Doch damit nicht genug. Hilfsorganisationen fordern bereits seit langem, in den Entwicklungs- und Schwellenländern die eigene Landwirtschaft wieder zu stärken. «Ohne Zweifel muss akut Hungernden schnell geholfen werden», meint etwa Ulrich Post, Entwicklungsexperte der Welthungerhilfe. «Aber wenn nicht an den strukturellen Ursachen gearbeitet wird, reichen die angekündigten Maßnahmen (der G8) nur von der Hand in den Mund.»Dazu zählt, die lokalen Märkte zu stärken. «Europa und die USA haben die Entwicklungsländer jahrelang gedrängt, Futtermittel für den Export statt Lebensmittel für den eigenen Bedarf zu produzieren», kritisierten Jürgen Trittin und Thilo Hoppe von den Grünen anlässlich des G8-Gipfels. «Gleichzeitig haben sie ihre eigenen Märkte vor allem für weiterverarbeitete Agrarprodukte aus Entwicklungsländern abgeschottet.»
Trittin und Hoppe fordern, mehr in die ländliche Entwicklung, die kleinbäuerliche Landwirtschaft und die Eigenversorgung im Süden zu investieren. Auch der Weltagrarrat fordert eine Reform des Agrarhandels, die die Situation von Kleinbauern verbessert. In ihrem im April veröffentlichten Report zur Welternährung geht der Agrarrat mit der industriellen Landwirtschaft scharf ins Gericht und verlangt die Förderung von Anbaumethoden, die den ökologischen und sozialen Bedingungen der jeweiligen Region angepasst sind.
Weltbank, aber auch die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) sehen in den hohen Agrarpreisen aber auch Chancen für die Landwirte in den Entwicklungsländern. 75 Prozent der Armen lebten auf dem Land, erklärte die Weltbank. Die meisten von ihnen seien in der Landwirtschaft beschäftigt. Die hohen Preise für Reis, Soja oder Mais seien für sie eine nie da gewesene Chance, der Armut zu entkommen. Ähnlich äußerte sich die FAO. Auch Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) sagte, der Preisanstieg sei «eine Chance für die Bauern».