Gesundheits-Checks retten Leben
17. Okt 2007 10:33
 |  In einer Arztpraxis | Foto: dpa |
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Nicht einmal jeder zweite Deutsche nutzt die kostenlose Vorsorge-Untersuchungen. Dabei ließen sich etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen frühzeitig und damit gut behandeln.
Zum Arzt gehen, wenn man gar nicht krank ist? Das fällt vielen schwer. Dabei hat jeder Krankenversicherte ein Recht auf kostenlose Vorsorgeuntersuchungen. «Nur rund 40 Prozent aller Deutschen nehmen diese in Anspruch», sagt Wolfgang Schuldzinski, Gesundheitsexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Manch einer weiß nicht, was ihm zusteht. Viele fürchten, dass eine Praxisgebühr oder andere Kosten fällig werden.Dabei können die Untersuchungen Leben retten. Viele Kassen belohnen Vorsorgewillige noch dazu mit Bonuspunkten oder Sachprämien. «Die Vorsorgeuntersuchungen konzentrieren sich auf Krankheiten, die gut zu behandeln sind, wenn sie früh erkannt werden. Hierzu zählen die häufigsten Todesursachen, nämlich Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Tumore», erklärt Herbert Schuster, wissenschaftlicher Beirat im Infozentrum für Prävention und Früherkennung in Frankfurt/Main.
Der Katalog der Vorsorgeuntersuchungen, welche die gesetzlichen Krankenkassen tragen, ist auf den Internetseiten des Bundesgesundheitsministeriums zu finden. «Anders als etwa bei Reiseimpfungen unterscheiden sich die Leistungen der einzelnen Kassen bei den Vorsorgeuntersuchungen nicht», sagt Verbraucherberater Schuldzinski. «Bei den privaten Versicherungen hingegen lohnt sich der Vergleich.»
Check-up ohne Praxisgebühr
Zu den Kassenleistungen gehören zunächst Check-ups für Männer und Frauen über 35 Jahre, die alle zwei Jahre durchgeführt werden sollten. Sie dienen der Früherkennung von Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen, sowie Diabetes mellitus. Hinzu kommen Krebsfrüherkennungsmaßnahmen wie zum Beispiel jährliche Prostata-Untersuchungen für Männer ab 45 Jahren, jährliche Genitaluntersuchungen für Frauen ab 20 Jahren und jährliche Dickdarm- und Rektumuntersuchungen für Frauen und Männer ab 50 Jahren. Für Kinder und Schwangere gibt es zusätzliche Empfehlungen.
«Die Grundlage für jede Früherkennungsuntersuchung ist die Erhebung von Patientendaten und Familienanamnese», erläutert Diethard Sturm, Vorsitzender des Instituts für hausärztliche Fortbildung (IhF) im Deutschen Hausärzteverband in Köln. Für die anschließenden körperlichen Untersuchungen und Blutproben gibt es einschlägige Richtlinien. Auch die Mitteilung und Einordnung der erhobenen Befunde und die Beratung des Patienten gehören zur Vorsorge dazu.Diese mehrstufigen Leistungen kann jeder Patient kostenlos und ohne Zahlung einer Praxisgebühr nutzen. Diese wird erst fällig, wenn aufgrund des Befundes weitere Diagnostik oder Therapien notwendig sind oder auch nur ein Rezept ausgestellt wird. «Viele Patienten wissen nicht, dass die Kassen im Verdachtsfall, zum Beispiel bei einem auffälligen Befund, weitere Vorsorgeuntersuchungen übernehmen», sagt Schuldzinski. Schlägt der behandelnde Arzt diese vor, sollte der Patient zunächst die Kostenübernahme bei seiner Kasse klären. Bereits privat gezahlte Beträge erstatten die Kassen in der Regel nicht.
Zusatzleistungen müssen selbst bezahlt werden
Auch ohne Verdachtsmomente bieten viele Ärzte zusätzliche Extras wie Glaukomuntersuchungen oder Haut-Screening, Ultraschalluntersuchung des kleinen Beckens durch die Scheide oder bei Männern PSA-Tests an. Diese sogenannten IGel-Leistungen (individuelle Gesundheitsleistungen) müssen Patienten aus eigener Tasche zahlen.
Wer zur Vorsorge geht, möchte so gut wie möglich vorsorgen. Nur: Wie soll der Laie beurteilen, welche Extra-Untersuchung sinnvoll für ihn ist? «Letztendlich muss sich der Patient auf seinen Arzt verlassen, weil er selbst medizinisch nicht kompetent genug ist», sagt Hans-Michael Mühlenfeld, Vorsitzender des Hausärzteverbandes Bremen. «Die Gefahr ist allerdings, dass das Vertrauensverhältnis dadurch instabil wird, dass eine Geschäftsbeziehung entsteht.»Der Patient sollte also versuchen zu ergründen, ob das Verkaufsinteresse oder die medizinische Notwendigkeit den Ratschlag des Arztes bestimmen: Welchen Sinn hat die empfohlene, kostenpflichtige Untersuchung? Ist sie wissenschaftlich gesichert? Wie genau und sicher ist ihr Ergebnis? Was kostet sie?
Sich informieren tut Not
Auf keinen Fall sollte sich ein Patient direkt in der Praxis zu einer kostenpflichtigen Leistung entschließen, sondern zunächst weitere Informationsmöglichkeiten nutzen, zum Beispiel das Internet. «Immer mehr Fachgesellschaften richten Seiten für die Öffentlichkeit ein», sagt Schuster. Dort sind fachlich fundierte, auch für Laien verständlich formulierte Informationen zu finden.Eine gute Orientierungshilfe sind auch Publikationen von Verbraucherschutzorganisationen wie der Stiftung Warentest. Daneben bieten Krankenkassen Infotelefone an, an denen nicht die Sachbearbeiter der Leistungsabteilung, sondern Mediziner Auskunft geben. Auch der Medizinische Dienst der Spitzenverbände der Krankenkassen (MDS) erstellt Bewertungen medizinischer Untersuchungs- und Behandlungsverfahren. Zuletzt bleibt noch die Möglichkeit, eine medizinische Zweitmeinung einzuholen. (Von Eva Neumann, dpa)