27. Feb 2008 13:56
Die deutsche Pflegeheim-Landschaft ist viel zu intransparent, findet der Chef der Marseille-Kliniken. Die Prüfung durch den Medizinischen Dienst sei zu kurz gegriffen, kritisiert Hölzer in der Netzeitung.
Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) müsse Pflegeeinrichtungen öfter kontrollieren – vor allem überwiegend unangemeldet, forderte Hölzer. Das reiche allerdings noch nicht aus, sagte er der Netzeitung. «Die Prüfbesuche des MDK sind nur Stichproben. Das ist wie beim Auto: Da prüft der TÜV alle zwei Jahre, ob der Wagen verkehrstauglich ist – aber was ist mit der Zeit dazwischen?»Deshalb müsse es intern permanente Qualitätskontrollen geben, die die Prüfungen durch den MDK ergänzen. Die Ergebnisse müssten dann aber auch veröffentlicht werden, meinte Hölzer: Er verlangt eine gesetzliche Verpflichtung für Pflegeheime, Qualitätsberichte zu erstellen. «Für Kliniken und Reha-Einrichtungen gibt es eine solche Pflicht», sagte der Marseille-Chef. «Ich sehe keinen Grund, warum man das nicht auf den Pflegebereich übertragen könnte. Hier ist der Gesetzgeber gefragt.»
Kailuweit rechnete vor, dass durch bessere Pflege bundesweit jährlich ein «guter dreistelliger Millionenbetrag» eingespart werden könnte. Wenn aufgrund mangelnder Pflege ein Pflegebedürftiger aus einer stationären Einrichtung zur Behandlung ins Krankenhaus überführt werden muss, führe dies neben dem persönlichen Leid zu vermeidbaren Mehrausgaben der Krankenkasse. Kailuweit zitierte einen jüngst veröffentlichten Bericht des MDK, wonach rund jeder zehnte Bewohner in einem deutschen Pflegeheim erhebliche Mängel erdulden müsse.Im Qualitätsbericht der Marseille-Kliniken sind 54 Pflegeeinrichtungen des Konzerns aufgelistet und bewertet. Der Bericht ist vom Konzern selbst erstellt worden, um der eigenen Forderung nach einem «Pflege-TÜV» nachzukommen. Die Ergebnisse basieren auf anonymen Angehörigenbefragungen sowie interne Prüfverfahren. Die Angehörigen stuften die Einrichtungen nach dem Schulnotensystem zwischen 1,6 und 2,7 ein, die internen Audits ergaben Noten von 1,0 bis 3,4.
Besonders gut fielen demnach die Noten bei der Bewertung des Personals, deren Kooperation mit den Angehörigen sowie Service und Verpflegung aus. Schlechter beurteilten die Angehörigen dagegen aktivierende Angebote oder die ärztliche Versorgung der Bewohner. Insgesamt verfügt das Unternehmen über rund 9000 Pflege-Betten in 66 Einrichtungen mit etwa 5200 Mitarbeitern.