netzeitung.deBonner Forscher testen Aids-Impfstoff

 Herausgeber: netzeitung.de

Gentech-Virus gegen Pandemie: In einer Studie mit 50 Freiwilligen soll ein neuer Impfstoff gegen die Immunschwäche-Krankheit Aids getestet werden.

Ende dieses Monats läuft in vier Zentren in Deutschland und Belgien eine Studie an, in der ein Impfstoff gegen Aids getestet wird. An der Universität Bonn werden 13 gesunde Freiwillige an der deutschlandweit ersten Studie dieser Art teilnehmen.
Dosiseskalations-Studie
Ziel der Studie ist es, die optimale Dosis zu finden, die die gewünschte Immunantwort hervorruft. In Tierversuchen hat sich der Impfstoff bereits als wirksam erwiesen, teilte die Universität Bonn am heutigen Montag mit. Die behandelten Versuchstiere entwickelten nach der Injektion Antikörper gegen das Aids-auslösende HI-Virus. Mit einer so genannten Dosiseskalations-Studie wollen die Mediziner herausfinden, ob der Impfstoff auch beim Menschen zu einer Immunantwort führt und ob allergische Reaktionen zu befürchten sind.

Dazu erhalten einige Probanden eine Injektion des Impfstoffs, eine Vergleichsgruppe dagegen ein Placebo. Anhand von Blutproben bestimmen die Forscher anschließende die Immunantwort. Darüber hinaus wollen sie prüfen, inwieweit sich unterschiedlich hohe Dosen auf die Sicherheit der Impfung und die Stärke der Immunreaktion auswirken.

Gentech-Virus
Bei dem Impfstoff-Kandidaten handelt es sich um eine Variante des so genannten Adeno-assoziierten Virus tgAAC09. Wissenschaftler der US-amerikanischen Targeted Genetics Corporation und des Columbus Children's Research Institute haben das Virus gentechnisch verändert: Es enthält nun eine synthetisch hergestellte Kopie eines Teils des HIV-Erbguts und kann daher HIV-Proteine produzieren.

Dennoch ist das Virus völlig harmlos: «tgAAC09 kann sich weder im Körper vermehren noch eine HIV-Infektion hervorrufen», sagt Nazifa Qurishi, die die Bonner Studie leitet. Er soll aber die menschliche Immunabwehr zur Produktion von Antikörpern gegen HIV anregen. Diese Antikörper könnten dann die Infektion und die Folgererkrankung Aids verhindern. tgAAC09 richtet sich zwar ausschließlich gegen HIV vom Subtyp C. Diese Variante ist weltweit aber für die meisten Ansteckungen verantwortlich und in vielen Entwicklungsländern am stärksten verbreitet.

In 13 Monaten sollen die Impfstofftests abgeschlossen sein. Bei positiven Ergebnissen sollen dann weitere Testreihen mit erheblich mehr Probanden folgen. Bis zur Zulassung werden daher voraussichtlich noch einige Jahre vergehen. (nz)