|  |
|
Forscherverbände kritisieren Gentechnikgesetz
20. Sep 2004 09:17 «Das Ende der Grünen Gentechnik»: Wissenschafts-Organisationen beklagen forschungsfeindliche Regelungen des neuen Gentechnikgesetzes.
Ein Ende der Forschung zur Grünen Gentechnik befürchtet eine Allianz deutscher Wissenschafts-Organisationen. Die Haftungsregelungen stellten jeden Forscher vor nicht kalkulierbare Risiken.
«Falsche Prämisse»
«Ohne Freisetzungsversuche ist jedoch international konkurrenzfähige Forschung weder in den Grundlagen noch in der Anwendung möglich», heißt es in einem gemeinsamen Schreiben an den Vermittlungsausschuss im Deutschen Bundestag vom vergangenen Freitag. Der Vermittlungsausschuss wird sich am 22. September mit der Novelle des Gentechnikgesetzes befassen.Das vom Deutschen Bundestag am 18. Juni verabschiedete Gesetz geht nach Meinung von Ernst-Ludwig Winnacker von der falschen Prämisse aus, dass Gentechnik generell gefährlich sei. Alles Leben basiere auf den Genen und sei daher ohne sie und ohne ihre ständige Veränderung nicht denkbar. Verantwortungsvoller Umgang mit der Gentechnik werde seit Jahrzehnten über die existierende Gesetzgebung gesichert, sagt der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft. «Gentechnik leistet einen wichtigen Beitrag zur Ernährung der Weltbevölkerung», sagt Peter Gruss, der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft. Die Grüne Gentechnik, genetische Veränderungen von agrarwirtschaftlich bedeutender Pflanzen, gilt als eine der wichtigsten Zukunftstechnologien. Transgene Pflanzen, deren Erbgut genetische Information hinzugefügt wurde, würden heute auf weltweit etwa 57 Millionen Hektar angebaut.
«Fatale Signale»
Stichwort: Die Mitglieder der AllianzDeutsche Forschungsgemeinschaft Fraunhofer-Gesellschaft Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren Hochschulrektoren- Konferenz Leibniz-Gemeinschaft Max-Planck- Gesellschaft Wissenschaftsrat |
|
Die Allianz lehnt vor allem die vorgesehenen Haftungsregelungen des Gesetzes ab: Fliegen Pollen von gentechnisch veränderten Pflanzen auf das Feld eines Ökobauern und kann dieser seine Ernte nicht mehr als «gentechnikfrei» vermarkten, haftet der Landwirt, der das gentechnisch veränderte Saatgut angebaut hat. Lässt sich der Pollenflug nicht genau zuordnen, haften alle Bauern aus der Umgebung, die gentechnisch veränderte Pflanzen anbauen. Das gilt auch für Pflanzen genehmigter Freisetzungsversuche, die unbeabsichtigt minimale Anteile an gentechnisch verändertem Material enthalten.«Die geplanten Anforderungen für den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen bedeuten de facto das Ende von Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Grünen Gentechnik in Deutschland», teilte die Allianz in einem Schreiben an die Mitglieder des Vermittlungsausschusses mit. Ohne Freisetzungsversuche sei international konkurrenzfähige Forschung unmöglich. Die Wissenschaftsorganisationen befürchten vor diesem Hintergrund «fatale Signale für den Wirtschaftsstandort Deutschland», wenn Forscher ins Ausland abwandern oder erst gar nicht in die Bundesrepublik kommen. Das gefährde die Zukunft eines der wichtigsten Innovationszweige in Deutschland. (nz)
|
|
|


|
|  | |  | |