Erbliches Doping für Spermienzellen
17.08.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Doch sind der Wissenschaft Ausnahmen von der Gleichmäßigkeits-Regel bekannt. Das Erbgut von Mäusen etwa enthält einen so genannten t-Komplex. Das ist ein Teil eines Chromosoms, der verschiedene Gene mit bislang unbekannter Funktion enthält. Etwa eine von fünf wild lebenden Mäusen trägt eine normale und eine mutierte, veränderte Variante dieses Gen-Komplexes. Diese wird von männlichen Tieren nicht mit einer Wahrscheinlichkeit von 50, sondern 99 Prozent an die Nachkommen vererbt.
In der aktuellen Ausgabe des Magazins «Nature Genetics» beschreiben die Wissenschaftler, warum der veränderte Gen-Komplex häufiger vererbt wird als die «Originalversion». Die mutierte Form enthält ein so genanntes Responder-Gen, dessen Aktivität die Spermien wieder beweglich macht. In den Keimzellen mit der normalen Variante fehlt der Responder, sie bleiben lahm und verlieren das Rennen um die Befruchtung.
Herrmann und seine Kollegen wollen jetzt auch die anderen Distorter-Gene isolieren. Sollte dies gelingen, könnten Responder und Distorter möglicherweise in der Tierzucht eingesetzt werden. Responder und Distorter könnten auf die Geschlechtschromosomen von landwirtschaftlichen Nutztieren übertragen werden. Dadurch könnte es möglich werden, das Geschlecht der Nachkommen etwa von Rindern und Schweinen im Voraus zu bestimmen. (nz)

