09.12.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Das Tier, dessen Erbgut entschlüsselt wurde: Bankivahuhn Nr. 256
Foto: Michigan State Univerity
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Das Huhn ist das erste Nutztier, dessen Erbinformation vollständig offengelegt wurde. Neben der Landwirtschaft könnte davon auch die Humanmedizin profitieren.
Ein internationales Forscherkonsortium hat das Huhngenom entschlüsselt. Eine erste Version lag bereits im März dieses Jahres vor. Jetzt haben die Wissenschaftler die vollständige Sequenz veröffentlicht.
Mensch und HuhnDie nach der Nummer auf ihrer Flügelbinde benannte Henne «Nr. 256» der
Michigan State University ist ein Bankivahuhn. Von dieser asiatischen Art mit der wissenschaftlichen Bezeichnung
Gallus gallus stammen alle Haushühner ab. Daher wurde sie für das Projekt ausgewählt. Nr. 256 stammt aus einer Inzuchtlinie. Da darin untereinander verwandte Tiere verpaart wurden, ist das Genom von Nr. 256 einheitlicher ausgeprägt als das von andern Vertretern der Art, teilte die Universität mit. Eine Henne wurde für die Sequenzierung ausgewählt, weil sie über ein Geschlechtschromosom verfügt, das Hähnen fehlt.
Die Forscher des International Chicken Sequencing Consortium beschreiben die gewonnene genetische Information in drei Artikeln in der aktuellen Ausgabe des Magazins «Nature». Das Huhngenom besteht aus rund einer Milliarde Basenpaaren, und ist damit nur etwa ein Drittel so groß wie das des Menschen. Es enthält nach Schätzungen jedoch 20.000 bis 23.000 Gene, was dem Menschen mit geschätzten 20.000 bis 25.000 Genen etwa gleich kommt.
«Die Untersuchung zeigt, dass Mensch und Huhn mehr als die Hälfte ihrer Gene gemeinsam haben», wird Jerry Dodgson in der Mitteilung zitiert, der die Sequenzierung mit koordinierte. Der letzte gemeinsame Vorfahr von Mensch und Huhn wahrscheinlich ein primitives Reptil lebte vor rund 310 Millionen Jahren. Ihre gemeinsamen Gene haben eine ebenso lange Zeit getrennter Entwicklung überdauert.
Der Vergleich mit dem Huhngenom kann Forschern helfen, diese genetische Grundausstattung im Humangenom zu identifizieren. Im Huhngenom könnten Vogel-spezifische Gene ausfindig gemacht werden, die etwa für die Landwirtschaft von Bedeutung sind. Das Wissen über diese Gene könnte zur Zucht produktiveren und widerstandsfähigeren Geflügels beitragen. Einige Tiere tragen etwa Resistenzgene gegen Krankheitserreger wie das Influenza-Virus oder Bakterien, die auch den Menschen infizieren können. Ihre Analyse könnte mögliche Therapien für Mensch und Tier aufzeigen.
Henne Nr. 256 wird von diesen Einsichten voraussichtlich nicht mehr profitieren. Sie hat in Dodgsons Labor bereits das für Hühner recht hohe Alter von sieben Jahren erreicht.