netzeitung.deSao Tome will Einnahmen aus seiner nationalen Internet-Domain

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Eine Firma in Schweden hat Adressen mit dem Internet-Suffix .st des kleinen Afrikastaates Sao Tome verkauft - ohne Wissen der Regierung. Damit wurde .st zur wichtigsten afrikanischen Domain für Porno-Websites.

Der kleine westafrikanische Inselstaat Sao Tome und Principe hat sich – unwissentlich und wider Willen – zum afrikanischen Zentrum der Internet-Pornografie entwickelt. Wie die «Financial Times» (FT) am Dienstag berichtete, verkauften ein schwedisches Unternehmen und sein Partner vor Ort Adressen mit der Toplevel-Domain des Landes, .st, ohne Erlaubnis der Regierung. Dem Bericht zufolge verlangt diese nun einen Teil der Gewinne aus dem Verkauf der .st-Adressen.
Sao Tome beklagt Imageproblem
«Sao Tome bekommt nichts», beschwerte sich der Infrastrukturminister des Landes, Deolindo Costa de Boa Esperanca. Das Übermaß an Porno-Seiten mit .st habe seinem Land ein Imageproblem verschafft. Die Regierung erfuhr von dem Problem durch eine internationale Untersuchung über Internet-Pornografie aus den USA. Diese hatte ergeben, dass mehr als drei Viertel der Porno-Websites afrikanischer Domains Adressen mit dem Suffix von Sao Time tragen.

Im Juni war die Studie veröffentlicht worden, wie die «FT» weiter berichtete. Demnach entfielen 307.000 der 389.000 Porno-Seiten mit afrikanischen Domains auf Sao Tome. Dabei hat der Inselstaat vor der Westküste Afrikas gerade einmal 165.000 Einwohner. Durch die Studie aufgeschreckt ging Infrastrukturminister Costa der Sache auf den Grund und stellte fest, dass im Sommer 1999 ein regionaler Netzwerktechniker und der Chef des schwedischen Internetdienstleister Bahnhof Internet schlicht zu Domain-Manager ernannt wurden. Laut der Regierung von Sao Tome wurden sie aber nicht offiziell bestätigt.

Zahlen «völlig falsch»
Der Streit um den .st-Suffix ist laut «FT» nur ein Beispiel für die derzeitige Debatte über die Kontrolle von potenziell lukrativen nationalen Toplevel-Domains. So habe es bereits Zwist um die Domains von Moldawien oder der Pitcairn-Inseln, eines kleinen Archipels im Südpazifik, gegeben. Schon 2001 kaufte das US-Unternehmen Verisign für 45 Millionen Dollar das Management der begehrten Domain der Pazifikinselgruppe Tuvalu, .tv. Laut «FT» verlangt Bahnhof Internet 35 Euro als jährliche Gebühr für jeden Nutzer der .st-Domain.

Wie die Zeitung weiter berichtete, weist Bahnhof die Kritik zurück. Man habe nichts falsch gemacht, sagte der Firmenchef Jon Karlung der «FT» zufolge. Die Ernennung als Domain-Manager sei informell erfolgt, aber von der Regierung von Sao Tome gestützt. Zudem seien die Zahlen der US-Pornountersuchung «völlig falsch». Für die .st-Domain habe Bahnhof rund 5000 Kunden und erziele im Schnitt monatliche Erlöse zwischen 10.000 und 12.000 Euro. (nz)