Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

Einfuhrstopp aufgehoben: 

EU öffnet Markt für gechlorte US-Hähnchen

15. Mai 2008 12:52
Untersuchung von Hähnchenbrustfilets
Bild vergrößern
Die EU-Kommission will mit Chlor behandelte Masthähnchen aus den USA wieder in den Binnenmarkt lassen. Dabei geht es weniger um die gesundheitliche Unbedenklichkeit als um handfeste Handelsinteressen.

Mehr als zehn Jahre lang durften US-amerikanische Hähnchenfarmer ihre Produkte nicht in die EU einführen – aus Angst vor Gesundheitsgefährdung, weil die Landwirte in den USA das Hühnerfleisch mit Chlorwasser gegen gefährliche Keime desinfizieren. Jetzt soll das EU-Embargo fallen. Die Europäische Kommission will den Regierungen der EU eine Aufhebung des Einfuhrverbots vorschlagen, wie der Industriekommissar Günter Verheugen in Brüssel mitteilte.

Der Grund: Chlorbehandelte Masthähnchen gelten nicht länger als gesundheitsgefährdend. Nach einem neuen wissenschaftlichen Gutachten sei die in Europa verpönte Desinfektionsmethode «unbedenklich», erläuterte Verheugen. Wie die «Tageszeitung» berichtet, kam die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) zum Ergebnis, dass kein Gift in Hühner gelange, wenn sie mit Chlorverbindungen besprüht wurden.

Drohender Handelskrieg

Nach Angaben der US-Regierung entgehen wegen des Embargos den amerikanischen Hähnchenzüchtern pro Jahr Einnahmen von 180 Millionen Dollar. Das ist zwar nicht viel angesichts eines Handels zwischen USA und EU in einem Gesamtvolumen von mehr als 900 Milliarden Dollar. Doch für die Amerikaner ist das Ende des Importverbots eine entscheidende Voraussetzung dafür, dass die angestrebte transatlantische Freihandelszone vorankommt. Dafür war im vergangenen Jahr der Transatlantische Wirtschaftsrat gegründet worden.

Deshalb geht es beim Geflügelembargo weniger um die Hähnchen oder Gesundheitsgefahren als um einen drohenden Handelskrieg. Die «taz» schreibt, komme die EU den Vereinigten Staaten bei den Hühnchen entgegen, würden sich diese auch den EU-Wünschen gegenüber aufgeschlossener zeigen. Die Europäer wollen Elektronikgeräte ungehindert in den USA verkaufen können, die Gegenseite will den europäischen Markt weiter für amerikanische Kosmetikhersteller öffnen.

Landwirte contra Wirtschaftsrat

Die deutschen Landwirte wehren sich indes gegen das geplante Ende des Geflügelembargos. Zusammen mit der Verbraucherzentrale forderten der Deutsche Bauernverband und der Zentralverband der Geflügelwirtschaft in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel, am Einfuhrverbot festzuhalten. «Dem Grundsatz des vorbeugenden Verbraucherschutzes sollte höchste Priorität beigemessen werden», zitierte die «taz» aus dem Schreiben.

Doch ob Deutschland dem Ansinnen der EU-Kommission widersprechen wird, ist zweifelhaft. «Merkel wird den Transatlantischen Rat nicht von Hühnerschenkeln kapern lassen», zitierte die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» einen Berliner Insider. Die Kanzlerin hatte das Gremium zusammen mit US-Präsident George W. Bush im April 2007 ins Leben gerufen, als sie EU-Ratspräsidentin war. Ziel es ist, Handelshemmnisse zu reduzieren.

Beide Seiten streben langfristig den so genannten Transatlantischen Wirtschaftsraum nach Vorbild des EU-Binnenmarktes an. In dem gemeinsamen Binnenmarkt sollen unter anderem Zölle und Steuern abgebaut und Testverfahren für die Sicherheit von Produkten wechselseitig anerkannt werden.

 
DruckenVersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
 
Wirtschaftssysteme rund um den Globus: 
Die Varianten des Kapitalismus
Erwartungen an den Weltfinanzgipfel: 
Große Runde, kleiner gemeinsamer Nenner
Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
Aus anderen Ressorts
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.