netzeitung.deWeltsozialforum beklatscht zum Abschluss Chavez' Aufruf zur Revolution

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Venezuelas Präsident Hugo Chavez (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Venezuelas Präsident Hugo Chavez
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Zu einer «weltweiten Verschwörung gegen den Neoliberalismus» hat Venezuelas Staatspräsident Chavez die Teilnehmer des Weltsozialforums aufgerufen. Die plädierten unter anderem für ein Menschenrecht auf Trinkwasser.

Zum Abschluss des fünften Weltsozialforums in der südbrasilianischen Hafenstadt Porto Alegre hat der venezolanische Präsident Hugo Chavez zu einem Aufstand gegen neoliberale Wirtschaftspolitik aufgerufen. «Wir werden diese Welt nur durch eine Revolution verändern», sagte Chavez Medienberichten zufolge in der Nacht zum Montag. «Lasst uns eine weltweite Verschwörung gegen den Neoliberalismus durchführen.»

Den Berichten zufolge wurde die Rede des linksnationalistischen, autoritär herrschenden Chavez begeistert von den Zuschauern aufgenommen. Neben den 15.000 Menschen in der Veranstaltungshalle hätten weitere 10.000 davor die rund 90-minütige Rede bejubelt, hieß es. Chavez forderte, den Kapitalismus zu überwinden und durch einen «menschlichen Sozialismus» zu ersetzen, bei dem der Mensch und nicht der Staat im Mittelpunkt stehen solle. So werde sich das «Projekt des Lebens» gegen das «Projekt der Zerstörung dieses schönen Planeten» durchsetzen.

Gegen die «negativste Kraft der Welt»
Chavez bezeichnete zudem die USA als «negativste Kraft der Welt». Er reagierte damit offenbar auf jüngste Äußerungen der neuen US-Außenministerin Condoleezza Rice, die ihn einen «negativen Faktor in der Region» genannt hatte. Das Weltsozialforum, an dem nach Veranstalterangaben 155.000 Globalisierungskritiker aus 135 Ländern teilnahmen, hatte bereits zuvor gegen die US-Politik insbesondere im Irak protestiert.

Das Weltsozialforum, das sich als Gegenveranstaltung zum Weltwirtschaftsgipfel versteht, zu dem sich jedes Jahr Vertreter von Wirtschaft und Politik im schweizerischen Davos einfinden, wird im kommenden Jahr nicht als zentrale Veranstaltung durchgeführt, wie die Organisatoren mitteilten. Statt dessen werde auf jedem Kontinent ein Regionalforum veranstaltet. 2007 sei dann erneut ein zentrales Treffen der Globalisierungskritiker geplant, das erstmals in Afrika stattfinden werde.

Manifest fordert Menschenrecht auf Wasser
Menschenrechtler und Künstler forderten in einem «Manifest von Porto Alegre» einen Schuldenerlass und mehr Entwicklungshilfe für die armen Länder der Erde, um für mehr Gerechtigkeit für die Entwicklungsländer zu sorgen. Dazu solle eine Steuer auf Devisengeschäfte, Auslandsinvestitionen und Rüstungsexporte erhoben werden. Auch seien verstärkte Anstrengungen gegen den Klimawandel und für soziale Menschenrechte erforderlich, heißt es in dem von 19 Intellektuellen unterzeichneten Dokument.

Zudem müsse die Privatisierung von «Gemeinschaftsgütern der Menschheit» verhindert werden. Dazu solle insbesondere der Zugang zu sauberem Trinkwasser als Menschenrecht anerkannt werden. Als Vorbild für eine geforderte UN-Resolution dazu wurde Uruguay genannt: In dem südamerikanischen Land hatte Wasser als öffentliches Gut und Menschenrecht nach einer Volksabstimmung Verfassungsrang erlangt. (nz)