Kassenbeiträge steigen zum Teil massiv21. Dez 2006 12:42, ergänzt 16:34  |  Versichertenkarten von Krankenkassen | Foto: dpa |
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Kaum eine Krankenkasse kommt zum Jahreswechsel um eine Erhöhung des Beitragssatzes herum. Die Anhebungen liegen zum Teil drastisch über den im Sommer von der Regierung zugesagten 0,5 Prozentpunkten.
Auf die Gesetzlich Krankenversicherten kommen zum Jahreswechsel teils deutlich höhere Beitragserhöhungen zu als noch im Sommer von der Bundesregierung angekündigt. Im AOK-System belaufen sich die bereits beschlossenen Erhöhungen im Schnitt auf knapp 0,9 Prozentpunkte – die Regierung war von schlimmstenfalls 0,5 Punkten Erhöhung ausgegangen.Bei einem Einkommen von 2500 Euro brutto machen 0,9 Prozentpunkte eine zusätzliche Belastung von 22,50 Euro im Monat aus, die sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen. Besonders drastische Anhebungen beschlossen die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) in Rheinland-Pfalz, wo ab Jahresbeginn 15,5 Prozent des Bruttolohns fällig werden, 1,6 Punkte mehr als jetzt. Hinzu kommen noch 0,9 Prozentpunkte Sonderbeitrag, der seit Sommer 2005 existiert und den nur die Arbeitnehmer leisten. Bei einem Beitragssatz von 15,5 Prozent zahlt er also 7,75 Prozent zuzüglich 0,9 Prozent, also 8,65 Prozent seines Bruttolohns.
Saarland mit höchstem Satz In Brandenburg und in Sachsen-Anhalt wird der Satz um 1,3 Punkte angehoben. Er liegt dann in Brandenburg bei 14,9 Prozent, in Sachsen-Anhalt bei 14,8 Prozent. Die AOK Saarland erhöht den Satz um 1,2 Prozent auf 15,8 Prozent. Auch in Bremen/Bremerhaven und in Westfalen-Lippe liegen die Erhöhungen mit plus 0,7 und plus 0,8 Prozentpunkten über der im Sommer in Aussicht gestellten Anhebung.Als bisher letzte AOK kündigte die in Hessen ansässige Ortskrankenkasse am Donnerstagnachmittag die Anhebung des Satzes um 0,5 Punkte auf 14,9 Prozent an. «Mit unserer Erhöhung (...) liegen wir deutlich unter dem, was unsere Mitbewerber angekündigt haben», sagte ein Sprecher. Dies sei auch deshalb möglich, weil die AOK Hessen keine Schulden habe.
Auch DAK und Barmer heben Sätze an Auch andere Gesetzliche Kassen haben Erhöhungen zum Jahresanfang beschlossen. So steigt der Satz der Techniker Krankenkasse zum Januar um 0,3 Punkte auf 13,5 Prozent. Die KKH erhöht ihren Satz um 0,7 Punkte auf 13,9 Prozent. Ebenso hoch ist die Anhebung der zweitgrößten deutschen Krankenkasse DAK, die künftig einen Satz von 14,5 Prozent berechnet. Die Barmer Ersatzkasse - die größte gesetzliche Krankenkasse in Deutschland - erhöht den Satz zum 1. Januar um 0,6 Punkte auf 14,4 Prozent.Nach Angaben des Bundesversicherungsamts wollen zum 1. Januar insgesamt 91 Kassen ihren Beitragssatz erhöhen, in 32 Fällen hat die Behörde bereits eine Genehmigung ausgesprochen. Wie die Spitzenverbände der Gesetzlichen Krankenkassen mitteilten, soll der durchschnittliche Beitragssatz in der GKV um 0,7 Punkte auf im Schnitt 15,0 Prozent steigen. Die Kassen begründen die höheren Sätze mit der Kürzung von Bundesmitteln für die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) sowie mit der Mehrwertsteuer-Erhöhung zum 1. Januar.
Ministerium will «genau prüfen» Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) kritisierte die geplanten Anhebungen. Auf Bundsebene werde das zuständige Bundesversicherungsamt «sehr genau überprüfen», wofür die Beiträge angehoben werden, kündigte Schmidt an. Sie hoffe, «dass die Landesregierungen ähnlich verfahren». Die Kassen müssten darlegen, welcher Anteil der Beitragssteigerungen auf die Kürzung der Bundeszuschüsse, auf die höhere Mehrwertsteuer oder auf den Schuldenabbau zurückzuführen sei.Die Kassen müssen im Zuge der geplanten Gesundheitsreform ihre Schulden komplett abbauen. Sie sollen dann schuldenfrei in das neue System des Gesundheitsfonds einsteigen. Schmidt warnte die Kassen vor überzogenen Anhebungen: Ihre finanzielle Lage habe sich in den vergangenen Monaten durch Mehreinnahmen und Preissenkungen bei Arzneimitteln verbessert. Zudem sei der geplante Entschuldungszeitraum auf zwei Jahre gestreckt worden.
Sonderkündigungsrecht bei Erhöhung Versicherte müssen der Erhöhung allerdings nicht tatenlos zusehen. Sie erhalten bei einer Anhebung ein Sonderkündigungsrecht, das ihnen den Kassenwechsel binnen zwei Monaten einräumt. Eine klare Grenzlinie zwischen teuer und günstig lässt sich laut Verbraucherschützern zwar nicht ziehen, aber ein Satz von über 15 Prozent sei «schon sehr teuer», sagte die Kassen-Expertin Daniela Hubloher von der Verbraucherzentrale Hessen in Frankfurt.Nur auf die Prozentzahl sollten Verbraucher aber nicht schauen, raten Fachleute. «Sie müssen die Leistungskataloge der Kassen vergleichen», sagte Wolfgang Candidus von der Deutschen Gesellschaft für Versicherte und Patienten im hessischen Heppenheim. Wichtig sei das vor allem für chronisch Kranke und andere, die viele Leistungen in Anspruch nehmen. (nz)
| Beitragserhöhungen großer Krankenkassen (Stand: 21.12.2006) | | Veränderung in Prozentpunkten | Neuer Satz ab 1.1.07; zzgl. Sonderbeitrag von 0,9 Punkten nur für Arbeitnehmer | | AOK Bayern | + 0,9 | 14,5 | | AOK Brandenburg | + 1,3 | 14,9 | | AOK Bremen/Bremerhaven | + 0,7 | 14,3 |
| AOK Hessen | + 0,5 | 14,9 | | AOK Niedersachsen | + 0,6 | 14,1 | | AOK Rheinland/Hamburg | + 0,9 | 14,3 | | AOK Rheinland-Pfalz | + 1,6 | 15,5 | | AOK Saarland | + 1,2 | 15,8 | | AOK Sachsen-Anhalt | + 1,3 | 14,8 | | AOK Thüringen | +/- 0 | 13,6 | | AOK Westfalen-Lippe | + 0,8 | 13,8 | | Techniker Krankenkasse | + 0,3 | 13,5 | | KKH | + 0,7 | 13,9 | | Barmer Ersatzkasse | + 0,6 | 14,4 | | Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) | + 0,7 | 14,5 |
| Quelle: Eigene Angaben der Kassen; weitere Kassen folgen noch. |
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