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Lupe Mäuse aus Riechzellen geklont

Bislang wurden Lebewesen mithilfe der Kerne aktiver, sich teilender Zellen geklont. Doch auch ausgereifte Zellen können die notwendige Erbinformation liefern.

«Reset» für das zelluläre Entwicklungs-Programm: Forscher haben aus Eizellen und Sinneszellen Mäuse geklont. Die Experimente zeigen, dass auch das Erbgut von Zellen, die ihr Wachstum bereits abgeschlossen haben, auf «Anfang» programmiert werden kann.
Unveränderte Alleskönner
Forscher um Rudolf Jaenisch vom US-amerikanischen Whitehead Institute in Cambridge haben Kerne von Riechzellen von Mäusen in entkernte Eizellen der Tiere übertragen. Nach diesem Prinzip wurden bereits eine Reihe von Tierarten sowie Menschen genetisch kopiert.

Doch die Klone, die Jaenisch und seine Kollegen in der heutigen Online-Ausgabe des Magazins «Nature» beschreiben, unterscheiden sich von ihren Vorgängern: Sie entwickelten sich nach einem genetischen Programm, das nach bisheriger Ansicht seine Fähigkeit zur Bildung sämtlicher Gewebetypen – seine Totipotenz – verloren haben müsste. «Unsere Studie zeigt erstmals, dass sich Tiere aus Zellkernen ausgereifter Neuronen entwickeln können, nachdem diese in Eizellen übertragen wurden», sagt Jaenisch.

Erbgut erhalten
Aus der Tatsache, dass sich die Klone normal entwickelten, schließen die Forscher um den in den USA tätigen Deutschen zudem, dass bei der Entwicklung einiger Hirnfunktionen – wie der Geruchswahrnehmung – die Erbinformation der Nervenzellen nicht verändert wird. Die Annahme, dass sich Nervenzellen ähnlich wie Immunzellen durch das Ausschalten nicht benötigter Erbgutabschnitte spezialisieren, wird dadurch entkräftet. Mit einem derart verkürzten Genom könnte sich kein lebensfähiger Organismus entwickeln.

«Es muss einen anderen Mechanismus für die Genexpression bei Säugetieren geben», sagt Kevin Eggan von der Harvard University, Leitautor des «Nature»-Artikels. In den Riechzellen, die genetisch auf die Produktion bestimmter Rezeptoren zur Geruchswahrnehmung spezialisiert sind, können offenbar sämtliche Erbinformationen abgelesen werden – auch die nicht zum Riechen benötigten.

Damit rückt nach Jaenischs Ansicht wieder die Frage in den Mittelpunkt des Interesses, wie die Eizelle das eingefügte Erbmaterial reaktiviert. Aus welchem Zelltyp der Kern stammt, scheint dagegen für die Überlebensfähigkeit der Klone weniger entscheidend zu sein.


Für das Web ediert von Patrick Eickemeier