das Gesetz wird von linken Kräften als zu unternehmerfreundlich kritisiert – sie fordern eine Abgabe von mindestens 50 Prozent plus Steuern –, während für die betroffenen Konzerne das neue Gesetz «Enteignungscharakter» hat. Am Montag hatten etwa 12.000 Demonstranten vor dem Sitz der Regierung in La Paz die Verstaatlichung der Erdgas- und Erdölindustrie sowie die Schließung des Parlaments gefordert.
Viele Menschen in dem mehrheitlich von Indios bewohnten Andenstaat sehen ihr Land als Opfer Jahrhunderte langer Ausbeutung der Bodenschätze durch ausländische Mächte und eine kleine, europäisch geprägte Oberschicht. Sie fordern, dass der Reichtum des Landes auch seinen Bürgern zu Gute kommen soll.
Auch die Linkspartei «Bewegung zum Sozialismus» möchte nachbessern. Der Oppositionspolitiker Evo Morales forderte, statt der Unternehmen solle künftig der Staat die Erdgaspreise festlegen. Die Rohstoffe sollten in Bolivien selbst verarbeitet werden, und schließlich müssten die Konzerne grundsätzlich die Hälfte ihrer Gewinne abführen.
Ein Verband von 15 ausländischen Erdölkonzernen kritisierte das Gesetz: Die Investitionen würden gebremst und die Entwicklung des gesamten Sektors beeinträchtigt. Zudem warnen unabhängige Experten wie Carlos Alberto López vor hohen Schadensersatzforderungen gegen den Staat. Auch der parteilose Staatspräsident Carlos Mesa hatte zuvor die Befürchtung geäußert, das Gesetz könnte ausländische Investoren abschrecken.
Nicht ohne Grund hielt sich Mesa im Streit um das neue Gesetz zurück. Als Negativbeispiel hat er die Geschichte seines Vorgängers Gonzalo Sánchez de Lozada vor Augen: Dieser stürzte im Herbst 2003 über die Erdgas-Politik, nachdem ein Streit um die Förderung und den Export von Erdgas Bolivien gespalten hatte. Nach der blutigen Niederschlagung von Protesten trat Mesas Vorgänger zurück. (nz)
