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Wirtschaftssysteme rund um den Globus: 

Die Varianten des Kapitalismus

14. Nov 2008 11:17
Ludwig Erhard, der 'Vater der Sozialen Marktwirtschaft'
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Der Weltfinanzgipfel soll die Finanzmärkte reformieren, doch in Washington prallen verschiedene Wirtschaftssysteme aufeinander: Kapitalismus ist nicht gleich Kapitalismus. Eine Übersicht.

Wenn am Wochenende in Washington die G-20-Staaten zum Weltfinanzgipfel zusammenkommen, sitzen Vertreter unterschiedlicher Wirtschaftssysteme an einem Tisch. Nachdem Sozialismus und Planwirtschaft sich mit dem Ende des Sowjetimperiums und dem Fall der Mauer von der Weltbühne praktisch verabschiedet haben, stehen verschiedene Varianten des Kapitalismus zur Auswahl. Im folgenden eine Übersicht der wichtigsten Strömungen.

Kapitalismus angelsächsischer Prägung

Als bislang dominierendes Wirtschaftsmodell gilt der angelsächsische Kapitalismus. Die Idee ist, dass der Staat sich aus dem Wirtschaftsleben so weit als irgend möglich herauszuhalten hat. Die Aufgabe des Staates ist vor allem die Sicherheit und ein funktionierendes Rechtssystem. Der Leiter des Zentrums für Wirtschaftspolitik am Kieler Institut für Weltwirtschaft, Henning Klodt, bringt die Maxime dieses Wirtschaftssystems knapp auf den Punkt: «Der Markt entscheidet.» Angebot und Nachfrage steuern Produktion und Preise.

Eine Regulierung der Märkte durch den Staat findet – zumindest der reinen Lehre nach – nicht statt. Nachteile dieses Modell hat die Finanzmarktkrise aufgezeigt: Mangels wirksamer Aufsicht erwies sich manche gefeierte Finanzinnovation als Zockerpapier. Ein ganzer Zoo von Derivaten und Finanzkonstrukten war selbst für Experten kaum noch durchschaubar. Geldhäuser, die sich mit ihren Anlagen sicher wähnten, verbuchten plötzlich Milliardenverluste – die Krise war da, und sie kam aus dem USA.

Kapitalismus westeuropäischer Prägung

Die europäische Kapitalismusvariante ist gemäßigter. «Der Unterschied zum angelsächsischen Modell ist, inwieweit der Staat hinterher korrigierend eingreift», erläutert Klodt. In Deutschland wurde die «soziale Marktwirtschaft» vom damaligen Wirtschaftsminister Ludwig Erhard propagiert.

Die prinzipiell ebenfalls freien Märkte müssen sich einem Geflecht von Regeln und Regulierungen unterwerfen, das Auswüchse eindämmen, grobe Ungerechtigkeiten und soziale Verwerfungen verhindern soll. Elemente sind Arbeitslosen-, Kranken- und Rentenversicherung für praktisch alle Arbeitnehmer ebenso wie die Mitbestimmung der Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsräten.

Kapitalismus à la Russland und China

Eine relativ neue Variante sind die auch als «autoritärer Kapitalismus» bezeichneten Modelle von China und Russland, die die Planwirtschaft abgelöst haben.

Russland: Die staatliche Kontrolle über die Unternehmen ist noch sehr stark, so ist beispielsweise der Energiesektor in Russland in der Hand großer Staatskonzerne. «Die in die Freiheit entlassenen Bereiche sind relativ klein», meint Klodt. Daneben gebe es eine Grauzone mit teils mafiösen Strukturen.

China: China sei anders, sagt der Professor. «Es ist ein Land im Übergang. Es gibt ein Nebeneinander weitgehend liberalisierter Bereiche und Regionen wie Schanghai und eines weiterhin stark staatlich oder militärisch kontrollierten Bereichs.» Zudem habe die chinesische Führung «sehr ausgeprägte industriepolitische Vorstellungen», das sei in Russland weniger zu erkennen.

Sonderfall Ölstaaten

Ein Sonderfall sind nach Einschätzung von Klodt die arabischen Ölstaaten. Sie versuchen in erste Linie, ihre Ölüberschüsse so anzulegen, dass sie noch Einnahmen erzielen, wenn das Öl als Quelle ihres Reichtums versiegt ist. «Öl wird zu Aktien», meinte Klodt.

Volkswirtschaften herkömmlicher Art seien diese Staaten nicht. Und dass es nach westlichen Maßstäben politisch Diktaturen seien, habe keinen Einfluss auf die Wirtschaft. (Joachim Sondermann, AP)

 
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