Mercosur und Andengemeinschaft arbeiten an neuer «Südamerikanischer Gemeinschaft»
06.11.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Anfang Dezember wird in Peru eine «Südamerikanische Staatengemeinschaft» aus den bisherigen regionalen Bündnissen Mercosur und Andengemeinschaft geschaffen. Einige Mitglieder sehen darin ein Gegengewicht zur Hegemonie der USA.
In Südamerika entsteht derzeit ein neuer Integrationsraum aus den bislang getrennten regionalen Blöcken Mercosur und der Andengemeinschaft. Auf einem Gipfeltreffen in Rio de Janeiro legten Präsidenten und Regierungsvertreter aus 19 Ländern Lateinamerikas an diesem Wochenende das Fundament für das neue Bündnis: Sie beschlossen, dass die Gemeinschaft, deren Namen noch nicht definitiv feststeht, am 8. und 9. Dezember in der peruanischen Stadt Cusco offiziell geschaffen werden soll.
Arbeit an einer Art VerfassungAnschließend soll eine Art Verfassung entworfen werden. Mit der «Südamerikanischen Staatengemeinschaft» entsteht ein Integrationsraum, in dem 361 Millionen Menschen leben, der ein Gesamt-Bruttoinlandsprodukt von 800 Milliarden Dollar ausweist und Exporte in Höhe von 188 Milliarden Dollar zu verzeichnen hat, wie Perus Präsident Alejandro Toledo auf dem Gipfel sagte. Zum Vergleich: In der EU wohnen knapp 455 Millionen Menschen, das Bruttoinlandsprodukt aller 25 EU-Länder zusammen betrug 2003 9738 Milliarden Euro.
Bislang zählen zur Andengemeinschaft (CAN) die Staaten Bolivien, Kolumbien, Ecuador, Peru und Venezuela. Chile gehörte 1969 zu den Gründungsmitgliedern, trat aber 1976 aus dem Pakt aus. Die CAN ist der drittgrößte Integrationsraum Amerikas nach der nordamerikanischen Freihandelszone Nafta und Mercosur, in dem seit 1991 Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay zusammengeschlossen sind. Chile ist mit Mercosur assoziiert.
Bessere Position in HandelsgesprächenAuch Länder, die bislang weder zu Mercosur noch zur CAN gehören, sollen sich dem neuen Bündnis anschließen, etwa Guyana oder Surinam. Mit der neuen Gemeinschaft soll die politische und ökonomische Integration sowie die Vernetzung der Infrastruktur gefördert werden. Zudem soll die neue Gemeinschaft die Verhandlungsposition Südamerikas, vor allem in Handelsgesprächen, verbessern. «Sie wird die Region in ihren Handelsgesprächen mit Industriestaaten stärken», sagte Brasiliens Außenminister Celso Amorim.
Einige Mitglieder, etwa Brasilien, erhoffen sich davon ferner ein Gegengewicht zu der US-Vorherrschaft in der Region. Andere lehnen indes die Vorstellung ab, das neue Bündnis könne eine Art anitamerikanische Bewegung darstellen. «Die südamerikanische Gemeinschaft schließt stärkere Beziehungen mit den USA nicht aus», betonte Toledo. (nz)