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Jahrhundert-Ereignis: 

Für Greenspan ist die Krise längst nicht vorbei

05. Aug 2008 13:20
Alan Greenspan
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Regierungen sollten als Folge der Finanzkrise nicht zu verstärkter Regulierung greifen, rät der langjährige US-Notenbankchef. Damit würden die Vorteile der Globalisierung aufs Spiel gesetzt. Greenspan schließt weitere Bankpleiten nicht aus.

Im Zuge der weltweiten Finanzmarktkrise rechnet der ehemalige US-Notenbankchef Alan Greenspan mit weiteren Bankpleiten. Vermutlich werde es einige Banken und andere Finanzinstitutionen geben, die wegen drohender Zahlungsunfähigkeit durch Regierungen gestützt werden müssten, schreibt der ehemalige Vorsitzende der Federal Reserve in einem Beitrag für die «Financial Times».

Schließlich sei an den Märkten erst dann «ein Anschein von Stabilität» wiederhergestellt worden, als der Staat bei in schwere Schieflage geratenen Banken einsprang, zunächst in Großbritannien bei Northern Rock, dann in den USA im Fall Bear Stearns. Doch die Insolvenzängste seien bisher «nicht vollständig ausgeräumt».

Der frühere Fed-Chef sieht die Weltwirtschaft vor einer großen Herausforderung: Die aktuelle Krise sei anders – «ein Ereignis, wie es ein oder zweimal pro Jahrhundert vorkommt». Sie fuße vor allem auf der Angst vor dem Zusammenbruch großer Finanzinstitutionen. Die eigentliche Überraschung sei nicht, dass sich das Wachstum verlangsamt. «Sondern, dass es überhaupt noch Wachstum gibt.»

Gleichwohl warnte Greenspan vor einem zu starken Eingreifen des Staates. Regulierung sei bei der Vermeidung oder Bekämpfung von Krisen noch nie ein erfolgreiches Mittel gewesen, schrieb Greenspan. Eine Finanzkrise komme stets unerwartet. «In der Finanzwelt war weithin anerkannt, dass die Aufschläge für Risiko in einem Großteil dieses Jahrzehnts zu niedrig waren», so der langjährige Notenbankchef. «Aber das Timing der scharfen Korrektur war trotzdem eine Überraschung und traf viele Marktteilnehmer unvorbereitet und verletzbar.»

Ende der Krise hängt von Immobilien ab

Er warnte davor, dem Wirtschaftssystem die Schuld für die Krise zu geben. «Der Grund für unsere aktuelle Verzweiflung ist nicht der Marktkapitalismus, sondern die allzu menschliche Neigung, zwischen Angst und Euphorie hin- und herzuschwanken.» Das «beispiellose Wachstum» der Weltwirtschaft im vergangenen Jahrzehnt sei wahrscheinlich eine Folge der Globalisierung.

Diese «bemerkenswert starke Performance» bezeuge die Vorteile einer wachsenden weltwirtschaftlichen Flexibilität, die «tief in freien Wettbewerbsmärkten» wurzele. Eine Begrenzung der wettbewerblichen Märkte sei daher kontraproduktiv: «Die Gefahr besteht darin, dass einige Regierungen, frustriert und bedrängt von inflationären Kräften versuchen, ihren Zugriff auf die Wirtschaft zurückzuerlangen.» Breite sich diese Tendenz aus, könnte die Globalisierung zurückgedrängt werden - mit einem horrenden Preis.

Laut Greenspan wird die Finanzkrise erst dann ein Ende finden, wenn sich die Häuserpreise in den USA stabilisieren und dadurch die entsprechenden forderungsbesicherten Wertpapiere gestützt werden. Der Wert des privaten Wohneigentums werde sich aber erst dann erholen, wenn sich der immense Angebotsüberhang an Einfamilienhäusern infolge des Immobilienbooms weiter abbaue. Der US-Häusermarkt gilt als Ausgangspunkt der Hypothekenkrise und damit der internationalen Finanzmarktkrise.

Greenspan wies aber auch darauf hin, dass sich die Unternehmen außerhalb des Finanzsektors bisher überraschend gut gehalten hätten. «Sie haben einen Strom von Gewinnen geliefert, der half, den angespannten Aktienmarkt zu stützen», schrieb der Ex-Fedchef. Zwar seien die Aktienkurse von ihrem Höchststand im Oktober 2007 um ein Fünftel gefallen. Sie bewegten sich aber immer noch auf einem Niveau wie zuletzt 2006. (nz/dpa/AP)

 
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