08.07.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Angela Merkel und Nicolas Sarkozy auf dem G8-Gipfel in Japan
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die G8 reden in Japan über den hohen Ölpreis - und flüchten sich in ihre Standard-Floskeln, wie Matthias Breitinger beobachtet. Kein Wunder: Die entscheidenden Akteure sind im illustren Kreis gar nicht dabei.
Der Ölpreis ist wieder leicht gestiegen, während die Staats- und Regierungschefs der führenden Industriestaaten am Dienstag in Japan darüber sprachen: 142,25 Dollar kostete ein Barrel (159 Liter) US-Leichtöl, 88 Cent mehr als am Montag. Die Marktbewegung, ein Beleg für die Ohnmacht der G8.
Kein Wunder. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach zwar davon, man müsse Angebot und Nachfrage besser in Einklang bringen. Nur: Weder die entscheidenden Förderländer abgesehen von Russland noch die wichtigen Verbrauchsstaaten China und Indien, deren boomende Wirtschaften immer mehr Energie nachfragen und damit für den Preisanstieg mitverantwortlich sind, saßen im «Windsor»-Hotel in Toyako am Tisch, als über den Ölpreisrekord und seine Folgen diskutiert wurde.
Deshalb flüchtet man sich in Standard-Floskeln, für die man nicht eigens nach Japan hätte reisen müssen. Der Ölpreis stelle ein «Risiko für die Weltwirtschaft» dar, ließen die G8 mitteilen. Es seien gemeinsame Anstrengungen zur Bewältigung der Probleme notwendig. Auf der einen Seite eine kurzfristige Erhöhung der Produktion und der Raffineriekapazitäten sowie verstärkte Investitionen in Transport und Verarbeitung von Öl, auf der anderen Seite müssten Erneuerbare Energien weiter gefördert und die Energieeffizienz verbessert werden.
Schwarzer PeterAuch das ist alles nicht wirklich neu und sorgt immer wieder für Diskussionen. Opec-Präsident Chakib Khelil hatte darauf hingewiesen, dass angesichts der unklaren Entwicklung der Ölnachfrage Investitionen zur Kapazitätserhöhung mit hohen Unsicherheiten behaftet seien. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) bestreitet ohnehin, dass es einen Mangel an Öl auf den Weltmärkten gibt. Der Anstieg der Preise gehe zu 75 Prozent auf Spekulation zurück, sagte Opec-Generalsekretär Abdallah Salem El-Badri vorige Woche auf der Welterdöl-Konferenz in Madrid.
Deshalb sei eine stärkere Regulierung der Märkte erforderlich, fordert die Opec. Das sieht die Internationale Energieagentur (IEA) anders. Ihrer Ansicht nach werden die Spekulanten leicht zum politischen Sündenbock gemacht. Dabei hätten Spekulationen im Gegensatz zur Nachfrage nur einen kurzfristigen Einfluss auf Preisbewegungen. Auch die G8 waren sich in Japan uneins über die Bedeutung der Spekulation. In einem indirekten Hinweis fordern sie zumindest mehr Transparenz, die zu besser funktionierenden Märkten führen und zu einem Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage von Öl führen werde.
Förderung «am Anschlag»Die IEA sieht als Hauptgrund für den Preisanstieg, dass das Angebot nicht im erhofften Maße steige. Beziehungsweise, dass die Nachfrage zu stark steigt. Denn Skeptiker bezweifeln, dass man die Förderung kurzfristig wie jetzt von den G8 gefordert mal eben ausweiten kann. Die Hersteller förderten schon jetzt «am Anschlag», meint etwa die Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Claudia Kemfert.
Ähnlich äußert sich der texanische Ölinvestor Boone Pickens: Eine Ausweitung sei schlicht nicht möglich. Seit längerem würden am Tag etwa 85 Millionen Barrel Öl gefördert, mehr gehe nicht, meint Pickens. Wenn sich also am Angebot nur wenig ändern lässt, rückt die Nachfrageseite in den Blick. Doch in den Ländern, die in Toyako um den G8-Tisch versammelt sind, sinkt die Nachfrage nach Öl sowieso schon auch wenn es dort natürlich noch enormes Potenzial für mehr Effizienz gibt.
Aber vor allem in den Schwellenländern steigt der Ölverbrauch weiter. China und Indien sind indes erst am Mittwoch Mittag beim «Working Lunch» in Tokayo dabei. Es bleibt abzuwarten, ob der Ölverbrauch dann noch mal aufs Tapet kommt. Für heute gilt im Gipfelhotel «Windsor» erst einmal: Gut, dass wir drüber gesprochen haben.