«Perfekte Plattform»: 

netzeitung.deFußball, eine Oase für Geldwäscher

 Herausgeber: netzeitung.de

Intransparenz im Fußball - ein Nährboden für kriminelles Verhalten (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Intransparenz im Fußball - ein Nährboden für kriminelles Verhalten
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Mangelnde Transparenz im Fußball bietet laut einer OECD-Studie einen sehr guten Nährboden für kriminelle Energie. Der Studienbetreuer hätte einen Lösungsansatz parat.

Irrationale Ablösesummen, unseriös beratene Spieler und Kriminelle mit übersteigertem Geltungsbedürfnis – der Fußball bietet nach Erkenntnissen der OECD eine perfekte Plattform für Geldwäsche. «Es gibt zu wenig Transparenz. In vielen Ländern gibt es keine Sport-Aufsichtsbehörden, die Geldwäsche im Fußball überwachen», sagte der Betreuer der Studie, Vincent Schmoll von der in Paris ansässigen «Financial Action Task Force» (FATF), der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag.

In einer jüngst veröffentlichten OECD-Studie hatten Forscher mittels einer Fragebogenaktion in 25 Ländern weltweit mehr als 20 reale Fälle von Geldwäsche gesammelt und analysiert. «Wir waren darüber sehr überrascht», gestand Schmoll. Doch nicht nur die Bekämpfung von Geldwäsche stellt für den Fußball ein drängendes Problem dar. Nach Erkenntnis der FATF wird der Sport auch für weitere kriminelle Handlungen wie Menschen- und Drogenhandel, Korruption und Steuerdelikte benutzt.

Da im Fußball immer mehr Gelder grenzübergreifend fließen, vergrößert sich die Attraktivität für Kriminelle. Aber auch die Vereine gehen wegen des Erfolgsdrucks stärkere Wagnisse ein: «Die 'Kultur der Unberechenbarkeit' könnte zu einer gestiegenen Toleranz gegenüber scheinbar irrationalen Zahlungen führen», heißt es in der Studie.

So glich beispielsweise ein französischer Amateurverein sein Defizit am Saisonende regelmäßig durch Gelder aus mehreren Firmen des Club-Präsidenten aus. Die Finanzbehörde stellte fest, dass der Unternehmer das Firmenkapital missbraucht hatte. «Es besteht das Risiko, dass in Schulden geratene Clubs nicht viele Fragen stellen, wenn ein neuer Investor auftaucht», befürchtet die FATF. Kriminelle könnten sich somit eine Eintrittskarte zum sozialen Milieu Fußball und Anerkennung kaufen.

Ein weiteres Warnsignal stellen Investorengruppen dar, die in Steueroasen beheimatet sind. Auch Sportwetten und der Handel mit Spielern bieten einen idealen Nährboden für Geldwäsche. Trotz einer Vorgabe des Fußball-Weltverbandes FIFA würden viele Agenten noch ohne Lizenz arbeiten. Die FATF kritisiert darüber hinaus, dass es keine festgelegten Regeln für den Nachweis von außergewöhnlichen Zuwendungen für Spieler (Haus, Auto, Unterstützung für die Familie usw.) gibt. Somit blieben bei der gesamten Abwicklung von Transfers viele Dinge im Dunkeln und böten weitere Gelegenheiten zu Geldwäsche.

Der englische Fußball-Verband FA hat seinen Clubs im Dezember 2007 eine ausführliche Richtlinie zur britischen Gesetzgebung in Bezug auf Geldwäsche an die Hand gegeben. «Das ist ein Schritt in die richtige Richtung», lobte Schmoll. «Doch so etwas gibt es meines Wissens in anderen Ländern leider nicht. Der Dialog muss wegen der internationalen Dimensionen des Fußballs auch auf europäischer Ebene geführt werden.» Aus Deutschland erhielten die Forscher bislang keine Antworten auf ihre Fragebögen. (Florian Lütticke, dpa)