Globale Nahrungsmittelkrise: Thailand strebt Gründung eines Reis-Kartells an02. Mai 2008 12:07  |  Reisbauer auf dem Feld | Foto: dpa |
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Thailand will seine Macht als wichtigster Reis-Exporteur stärken: Die Regierung plant ein Kartell für das Nahrungsmittel nach dem Vorbild der Opec. In armen Ländern wie den Philippinen geht deshalb die Angst um, berichtet Matthias Breitinger.
Nur vier Buchstaben, und fast jeder weiß, worum es geht: Opec. Die größten Ölförderländer, ein Kartell, das die Preise festlegt. Was nicht ganz stimmt, denn der Preis für Opec-Öl entspricht zumeist nicht dem Ölpreis, der in den Medien üblicherweise genannt wird: der für ein Barrel US-Leichtöl der Sorte West Texas Intermediate.
Nun sollen fast vier identische Buchstaben und damit ein weiteres Kartell auf die Weltbühne kommen – und sie signalisieren, wie wichtig ein anderer Rohstoff neben Öl geworden ist. Orec, die Organization of Rice Exporting Countries, soll das Konglomerat heißen – eine Gruppe der größten Reisexport-Staaten, die versuchen, Einfluss auf den globalen Reismarkt zu nehmen.Die Idee geht in Thailand schon seit mehreren Jahren um, doch angesichts der kräftig gestiegenen Reispreise in den vergangenen Wochen ist sie nun wieder auf die Agenda von Thailands Premierminister Samak Sundaravej gekommen. Seine Regierung wolle versuchen, zusammen mit Vietnam, Kambodscha, Myanmar – dem früheren Birma – und Laos ein solches Kartell aufzubauen, kündigte Samak in dieser Woche in Bangkok an. Thailand ist der weltgrößte Reisexporteur mit rund zehn Millionen Tonnen jährlich, Vietnam folgt auf Platz zwei mit etwa der Hälfte dieser Menge. Thai-Reis ist schon heute die Referenzgröße beim Weltmarktpreis, und der ist zuletzt nach oben geschossen. 1000 Dollar kostet inzwischen eine Tonne, fast doppelt so viel wie noch zu Jahresbeginn.
Ohne Thailand geht schon jetzt nichts Die Planungen für eine Orec sind noch im Anfangsstadium, wie asiatische Medien berichten. Unklar ist allerdings, welche Rolle ein solches Kartell spielen solle und würde. Samak betonte laut der Zeitung «The Nation», man habe nicht vor, wie die Opec zu werden, sondern wolle lediglich eine Gruppe von fünf Ländern bilden, die sich im Reishandel auf dem Weltmarkt gegenseitig helfen – etwa bei der Steigerung der Produktivität.
Angesichts der schieren Liefermenge hat Thailand schon jetzt, auch ohne Orec, eine starke Macht auf dem weltweiten Reismarkt. Zusammen mit Vietnam macht Thailand die Hälfte des globalen Welthandels mit dem Nahrungsmittel aus. Dagegen exportieren zwei der genannten Länder – Kambodscha und Laos – keinen Reis, sie produzieren gerade so viel, dass es für die Einheimischen reicht. Auch Birma führt im Vergleich zu Vietnam und Thailand nur sehr wenig Reis aus.
Thailands Premier ist vor allem daran gelegen, die einheimischen Reisbauern zu stützen – die sich über die kräftig gestiegenen Preise bereits freuen. Thai-Reis wird in diesem Jahr auf dem Weltmarkt noch wichtiger werden als ohnehin schon, denn andere Exportländer wie Indien, Vietnam oder Brasilien haben angesichts der momentanen Lebensmittelkrise beschlossen, ihre Ausfuhren zu begrenzen, um die heimische Lieferung sicherstellen zu können. Daher gehen Experten davon aus, dass in diesem Jahr rund 45 Prozent der weltweiten Reisexporte aus Thailand kommen werden gegenüber 31 Prozent im Vorjahr. Allein in den ersten vier Monaten dieses Jahres stieg die aus Thailand exportierte Reismenge um mehr als ein Drittel.
Pläne umstritten
Sollte das geplante Kartell aber wirklich mit Erfolg Einfluss auf den Export und die Höhe der Reispreise nehmen, hätte das weitreichende Folgen für Reisimportländer wie China, Singapur oder die Philippinen und würde die dramatische Lage für viele Arme in Asien verschlimmern. Entsprechend groß sind die Sorgen vor allem auf den Philippinen, wo aus Angst vor möglichen Engpässen die Ankündigung aus Bangkok zum Titelthema der Tageszeitungen wurde. Der Inselstaat arbeitet derzeit daran, seine eigene Reisproduktion zu steigern, um unabhängiger vom Export zu werden. Ziel ist die Selbstversorgung bis 2010.Die Orec ist allerdings auch in den möglichen Mitgliedstaaten umstritten. Ein vietnamesischer Regierungsvertreter widersprach der Darstellung von Thailands Premier, dass sich die fünf genannten Länder schon «im Grunde» einig über die Bildung des Kartells seien. Auch in Thailand selbst erhält Samak Gegenwind: Der dortige Verband der Reisexporteure hält eine Orec für unpraktisch – es sei unmöglich, Reispreise festzulegen. Ein Agrarökonom in Vietnams Hauptstadt Ho Chi Minh Stadt sagte derweil, die Gründung einer Orec sei schwierig, weil die Interessen der genannten Länder auseinanderliefen.
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