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Differenzen in der Familie des Menschen
27. Mai 2004 11:18

Schimpansen im
Foto: ddp
Der Schimpanse ist der nächste lebende Verwandte des Menschen. Eine Genanalyse zeigt, worin Unterschiede zwischen Mensch und Menschenaffe bestehen.
 
Die Genome des Menschen Homo sapiens und des Schimpansen Pan troglodytes sind nach Schätzungen zu annähernd 99 Prozent gleich. Jetzt haben Genetiker erstmals ein Chromosom der beiden Vertreter der Familie der Menschenartigen im Detail verglichen. Die Analyse zeigt, dass die augenscheinlich großen Unterschiede zwischen Mensch und Schimpanse eine größere Basis haben als bislang angenommen.

Fünf Prozent «Indels»

Mehr in der Netzeitung:
Forscher um Todd Taylor vom Rikken Genomic Sciences Center in Yokohama in Japan haben die Abfolge der genetischen Buchstaben des Schimpansen-Chromosoms 22 untersucht. Das Erbgut des Schimpansen ist zwar bereits fast vollständig entschlüsselt, doch die bisherige Version enthielt Lücken und Ungenauigkeiten. In der aktuellen Ausgabe des Magazins «Nature» stellen die Forscher um Taylor eine exaktere Version der Basenabfolge vor und vergleichen sie mit der des menschlichen Gegenstücks Chromosom 21.

Wie die Forscher berichten, unterscheiden sich in den sich entsprechenden Sequenzen rund 1,44 Prozent der einzelnen Basenpaare. Hier wurden im Laufe der etwa sechs Millionen andauernden getrennten Entwicklung von Mensch und Menschenaffe einzelne Basen ausgetauscht. Zudem gebe es rund 68.000 DNA-Abschnitte, die in das Erbgut nur eines Vertreters eingefügt oder daraus entfernt wurden. Diese unterschiedlichen Regionen, die als «Indels» (für engl.: «insertions and deletions») bezeichnet werden, machen etwa fünf Prozent des Chromosoms aus.

231 Genbereiche

Mehr im Internet:
Doch augenscheinlich bestehen große Gemeinsamkeiten zwischen der Gattung Homo und der Gattung Pan. Forscher hatten bislang vermutet, dass die genetischen Abweichungen zum größten Teil Erbgut-Abschnitte betreffen, die nicht an der Proteinsynthese im Organismus beteiligt sind. Dies widerlegen die Ergebnisse der aktuellen Untersuchung: In rund 83 Prozent der 231 DNA-Abschnitte, die regelmäßig abgelesen werden und der Proteinproduktion dienen, fanden die Wissenschaftler unterschiedliche Basenabfolgen.

«Wir wussten, dass wir auf dem DNA-Level Schimpansen ähneln, aber wir haben einen viel größeren Anteil von Veränderungen gefunden, als angenommen wurde», zitiert der Online-Dienst des Magazins «Nature» Taylor. Im Schimpansen-Chromosom 22 ist nur ein Hundertstel des Schimpansengenoms gebündelt. Die Unterschiede könnten insgesamt weit mehr Gene betreffen. Die entscheidenden Veränderungen zu finden, die den Menschen menschlich machten, könnte daher eine schwierigere Aufgabe sein, als Forscher zu Beginn der Untersuchungen annahmen.

Chromosomen-Satz des Schimpansen: Im Unterschied zum Menschen verfügt der Schimpanse nicht über 46, sondern über 48 Chromosomen. Die Chromosome 2 und 3 sind im menschlichen Genom fusioniert. Die beiden Chromosomen 22 wurden mit einem Fluoreszenzfarbstoff markiert.
Foto: Max-Planck-Institut für molekulare Genetik






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