06. Apr 2005 09:43
IBM, Oracle, Nokia – die Großen der Technologiebranche versammeln sich gegen Microsoft hinter der EU-Kommission. Die könnte davon im Kartellstreit profitieren.
Die großen Konzerne der weltweiten Technologiebranche bemühen sich ernsthaft, die Quasi-Monopolstellung von Microsoft bei Betriebssystemen anzugehen. Es gebe «eine dauernde und tatsächlich wachsende Besorgnis in der Technologieindustrie über weit reichendes, wettbewerbsbehinderndes Verhalten» des US-Softwareherstellers, sagte Thomas Vinje von der Anwaltskanzlei Clifford Chance der «Financial Times», wie das britische Wirtschaftsblatt am Mittwoch berichtete.Vinje vertritt eine Gruppe von Firmen, die sich zum European Committee for Interoperable Systems (Ecis) zusammengeschlossen haben. Darunter finden sich Branchengrößen wie IBM, Oracle und Nokia, berichtete die Zeitung. Sie wollten sich bereits im Dezember in die juristische Auseinandersetzung zwischen Microsoft und der EU-Kommission um das Geschäftsgebaren des US-Konzerns einschalten. Bislang wurden sie aber nicht auf die Liste der Beteiligten aufgenommen, weil eine Frist versäumt wurde.
Daher könnte dem Ecis-Bündnis die Teilnahme am Prozess von Microsoft gegen die EU, der derzeit beim Europäischen Gerichtshof anhängig ist, verweigert werden. Microsoft streitet darum, dass das im März 2004 verhängte Bußgeld in Rekordhöhe von 497 Millionen Euro aufgehoben wird. Es war von der Brüsseler Behörde wegen wettbewerbswidrigem Verhalten angeordnet und durch Auflagen zu Geschäftspraktiken ergänzt worden. Das Verfahren kann sich noch über Monate oder sogar Jahre hinziehen.Dennoch könnten sich die Konzerne am Vorgehen gegen Microsoft beteiligen: Eine Teilnahme an den Anhörungen zum Thema könne ihnen nicht verweigert werden, berichtete die «FT» weiter. Die EU-Kommission gewönne neue, starke Verbündete, die den Brüsseler Wettbewerbshütern vor allem technische Argumente im Verfahren zuliefern könnte.