netzeitung.deSanktionen für schlechte Pflege gefordert

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Altenpflege in Deutschland verbesserungswürdig (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Altenpflege in Deutschland verbesserungswürdig
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Nach der Veröffentlichung des MDS-Pflegeberichts geht die Debatte um eine Verbesserung der Pflege weiter. Die SPD-Politikerin Ferner will, dass schlechte Pflege Konsequenzen hat.

Angesichts der weiter bestehenden Missstände bei der Pflege älterer und kranker Menschen hat die stellvertretende SPD-Vorsitzende Elke Ferner Sanktionen für die schwarzen Schafe der Branche gefordert. Man müsse einzelne Einrichtungen, die eine schlechte Pflegequalität anböten, beim Namen nennen, sage die Sozialpolitikerin der «Frankfurter Rundschau». «Wenn keine Abhilfe geschaffen wird, muss das auch Konsequenzen haben.»

Prof. Jürgen Wasem von der Uni Duisburg/Essen forderte mehr Geld für die Pflege. «Die Minutenzählerei in der Pflege wird nur dann aufhören, wenn deutlich mehr Mittel zur Verfügung stehen», sagte der Inhaber des Lehrstuhles für Medizinmanagement der in Hannover erscheinenden «Neuen Presse». Die Pflegereform werde keine deutlichen Qualitätsverbesserungen bringen. «Dafür hätte man mehr Geld in die Hand nehmen müssen.»

Pflege teurer geworden
Für die Versorgung Pflegebedürftiger in Heimen müssen heute monatlich rund 300 Euro mehr ausgegeben werden als noch 1998. Das berichtet die «Bild»-Zeitung unter Berufung auf Berechnungen des Verbandes der Angestelltenkrankenkassen (VdAK). Danach betrugen die Kosten für einen Pflegeplatz im Jahr 1998 für die Pflegestufe I im Bundesdurchschnitt 1589,76 Euro (Pflegestufe II 1952,10 Euro, Pflegestufe III 2389,34 Euro). Dieses Jahr kostet der Platz in der Pflegestufe I dagegen 1890,60 Euro (II: 2264,46 Euro, III: 2660,84 Euro). Die Pflegesätze wurden aber nicht angehoben.

Der am Freitag in Berlin vorgelegte Pflegebericht des Medizinischen Dienstes der Spitzenverbände der Krankenkassen (MDS) belegt, dass es trotz Verbesserungen noch immer viele Missstände gibt.

Mangel bei Ernährung
Die Prüfer des MDS stellten bei jedem zehnten Heimbewohner und bei 5,7 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause einen «akut unzureichenden Pflegezustand» fest. Im ersten, 2004 vorgelegten Bericht, war dies noch bei 17,4 Prozent der Heimbewohner und bei 8,8 der Pflegebedürftigen zu Hause der Fall.

Der Bericht weist nach wie vor Mängel bei der Ernährung und Flüssigkeitsversorgung der Pflegebedürftigen aus. Bei etwa jedem dritten Fall (Heime: 34,4 Prozent; ambulante Pflege: 29,6 Prozent) stellten die Prüfer Defizite fest. Sie kritisierten etwa unzureichende Gewichtskontrollen oder eine fehlende Ermittlung des Energiebedarfs der Bewohner. Dies bedeute aber nicht unbedingt, dass die Betroffenen jeweils unterversorgt oder mangelhaft ernährt seien, hieß es.

Zu selten umgebettet
Mehr als 35 Prozent der Heimbewohner und etwa 42 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause werden dem Bericht zufolge nicht häufig genug umgebettet. Dies lasse wiederum keine Rückschlüsse darauf zu, ob bei den Betroffenen schon akute Gesundheitsprobleme wie Wundliegen (Dekubitus) aufgetreten seien, wurde betont.

Die Medizinischen Dienste der Krankenkassen hatten die Pflegeleistung von rund 8.000 Heimen und Pflegediensten sowie den gesundheitlichen Zustand von rund 40.000 Pflegebedürftigen begutachtet. Gemessen am ersten MDS-Bericht zur Pflegequalität von 2004 hat sich die Qualität der Pflege insgesamt verbessert. Vor drei Jahren litten 17,4 Prozent der Heimbewohner und 8,8 Prozent der ambulant versorgten Alten unter den Folgen von Pflegemängeln.(epd/dpa)