Dolly-Erzeuger will Menschen klonen
21.04.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Ian Wilmut bei einem Vortrag an der TU Berlin im Jahr 2003
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Ein Forscherteam um Ian Wilmut, bekannt als Schöpfer des Klonschafs Dolly, hat eine Klongenehmigung für menschliche Embryonen angefordert.
In Großbritannien wurde erstmals ein Antrag zur Genehmigung eines therapeutischen Klonversuchs gestellt. Leiter des Wissenschaftlerteams ist Ian Wilmut, dem mit der Erzeugung des Schafs «Dolly» weltweit als erstem das Klonen eines Säugetiers gelang. Die jetzt geplante Erzeugung menschlicher Klone soll der Erforschung einer Nervenkrankheit dienen.
Moralisches ForschungsgebotDas Forscherteam um den Klonpionier vom schottischen
Roslin Institute in Edinburgh hat jetzt einen Antrag bei der zuständigen britischen Genehmigungsbehörde, der
Human Fertilisation and Embryology Authority, eingereicht, berichtet der Online-Dienst der BBC am heutigen Mittwoch. Klonversuche am Menschen zu therapeutischen Zwecken sind in Großbritannien erlaubt. Gesetzlich verboten ist das so genannte reproduktive Klonen, das der Erzeugung einer genetischen Kopie eines Menschen dienen soll. Wilmuts Team plant jedoch, den erzeugten Klonembryonen in einem frühen Stadium Zellen zu entnehmen und sie dadurch zu zerstören.
Die Forscher rechnen mit kritischen Reaktionen auf die Bekanntgabe ihres Vorhabens. Therapeutische Klonversuche sind ethisch umstritten, da die Embryonen zerstört werden. «Weil der Embryo in diesem Stadium nicht die Schlüsseleigenschaft des Menschen, das Bewusstsein hat, wäre es für mich aber unmoralisch, diese Forschungsmöglichkeit nicht zu nutzen», sagte Wilmut der BBC.
Zellentnahme aus kranken EmbryonenBei der Krankheit, die die Wissenschaftler erforschen wollen, handelt es sich um die so genannte Amyotrophische Lateralsklerose (ALS). Im Rückenmark und im Gehirn der Betroffenen sterben motorische Neuronen ab. Diese Nervenzellen dienen der Ausführung und Kontrolle von Bewegungen. Die Krankheit tritt meist im siebten Lebensjahrzehnt auf und schreitet rasch voran. ALS-Patienten erliegen dem Leiden im Verlauf weniger Jahre, etwa die Hälfte stirbt innerhalb von vierzehn Monaten nach der Diagnose. Die Ursache der Erkrankung ist bislang unbekannt.
Wilmuts Team will herausfinden, was zum Absterben der Nervenzellen führt. Dazu planen sie das Erbgut von Körperzellen ALS-Kranker in zuvor entkernte Eizellen zu überführen. Aus den Embryos könnten sich dann Menschen entwickeln. Die gleiche Methode führte nach Einpflanzung eines aus Schafzellen und -erbgut erzeugten Embryos in die Gebärmutter eines Schafs zur Geburt des Klonlamms Dolly.
Die Mediziner wollen den ALS-Embryonen jedoch Zellen zu weiteren Studien entnehmen. Die Embryonen würden dann im Alter von wenigen Tagen vor der Entwicklung eines Nervensystems zerstört. Dass die Entnahme von menschlichen Stammzellen aus Klonembryonen möglich ist, hat ein koreanisches Forscherteam im Februar dieses Jahres gezeigt. Die Krankheit ALS könnte an solchen Zellen besser erforscht werden als an Kranken, sagt Wilmut. Mit dieser Technik könnte zudem eine Reihe weiterer nervenbedingter und genetischer Krankheiten untersucht werden.