netzeitung.deStammzellen sollen Versuchstiere ersetzen

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Gentechnisch veränderte Mäuse-Stammzellen (Foto: TÜV Rheinland<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Gentechnisch veränderte Mäuse-Stammzellen
Foto: TÜV Rheinland
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Ein neuer Test für Chemikalien soll Tierversuche überflüssig machen. Die Methode könnte der Chemieindustrie Einsparungen in Millionenhöhe ermöglichen.

Am heutigen Dienstag hat die TÜV Rheinland Group in Düsseldorf ein Verfahren vorgestellt, mit dem überprüft werden kann, ob ein Stoff Zellen schädigt oder negativ auf die Entwicklung eines Embryos wirkt. Die Technologie beschleunigt die Analyse um ein Vielfaches. Statt nach rund acht Monaten liege das Ergebnis schon nach 21 Tagen vor.

Entwickelt wurde das Verfahren von dem Kölner Biotechnologie-Unternehmen Axiogenesis. Es werden Stammzellen von Mäusen eingesetzt, deren Entwicklung zu Herzmuskelzellen beobachtet wird. In das Erbgut der Zellen wurden Gene einer Tiefseequalle eingeschleust. Zellen, die aus den gentechnisch veränderten Stammzellen entstehen, erzeugen ein fluoreszierendes Protein, dass sie wie die Tiefseequalle grün leuchten lässt.

Mithilfe des fluoreszierenden Proteins wird überwacht, wie sich die Stammzellen unter dem Einfluss von Chemikalien zu Herzmuskulatur entwickeln. Die Funktion des Herzgewebes bewerten die Wissenschaftler anhand des gebildeten Quallen-Proteins. Versuche mit verschiedensten Soffen belegten, dass R.E.Tox mindestens die gleiche Aussagekraft über mögliche toxische Wirkungen auf ungeborenes menschliches Leben besitzt wie Tierversuche an Mäusen, Kaninchen, Ratten oder Meerschweinchen, teilte die TÜV Rheinland Group mit.

Zudem sei es in Tierversuchen schwierig zu beurteilen, ob eine Substanz bei einem Tier die Entwicklung beeinträchtigt hat oder ob es sich bei einer Fehlbildung um eine natürliche Mutation handelt. Daher müssten die Chemikalien bislang an 150 bis 300 Tieren getestet werden. Die Kosten dafür betragen mindestens 300.000 Euro. Mit R.E.Tox seien der europäischen Chemieindustrie Einsparungen in einer Größenordnung von 300 bis 600 Millionen Euro möglich.

«Das neue Verfahren verbessert die Sicherheit von Mensch und Umwelt und verhindert Tierversuche», sagt Bruno Braun, der Vorstandsvorsitzende der TÜV Rheinland Group. Das Europäische Validierungszentrum für Alternativmethoden (ECVAM) bestätigte, dass es zuverlässige Ergebnisse liefert. Die Entwickler fordern nun, dass sich die zuständigen Bundesbehörden für die Aufnahme des Verfahrens in die EU-Chemikalienrichtlinie «Reach» einsetzen. (nz)