netzeitung.deKillergrippe im Labor erzeugt

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Influenza-Viren (Foto: Yoshihiro Kawaoka, University of Wisconsin-Madison<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Influenza-Viren
Foto: Yoshihiro Kawaoka, University of Wisconsin-Madison
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Vom harmlosen Virus zum Auslöser einer Epidemie ist es nur ein kleiner Schritt. Forscher haben ihn jetzt nachvollzogen.

Im Jahr 1918 grassierte die so genannte Spanische Grippe. Die Zahl ihrer Opfer wird auf mindestens zwanzig Millionen Menschen geschätzt. Jetzt haben Forscher nachgewiesen, dass ein Gen des Virus für die hohe Ansteckungsgefahr verantwortlich war – und dass es auf harmlose Grippeviren übertragen werden kann.
Gefährliche Form
In der aktuellen Ausgabe des Magazins «Nature» berichten Wissenschaftler, dass ein Stamm für Mäuse ungefährlicher Influenza-Viren nach der Übertragung eines Gens deutlich schwerere Symptome bei den Versuchstieren hervorrief. Dazu gehörten – ähnlich wie bei der Spanischen Grippe – Lungeninfektionen, Entzündungen und schwere innere Blutungen.

Verantwortlich für die Gefährlichkeit des künstlich erzeugten Virus ist das Gen für Hämagglutinin. Mithilfe dieses Oberflächenmerkmals der Viren können sie menschliche Zellen erkennen, an sie binden und sie infizieren. Das Hämagglutinin der Influenza-Viren von 1918 ist aufgrund seiner Form dabei besonders effektiv, wie britische Forscher bereits Anfang dieses Jahres gezeigt haben.

Internationale Kooperation gefordert
Die Wissenschaftler um Yoshihiro Kawaoka von der US-amerikanischen University of Wisconsin-Madison gewannen das Gen für das Hämagglutinin und ein weiteres für das Protein Neuraminidase aus Proben von Lungengewebe einiger Opfer der Grippe von 1918. Beide Proteine sind an der Infektion von Zellen beteiligt. Sie sequenzierten die Gene und übertrugen Kopien gemeinsam und einzeln auf Influenza-Viren des Subtyps A.

Die Viren, die das Hämagglutinin-Gen enthielten waren weit gefährlicher für die Versuchgstiere, als die, die nur das Neuraminidase-Gen enthielten. Dies erkläre, warum die Spanische Grippe so gefährlich war, sagt Kawaoka, das Hämagglutinin sei der «Täter».

Die Erreger der Spanischen Grippe könnten entstanden sein, als Geflügelpestviren in Zellen infizierter Schweine Gene mit menschlichen Grippeviren austauschten, für die Schweine ebenfalls anfällig sind. Zu einem solchen genetischen Austausch, aus dem ein für Menschen ähnlich gefährliches Virus hervorgehen könnte, könnte es auch heute in Asien kommen, wo zahlreiche Geflügelbestände mit einem Influenza-Virus des Subtyps H5N1 infiziert sind. Diese Ausbrüche müssten in internationaler Kooperation gestoppt werden, fordert Kawaoka, um das Risiko einzudämmen.(nz)